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Veröffentlicht: 23.04.2015, 10:52 Uhr

Schlacht von Gallipoli Ein türkischer Sieg wird zur Waffe

Die verlustreiche Schlacht von Gallipoli, in der die Osmanische Armee 1915 die Invasion der türkischen Halbinsel durch die Entente-Mächte abwehrte, ist erst islamisiert worden. Nun soll das Gedenken vom Völkermord an den Armeniern ablenken.

von Joseph Croitoru
© Reuters Gedenkstätte für türkische Soldaten in Gallipoli

Die Schlacht von Gallipoli steht bis heute im Zentrum der Gedenkkultur nicht nur der Türkei, sondern auch Australiens und Neuseelands. Letztere waren als Anzac – das Akronym fürs „Australian New Zealand Army Corps“ der britischen Streitkräfte – am gescheiterten Dardanellenfeldzug beteiligt, mit dem den Osmanen die Kontrolle über den Bosporus entrissen werden sollte. Die Schlacht von Gallipoli jährt sich nun zum hundertsten Mal.

Bei Siegern wie Verlierern von damals hat die Erinnerung an dieses hierzulande weitgehend vergessene Kriegsgeschehen längst die Form eines nationalen Kults angenommen. Diese Entwicklung hat der frühere türkische Anglistik-Dozent Kenan Çelik, der seit vielen Jahren Touristen zu den einstigen Kriegsschauplätzen führt, genau verfolgt. Die Initialzündung, schrieb er unlängst in der Istanbuler Zeitschrift „Turkish Policy Quarterly“, sei 1981 der Film „Gallipoli“ des australischen Regisseurs Peter Weir gewesen. Mit Mel Gibson in einer der Hauptrollen führt Weir am Beispiel des Einsatzes der australischen Landetruppen, die wie ihre neuseeländischen Kameraden in Gallipoli ins Maschinengewehrfeuer der Türken liefen und 7925 Tote zu beklagen hatten, die Sinnlosigkeit dieses Kriegseinsatzes vor Augen. Von den Australiern und Neuseeländern wurde er dennoch als Feuertaufe ihrer damals noch jungen Nationen verinnerlicht.

Während dieser Film seinerzeit im Ausland auf Kritik stieß, weil er die britischen Befehlshaber als skrupellos darstellte, wurde er im Heimatland des Regisseurs begeistert aufgenommen. Australier und später auch Neuseeländer – von ihnen fielen während der Landung 2445 Soldaten – pilgerten daraufhin in immer größeren Zahlen nach Gallipoli. Mittlerweile sind es Tausende, die jedes Jahr dort am 25. April den „Anzac Day“ begehen.

„Mehmets“ gegen „Johnnies“

Auftritte von Politikern sind längst Routine, und trotz aller patriotischen Rhetorik war man von Anfang an auch um Versöhnung mit der türkischen Seite bemüht. So ließ 1985 Australiens Minister für Veteranenangelegenheiten unweit der Landestelle bei Gaba Tepe (Ariburnu) eine monumentale Schrifttafel aufstellen: mit Atatürks Grußworten, die der türkische Präsident 1934 an die ersten angelsächsischen Besucher des Ortes richtete. 1915 war ihm als jungem Offizier unter dem Kommando des deutschen Verbündeten Otto Liman von Sanders die Abwehr der Anzac-Truppen gelungen. Das hatte ihn berühmt gemacht, und 1934 würdigte er mit seiner Geste die Opfer beider Seiten: die „Mehmets“ wie die „Johnnies“, die er als „Helden“ und „Brüder“ bezeichnete.

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Der Besucherstrom aus Übersee ließ Çelik zufolge auch das türkische Interesse an diesem Ort wachsen. Lange Jahre wurden zwar in der Türkei am 18.März (dem Tag, an dem die Osmanen mit deutscher Hilfe mehrere Schiffe der Entente in den Dardanellen versenkt und den Flottendurchbruch verhindert hatten) alljährlich Gedenkveranstaltungen abgehalten, aber Gallipoli als Ort spielte dabei eine eher marginale Rolle. Erst Anfang der neunziger Jahre wurde dort ein Friedhof zu Ehren der osmanischen Gefallenen eingerichtet und neben einem bereits 1960 aufgestellten Denkmal für alle türkischen „Märtyrer“ ein zweites für die Opfer des von Atatürk befehligten 57.Infanterieregiments errichtet.

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