Rund 80.000 Menschen haben am Samstagabend Papst Benedikt XVI. bei einer Messe im Londoner Hyde Park zugejubelt. Die herzliche Zustimmung der Menge stand im scharfen Kontrast zu den Protesten, die es kurz vorher bei einem Marsch von mehreren tausend Teilnehmern durch die britische Hauptstadt gegen das katholische Kirchenoberhaupt gegeben hatte. Die Demonstranten hatten Benedikts Haltung zum Missbrauchsskandal, zur Homosexualität, zur Abtreibung und zur Benutzung von Kondomen zur Aids-Prävention kritisiert.
Papst Benedikt XVI. hat den Missbrauch von Kindern als „unbeschreibliches Verbrechen“ gegeißelt und die Verfehlungen von katholischen Priestern tief bedauert. In seiner Predigt am Samstag in der Londoner Westminster Kathedrale sprach der Papst von dem ungeheuren Leiden, „das durch den Missbrauch von Kindern verursacht wurde, besonders, wenn es in der Kirche und durch ihre Diener geschah.“
Gemeinsam mit den unschuldigen Opfern gestehe er die Beschämung und Demütigung ein, „unter der wir alle wegen der Sünden einer geringen Zahl von Priestern gelitten haben.“ Notwendig sei neben einer Heilung der Opfer die Läuterung der Kirche. Benedikt dankte allen, die das Problem verantwortungsvoll in Angriff genommen hätten. Der Papst war bereits auf dem Flug zu seinem viertägigen Staatsbesuch in Großbritannien auf den Missbrauchsskandal zurückgekommen. Er nannte Missbrauch eine Perversion, die ihn geschockt habe, und räumte ein, die Kirche sei nicht wachsam genug gewesen und habe auch nicht rasch genug auf den Skandal reagiert.
Tausende demonstrieren gegen den Papst
Tausende Papstgegner zogen am Nachmittag in einer großen Demonstration durch die Straßen der Innenstadt zum Regierungssitz in der Downing Street. Unter anderem kamen bei der Kundgebung Opfer sexueller Übergriffe durch Priester zu Wort. Die Gegner kritisierten aber auch die Haltung des Vatikans zu der Rolle der Frau in der Gesellschaft, zu den Rechten Homosexueller und zur Geburtenkontrolle. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi blieb auch angesichts der oftmals harsch formulierten Kritik an dem Kirchenoberhaupt gelassen: „Das überrascht nicht, schockiert auch nicht besonders“, sagte er und verwies auf die britische Tradition der freien Meinungsäußerung.
Vor der Kathedrale von Westminster hatten sich tausende Gläubige versammelt, darunter viele junge Leute, die dem Papst zujubelten. Ein junger Mann aus Ost-London sprach von „einer wirklich lebendigen Kirche“. In einem Gruß an die Jugend warnte der Papst nach der Messe vor Neid, Selbstsucht und Stolz. „Auch inmitten der Geschäftigkeit und des Alltagsstresses müssen wir Raum schaffen für Stille, denn in der Stille geschieht es, dass wir Gott finden, und in der Stille geschieht es, dass wir unser wahres Selbst entdecken.“
Vor der einzigen Messe mit dem Pontifex in London war Benedikt zunächst zu einem kurzen Gespräch mit dem britischen Premierminister David Cameron zusammengekommen. Es folgten Begegnungen mit Camerons Vize Nick Clegg und mit Oppositionsführerin Harriet Harman von der Labour-Partei. Dabei dürfte auch die Festnahme mehrerer Verdächtiger am Freitag angesprochen worden sein. Die sechs Nordafrikaner sollen Anschläge im Zusammenhang mit dem Papst-Besuch geplant haben. Die Verdächtigen blieben in Polizeigewahrsam. Sie stünden unter dem Verdacht der „Anstiftung, Vorbereitung und Beauftragung terroristischer Taten“, teilte die Londoner Polizei mit. Die britische Zeitung „Guardian“ berichtete am Samstag, die sechs Straßenkehrer - darunter mehrere Algerier - seien nur vorsichtshalber festgenommen worden, weil sie berufsbedingt Zugang zur Wegstrecke des Papstes gehabt hätten.
Unbeschreibliches Verbrechen
Alfred Heilmeier (Heilmeier)
- 18.09.2010, 20:54 Uhr
Diese Katholische Kirche ist eine Schande in unserer Demokratie
René Vogt (Paulae)
- 19.09.2010, 07:54 Uhr
Seit mehr als 60 Jahren ist das "unbeschreibliche Verbrechen" Hr. Ratzinger
Sukrija Jusufbegovic (Sukrija)
- 19.09.2010, 10:18 Uhr
Wenn das unbeschreibliches Verbrechen ist
(senersen)
- 19.09.2010, 15:06 Uhr