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Frankfurter Zeitung 08.03.1918 : Probleme an bayrischen Mittelschulen

  • Aktualisiert am

Szene aus einer amerikanischen Schule in Amerika im Jahr 1917. Bild: Picture-Alliance

Die bayrische Abgeordnetenkammer tagt und der Kultusminister verspricht, das keine Schulform bevorzugt werde. Die Mittelschulen allerdings bereiten Sorgen.

          München, 7. März. (Priv.-Tel.) Bei der Beratung des Kultusetats in der bayerischen Abgeordnetenkammer äußerte sich heute der Kultusminister vor allem über die Mittelschule. Er halte bei dem Streit „ob humanistische oder Realschulen“ wirklich klaffende Gegensätze nicht für gegeben.

          Keinesfalls aber werde die bayerische Unterrichtsverwaltung eine der beiden Schulgattungen einseitig begünstigen. Ohne Zweifel sei nach wie vor das humanistische Gymnasium als unübertreffliche geistige Ringschule zu betrachten, wie auch die „Frankfurter Zeitung“ vor etwa einem Jahr geschrieben habe. Durch den Unterricht in Bürgerkunde und Erweiterung des Erdkundeunterrichts müsse das humanistische Schulprogramm erweitert werden. Dem vermehrten Andrang zu den Realgymnasien und den Oberrealschulen versprach der Minister Rechnung zu tragen. Die Landplage der Ueberfüllung der Mittelschulen könne durch keine Verordnungsmaßnahmen eingedämmt werden, sondern nur durch die bessere Einsicht der Eltern, die gerade in Bayern ihre Söhne dem Staatsdienst als dem einzigen Heile zuzuführen bestrebt seien.

          Auch die Abschaffung der Einjährig-Freiwilligen-Einrichtung würde eine wesentliche Erleichterung in diesem Mißstand bringen können, doch werde die Militärverwaltung des Offiziersersatzes wegen kaum Zugeständnisse machen. Die ungeteilte Unterrichtszeit begegne vorerst noch großen Schwierigkeiten, wenn sie auch in der Stadt empfehlenswert sei. Der Vorwurf, daß den Minderbemittelten der Mittelschulbesuch erschwert sei, treffe Bayern keinesfalls. Aber der Abschaffung des Schulgeldes und der Einführung der Lehrmittelfreiheit könne nicht das Wort geredet werden. Bei der Heranziehung der Mittelschüler zu landwirtschaftlichen Arbeiten werde die Unterrichtsverwaltung das ihre zur Abhaltung von Schäden für die Schüler tun, wie es die Heeresverwaltung bisher auch schon getan habe. Zwang werde dabei nicht eintreten.

          Bei dem folgenden Kapitel „Fach- und Fortbildungsschulen“ empfiehlt der liberale Redner Bühler das Beispiel Frankfurts zur Nachahmung, wo der Einjährig-Freiwilligen Berechtigungsschein nicht vom Besuch der Fortbildungsschule entbinde, so lange der Schüler das 17. Lebensjahr nicht überschritten habe.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 12. März 2018.

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