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Frankfurter Zeitung 3.12.1917 : „Der Krieg wird nicht als eine Remispartie abgebrochen“

  • Aktualisiert am

Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff 1915 beim Besuch des Zaren von Bulgarien. Zwei Jahre später herrscht immer noch Krieg - aber die beiden geben sich optimistisch. Bild: Picture-Alliance

Beim Treffen mit einem Journalisten geben sich Generalfeldmarschall von Hindenburg und sein Stellvertreter Ludendorff optimistisch. Amerikas Kriegsheer, sagen sie, werde an der Front nichts ändern.

          Wien, 2. Dzbr. (Priv.-Tel.) Der Berliner Vertreter der „Neuen Freien Presse“ wurde dieser Tage im Großen Hauptquartier von Hindenburg und Ludendorff empfangen.

          „Es geht alles gut,“ begann Hindenburg das Gespräch, und Ludendorff bekräftigte: „Die Kriegslage berechtigt zu der größten Zuversicht. Ueber den Winter werden wir freilich noch aushalten müssen und einige Anstrengungen werden wir wohl noch machen müssen, wir sowohl wie unsere Verbündeten. Je mehr sich der Krieg dem Ende nähert, desto weniger dürfen wir die Kraft sinken lassen. Nur feststehen und stark sein, dann kommt der Friede schon von selbst.“ Ludendorff fügte hinzu: „Den Termin des Friedens bestimmen können wir natürlich nicht, nur eines können wir mit Sicherheit versichern: der Krieg wird nicht als eine Remispartie abgebrochen werden, er wird für uns entschieden günstig enden. Der Friede wird um so eher herbeigeführt werden, je günstiger unsere Kriegslage wird.“ – „Noch steht die Tat über den Worten, deshalb,“ so setzte Hindenburg hinzu, „sollen wir jetzt nicht mehr vom Frieden sprechen; der Friede ist noch eine zu zarte Pflanze, um auf die Dauer die Berührung zu vertragen.“

          General Ludendorff bemerkte: „Den Anfang scheinen die Russen machen zu wollen. Ich will damit nicht sagen, daß ich die Kundgebung der Bolschewiki als ein Friedensangebot betrachte. Einen Waffenstillstand mit Rußland können wir allerdings jetzt schließen, sobald wir die Sicherheit seiner Einhaltung haben. Die Frage des Allgemeinen Waffenstillstands dagegen wird schwierig sein. Man braucht lediglich nur die eine Frage herauszugreifen: Sollen sich während eines Waffenstillstandes unsere U-Boote in jeder Kampfhandlung enthalten und unterdessen die Handelsschiffe ungestört nach England, Frankreich und Italien fahren und dadurch die Lage der Gegner verbessern, während wir keine Zufuhr erhalten? Ein Waffenstillstand von drei Monaten, von dem öfter gesprochen wird, ist leicht verlangt. In drei Monaten kann sich in den feindlichen Ländern viel zu unserem Schaden verändern. Man muß sich in kurzer Zeit klar werden und zu Entschlüssen kommen, wenn die militärische Lage nicht Schaden erleiden soll. Die Revolution in Rußland ist kein Glücksfall gewesen, sondern die natürliche und notwendige Folge unserer Kriegsführung. Mit dem modernen Krieg hat es eine eigene Bewandtnis. Früher ging der Krieg dadurch zu Ende, daß die feindlichen Armeen besiegt wurden: jetzt endet der Krieg mit der Besiegung des feindlichen Volkes. Das haben wir alles vor diesem Kriege nicht gewußt und haben es erst lernen müssen.“

          Was im Anschluß hieran über den Frieden gesprochen wurde, so bemerkt der Korrespondent, entzieht sich in seinen Einzelheiten der Veröffentlichung. Nur so viel darf mitgeteilt werden, daß Hindenburg und Ludendorff einen Frieden wünschen, der möglichst sichere und stabile Verhältnisse schafft, einen Frieden, der uns gesicherte Grenzverhältnisse und eine Entwicklungsbewegung in der Welt und auf dem Weltmeer bringt.

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