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Frankfurter Zeitung 13.11.1917 : Friedensvorschlag aus Russland

  • Aktualisiert am

Wladimir Lenin spricht 1917 vor dem Taurischen Palais in St. Petersburg. Seine Partei der Bolschewiki strebte nach der Machtübernahme das Ende des 1. Weltkrieges an. Bild: Picture-Alliance

Die russische Regierung bietet allen am Krieg beteiligten Ländern den Gespräche über den Frieden an. Jedoch unter einer Bedingung.

          Basel, 12. Novbr. (Priv.-Tel.)

          Wie durch die Petersburger Telegraphenagentur indirekt aus Petersburg gemeldet wird, nahm der Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte die Bedingungen für den Friedensvorschlag an. Er erklärt:

          Die durch die Revolution vom 6. Und 7. November geschaffene Regierung der Arbeiter und Bauern, die sich auf den Arbeiter und Soldatenrat stützt, schlägt allen Regierungen der Kriegsführenden vor, alsbald Besprechungen einen gerechten demokratischen Frieden zu beginnen.

          Die Regierung ist der Ansicht, daß ein gerechter demokratischer Frieden, der von der Mehrheit der Arbeiterklassen aller kriegführenden Ländern erstrebt wird, die durch den Krieg erschöpft und ruiniert sind, der Frieden, den die russischen Arbeiter und Bauern nach dem Sturz der Monarchie forderten, ein sofortiger Frieden ohne Annexionen, das heißt ohne gewaltsame Aneignung fremder Gebiete, und ohne gewaltsame Eroberungen fremder Nationalitäten und ein Frieden ohne Kontributionen sein muß.

          Die russische Regierung schlägt allen Kriegführenden vor, sogleich einen solchen Frieden zu schließen, indem sich alle Kriegführenden bereit erklären, unverzüglich alle erdenklichen Schritte zu tun, bis zur endgültigen Billigung aller Bedingungen dieses Friedens durch die Bevollmächtigten aller Länder und Nationen. Unter Annexion, also gewaltsamer Gebietsaneignung versteht die Regierung nach dem Rechtsbewußtsein der Demokratie im allgemeinen- und der Arbeiterklassen im besonderen jede Annexion einer kleinen und schwachen Nationalität durch einen großen mächtigen Staat ohne Zustimmung dieser Nationalität, unabhängig von dem Grade ihrer Zivilisation und ihrer geographischen Lage in Europa oder in den jenseits des Ozeans gelegenen Ländern. Wenn irgend eine Bevölkerung von irgend einem Staat gewaltsam festgehalten wird, und wenn ihr gegen ihren Willen, wie er in der Presse oder in nationalen Versammlungen oder Parteibeschlüssen oder durch Auflehnungen und Erhebungen gegen die Unterdrücker zum Ausdruck gelangt, das Recht zur allgemeinen Abstimmung verweigert wird, wenn man sich ferner weigert Besatzungstruppen zurückzuziehen und der Bevölkerung nicht das Recht zugesteht, ihre politische Regierungsform einzurichten, so ist ein solcher Zustand eine Annexion oder gewaltsame Aneignung.

          Die russische Regierung ist der Ansicht, daß die Fortsetzung des Krieges zum Zwecke, die schwachen und besiegten Nationalitäten unter die reichen und mächtigen Nationen zu teilen, ein großes Verbrechen gegen die Menschheit ist. Daher verkündet die Regierung feierlich ihren Entschluß, einen Frieden zu unterzeichenen, der unter den erwähnten, für alle Nationalitäten gerechten Bedingungen dem Krieg ein Ende machen wird. Gleichzeitig erklärt die Regierung, daß die erwähnten Bedingungen nicht als endgültig betrachtet werden sollen, d.h., die Regierung ist damit einverstanden, alle anderen Friedensbedingungen zu prüfen, wobei sie nur darauf besteht, daß diese Bedingungen sobald wie möglich von jedem Kriegführenden vorgelegt werden, und daß diese Bedingungen durchaus klar, ohne die geringste Zweideutigkeit und ohne jeden geheimen Charakter seien.

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