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Brisante Funde zur „Lusitania“ : Sie hatten wohl Pulver an Bord

1. Mai 1915: Die „Lusitania“ vor New York Bild: AP

Vor 100 Jahren schoss ein deutsches U-Boot auf die „Lusitania“. Ihr Untergang führte zum Kriegseintritt Amerikas. Noch immer ranken sich Gerüchte um den genauen Hergang.

          Es war ein Zufallsfund. Eigentlich beschäftigte sich die Historikerin Jessica Gienow-Hecht im vergangenen Jahr mit dem Bostoner Symphonie-Orchester im frühen 20. Jahrhundert, als sie in den Archiven der Harvard-Universität einen Brief von einem der Brahmanen der Stadt fand - „Boston Brahmins“ nennt man die vornehmsten Familien der Ostküsten-Metropole.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zu ihnen zählte auch Henry Cabot Lodge (1850 bis 1924), der mit dem Gründer des berühmten Orchesters, Henry Lee Higginson, befreundet war. Lodge war 1915 auch der unbestrittene Mehrheitsführer der Republikaner im Senat und einer der unversöhnlichsten Gegenspieler des im Ersten Weltkrieg lange friedlich gestimmten Präsidenten Woodrow Wilson (1856 bis 1924). Lodge empfand tiefe Abneigung gegenüber diesem Oberbefehlshaber, den er ungeniert einen Feigling nannte, weil er nicht gegen die Deutschen in den Krieg ziehen wollte.

          In dem nun an Higginson gerichteten Brief, datiert auf den 23. Februar 1915, schrieb Lodge, dass sich die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten zugunsten eines Kriegseintritts bestimmt ändern würde, sollte ein Schiff mit amerikanischen Passagieren an Bord von einem deutschen U-Boot versenkt werden. Auch ein mögliches Ziel nannte er: die „Lusitania“.

          Die Brisanz der Sätze war der Historikerin Gienow-Hecht vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin sofort klar, schließlich sind die deutsch-amerikanischen Beziehungen der Jahre 1850 bis 1920 Teil ihrer Forschung. Bislang habe es keinen Beleg dafür gegeben, dass ein amerikanischer Politiker wie Lodge schon fast drei Monate vor der Versenkung der „Lusitania“ überhaupt mit dem Gedanken spielte, genau diese Katastrophe könnte die Öffentlichkeit für einen Kriegseintritt begeistern.

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          An diesem Donnerstag vor 100 Jahren geschah dann, was Lodge womöglich erhofft, zumindest aber vorhergesehen hatte: Eines der größten und schnellsten Schiffe der damaligen Zeit versank mit 1959 Menschen an Bord nach einem deutschen Torpedo-Beschuss innerhalb von 18 Minuten vor der irischen Küste. 1198 Zivilisten kamen ums Leben, unter ihnen 128 Amerikaner. Alfred Vanderbilt gehörte dazu, einer der reichsten Männer der Vereinigten Staaten, der Schriftsteller Justus Forman, die Modedesignerin Caroline Kennedy, die Chemikerin Anne Shymer und der New Yorker Theaterdirektor Charles Frohman.

          Wie Lodge vorausgesagt hatte, änderte sich die Stimmung im Land. „Das bekam vor allem die deutsche Minderheit zu spüren“, sagt Gienow-Hecht. Bis zum Untergang der „Lusitania“ waren Deutsch-Amerikaner noch stolz durch Städte wie Milwaukee und St. Louis marschiert und hatten ihren Kaiser mit schwarz-weiß-roten Fahnen hochleben lassen. Nach dem 7. Mai richtete sich der zunehmende Volkszorn gegen sie.

          Auch Woodrow Wilson reagierte, setzte seinen auf Ausgleich bedachten Außenminister William Jennings Bryan ab, blieb aber weiterhin unentschlossen. Erst als die Deutschen ihren „uneingeschränkten U-Boot-Krieg“ 1917 wieder aufnahmen und ein weiteres britisches Passagierschiff mit Amerikanern an Bord, die „Laconia“, am 25. Februar 1917 von einem deutschen U-Boot versenkt worden war, erklärte Amerika Deutschland den Krieg.

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