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Frankfurter Zeitung 8.5.1918 : Der Frieden von Bukarest

  • Aktualisiert am

Unterzeichnung des Bukarester Frieden in 1918. Bild: Picture-Alliance

Noch ein Friedensvertrag: Nach Russland schließen die Mittelmächte auch mit Rumänien Frieden. Die Unterzeichnung findet im Schloss Cotroceni in Bukarest statt.

          Der Friedensvertrag, den die Mächte des Vierbundes gestern mit Rumänien im Schlosse Cotroceni unterzeichnet haben, bestätigt im wesentlichen die Abmachungen, zu denen sich die rumänische Regierung im Vorfrieden von Buftea unter dem Druck der Tatsachen bereit gefunden hatte. Nachdem die Ukraine und Rußland Frieden geschlossen hatten, wäre eine Fortsetzung des Kampfes für Rumänien politischer und nationaler Selbstmord gewesen. König Ferdinand hat eins nach den schweren Niederlagen des Winters 1916/1917 der Entente feierlich versichert, daß Rumänien „niemals“ einen Sonderfrieden schließen werde, und die Staatsmänner der Entente, die einst den Eintritt Rumäniens in den Krieg durch vorzeitige Triumphreden und ein prasselndes Feuerwerk unechter Solidaritätsgefühle begrüßt hatten, haben ebenso feierlich immer wieder in vielen Worten versichert, daß sie das angeblich um seine Freiheit kämpfende edle Volk niemals im Stiche lassen würden.

          Besonders eifrig war Präsident Wilson, der noch bis kurz vor dem Abschluß des Vorfriedens die Jaffyer Regierung ermahnte, im Kriege auszuharren. Rumänien hat erkennen müssen, daß Tatsachen schwerer wiegen als Worte. Der Friede von Bukarest wurde wie die vorhergegangenen Friedensschlüsse von Brest-Litowsk geschlossen, ohne daß die Mächte der Entente oder Herr Wilson darin auch nur einen Buchstaben hätten bestimmen können. Um den Frieden im Westen wird noch gekämpft, den Frieden im Osten haben allein Deutschland und seine Verbündeten festgesetzt. Es wird für die künftige Ordnung gesunder und der inneren Wirklichkeit entsprechender Beziehungen der Staaten des Erdballs zu einander gut sein, wenn man diese Tatsache in ihrem ganzen Werte würdigt.

          Der Friede von Bukarest ist kein Verständigungsfriede in dem engeren Sinne, in dem sich Deutschland und seine Verbündeten durch das Friedensangebot vom 12. Dezember 1916, durch die Friedensrevolution des Reichstages, durch zahlreiche Reden von Staatsmännern der Mittelmächte und vermutlich auch durch vertrauliche Andeutungen bereit erklärt haben. Es ist ein Friede, der geschlossen wird nach dem Herkommen zwischen dem Sieger und dem Besiegten. In dem allgemeinen Sinne freilich, in dem die meisten Friedensverträge eine Verständigung bedeuten, ist es auch dieser. Rumänien hatte die Wahl, den Kampf fortzusetzen oder einen Frieden zu schließen, den in wichtigen Punkten der Sieger bestimmt und der jedenfalls von den Kriegszielen, durch deren Vorspiegelung eine gewissenlose Regierung und ein charakterloser König es in den Krieg getrieben haben, abgrundweit entfernt ist. Aber es wußte, was der Ausgang weiteren Kampfes gewesen wäre, und so wählt es den Frieden. Es hat klug daran getan.

          Denn der Eindruck, den vor zwei Monaten die Abmachungen des Vorfriedens hervorriefen, wird durch den endgültigen Friedensschluß bestätigt: es ist trotz der empfindlichen Verluste, die Rumänien besonders durch die Aufgabe der Dobrudscha, aber auch durch die Abtretungen am Eisernen Tor und in den Karpaten erleidet, ein glimpflicher Friede. Er soll es auch sein, denn Deutschland kann nichts an einer Vernichtung oder Unterjochung der Balkanvölker liegen. Uns kann es nur darauf ankommen, in jenen südöstlichen Gebieten jene Möglichkeiten zu erhalten, die wir zur Entfaltung unserer wirtschaftlichen Kräfte, unserer Verkehrs- und Handelsbeziehungen und zu deren wir des europäischen Friedens Sicherheit brauchen.

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