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Der „Hochmoselübergang“ : Wenn Reben weinen

  • -Aktualisiert am

Sarah Washington, Knut Aufermann, Katharina Prüm und Georg Laska wollen das Landschaftsbild bewahren Bild: Marcus Kaufhold

Die Mosel bei Bernkastel-Kues hat nicht nur Weinlagen von Weltruf zu bieten, sondern auch eine Landschaft wie aus dem Deutschland-Bilderbuch. Die Winzer fürchten, durch den Bau des Hochmoselübergangs, beides zu verlieren. Das Projekt hat den Grünen die Wähler zugetrieben.

          Für den Protestaufkleber an Sarah Washingtons Kleinwagen hat Erich Honecker Pate gestanden: „Den Mainzer Dino in seinem Lauf halten weder Fluss noch Rebe auf.“ Der Reim ist über einem Dinosaurier plaziert, auf dessen breiten Rücken Autos fahren. Die ausgestorbene Riesenechse steht wie der DDR-Sozialismus für ein Großprojekt, das Sarah Washington und ihre Mitstreiter auch gerne „Monster“ oder einfach nur das „Ding“ nennen. Vor drei Jahren stieß die 46 Jahre alte Londoner Installationskünstlerin bei ihrer Suche nach einer schönen Wahlheimat auf jenen rund 20 Kilometer langen Teil des Moseltals, der Weinliebhaber in der ganzen Welt seit Generationen in Verzückung versetzt.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Zeltinger Himmelreich, Ürziger Würzgarten oder Wehlener Sonnenuhr heißen die schon von den Römern bepflanzten Lagen über der Mosel, die hier nahe der Touristenstadt Bernkastel-Kues die größte Schleife auf ihrem Weg in den Rhein zieht. Es sind Steillagen mit einer nur hier anzutreffenden Mischung aus Schieferboden, wärmenden Sonnentagen, kühlem Klima und tiefen Wasseradern. Nicht nur nach Meinung des Weinpapstes Hugh Johnson gedeiht hier der beste und facettenreichste Riesling der Welt. Seit drei Jahren ist die Weinfachwelt zwischen Australien und Frankreich in großer Sorge um dieses einzigartige kulinarische Kulturwelterbe. Von Sarah Washington alarmierte Weinkritiker wie Johnson, Janice Robinson, oder Stuart Pigott trommeln zusammen mit einer Bürgerinitiative und Spitzenwinzern gegen das in Berlin und Mainz beschlossene „Ding“, das offiziell „Hochmoselübergang“ heißt.

          Hinter dem verkehrstechnokratischen Begriff verbirgt sich eine gigantische, vierspurige Autobrücke, unter der „sogar der Kölner Dom ein Mal Platz hätte“, wie das Bundesverkehrsministerium und das Land Rheinland-Pfalz auf ihrer gemeinsamen Homepage über „das Projekt der Superlative“ schwärmen. Zwischen den Weindörfern Ürzig und Rachtig soll sich vom Jahr 2016 an in einer Höhe von 158 Metern die Brücke auf 1,7 Kilometer Länge über das Tal spannen. Geplant wurde das Bauwerk schon Ende der sechziger Jahre, um Eifel und Hunsrück mit einer Autobahn zu verbinden. Damals noch als Militärtrasse geplant, um im Falle einer Invasion des Warschauer Paktes die „Moselbarriere“ zu überwinden und rasch Panzer der Nato gen Osten rollen zu lassen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die immer wieder variierten Brücken- und Straßenpläne Teil einer transeuropäischen Verkehrsachse. Die belgischen und niederländischen Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen sollten mit dem Rhein-Main-Gebiet verbunden werden.

          Auch Julia Glöckner will das Projekt nicht kippen

          Geld vom Konjunkturpaket

          Konkret sieht die Verkehrsplanung vor, die 25 Kilometer lange Lücke zwischen der A60 bei Wittlich in der Eifel und Rheinböllen an der A61 im Hunsrück mit der Brücke und einer vierspurig ausgebauten Bundesstraße 50 zu schließen. Jahrelang scheiterte dieses Vorhaben am fehlenden Geld. Denn das Baurecht hatte die rheinland-pfälzische SPD-Landesregierung vorsorglich in langwierigen Prozessen gegen die Klagen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) durchgesetzt. 2008 wies das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in letzter Instanz die Einwände des BUND zurück, eine Revision wurde nicht zugelassen. Die Richter hielten das Vorhaben wegen der vom Land vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen für Wild und Pflanzen mit dem Naturschutzrecht für vereinbar.

          Mit der Finanzkrise standen Ende 2008 plötzlich auch staatliche Geldmittel in Fülle bereit. Die schwarz-rote Bundesregierung hatte in den Ländern nach baureifen Projekten für ihre Konjunkturprogramme gesucht und Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) zog den alten Plan für die Hochmoselbrücke aus der Schublade. Nur 20 Millionen Euro muss das Land beisteuern, der Rest von 310 Millionen Euro für Brücke und die „B 50 neu“ kommt aus Berlin. Beck und sein Verkehrs- und Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) priesen das Bauwerk als Jobmotor für die strukturschwache Region und als wichtigen Zubringer für den subventionierten, aber dennoch schwächelnden Flughafen Hahn.

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