http://www.faz.net/-i0t-7wcfq

Frankfurter Zeitung 22.11.1914 : Unsere Feldartillerie

Bild: Picture-Alliance

Eine unverzichtbare Aufgabe leistete die deutsche Feldartillerie im Krieg. Die Frankfurter Zeitung berichtet am 22. November 1914 über die Erfolge der kaiserlichen Feldartillerie als Unterstützer der Infanterie.

          Großes Hauptquartier, 15. November.

          Eine Waffe, die eigentlich in allen Berichten etwas stiefmütterlich behandelt wird ist unsere Feldartillerie. Die große Konkurrenz, die Riesenleistungen der 42 cm-Mörser und der österreichisch-ungarischen 30,5 cm-Motorbatterien hat sie etwas in den Hintergrund gedrängt. Wer aber die Schlachtfelder in Lothringen gesehen hat, der wird sich der langen Reihen stehen gebliebener Geschütze der Franzosen entsinnen, der zahlreichen verlassenen Munitionswagen, die zum großen Teil noch gefüllt waren: das sind deutliche Zeichen dafür, daß die französische Artillerie sich schon nach kurzem Kampfe der Ueberlegenheit der deutschen Feldbatterien beugen mußte. Dabei waren die französischen Batterien, die unseren deutschen Feldbatterien gegenüberstanden, mit ihrem Kaliber von 10,5 cm den deutschen Geschützen an Wirkungsmöglichkeit überlegen. Ich erinnere an die Schlachtfelder von Stenay-Dun-Montfaucon, wo deutlich zu sehen war, wie furchtbar und treffsicher unsere Feldartillerie gewirkt hatte.

          Bei Neufchateau wurde eine feindliche Artilleriekolonne von einer Haubitzen-Abteilung, ich glaube, es waren sogar unsere Frankfurter 63er, total vernichtet, bevor sie überhaupt zum Auffahren kommen konnte. In einer anderen Schlacht mußte der Infanterie unbedingt zur Durchführung des Infanterie-Angriffes Lust gemacht werden. Da ging ein Feld-Artillerieregiment mit beiden Abteilungen in gestrecktem Galopp bis in unsere Schützenlinie vor, und ihr rasendes Schnellfeuer fegte unseren Infanteristen die Bahn zum Siege frei. In den Schlachten, die der Einnahme von Antwerpen folgten, mußte an einer Stelle der Uebergang über die Schelde in schärfstem Kampfe erzwungen werden. Die Brücke wurde in heftigem Feuer geschlagen, die Infanterie ging zum Teil hinüber, aber das Feuer der feindlichen Artillerie war zu übermächtig; Artillerie mußte nachgezogen werden. Inmitten des Hagels der Geschosse wurde eine Feldartillerie-Abteilung an die Brücke herangeholt. Zwei Geschütze brachen auf der Brücke im feindlichen Feuer zusammen, aber mit eiserner Energie rissen die Offiziere den Rest vorwärts, das Auffahren wurde durchgesetzt und der schwer ringenden Infanterie Luft gemacht.

          Ganz Hervorragendes leistete unsere Feldartillerie auch, als die rückgängige Bewegung hinter die Aisnelinie eingeleitet wurde. Besonders im Norden, wo die Franzosen und Engländer mit gewaltigen Massen von Westen und Süden gleichzeitig anpackten, bildeten die Artilleriemassen im Verein mit der sich todesmutig opfernden Kavallerie und den Maschinengewehr-Abteilungen den stählernen Schirm, hinter dem alles in Ruhe abgeleitet wurde. Gegen gewaltige Ueberlegenheit kämpfend, hielten sie tapfer aus und auch das Eingreifen schwerer Kaliber und große Verluste vermochten sie nicht zum Abfahren zu bewegen. Von Höhe zu Höhe langsam weichend, hielten sie dauernd die ungestüm nachdrängenden Gegner im Schach und ihrer aufopfernden Tätigkeit ist es nicht zum geringsten Teile zu danken, daß bei allen Heeren die rückgängige Bewegung sich mit der Ruhe und Sicherheit eines Friedensmanövers abwickelte, so daß sogar alle in früheren Kämpfen erbeuteten Geschütze und die Gefangenen mit zurückgeführt werden konnten.

          Es kam dann die Zeit des Positionskrieges. In diesem haben naturgemäß die schweren Batterien die Hauptrolle, aber auch die Feldbatterien helfen tüchtig mit, vor allem die Haubitzbatterien. Im Norden aber, wo bei Ypern und westlich von Lille die deutsche Offensive kraftvoll vorwärtsschreitet, arbeiten Infanterie und Feldartillerie tapfer Hand in Hand, und das hervorragend gezielte Schnellfeuer unserer Feldbatterien ist schon oft den englischen und französischen Vorstößen verderblich gewesen. Eine außerordentlich wichtige Rolle spielte unsere Feldartillerie, als die Franzosen und Engländer in der ersten Periode der Kämpfe um die Aisnelinie wie rasend die deutsche Stellung zu durchbrechen versuchten. Ihr Hauptoffensivstoß ging damals auf Soissons. Immer und immer wieder versuchten sie mit ganz hervorragender Bravour die Aisne zu forcieren und dann durch die deutschen Linien durchzubrechen. Da war es denn wieder unsere Feldartillerie, die, durch rasch herangeholte Batterien verstärkt, den Kampfplatz mit einem so fürchterlichen konzentrischen Feuer überschüttete, daß nichts Lebendes darin aushalten konnte. Was man bei unserer gesamten Artillerie immer wieder bewundert, ist die hervorragende Treffsicherheit und die Feuerleistung. Ohne jede Ueberstürzung erfolgt das Einschießen und wenn dieses beendet ist, kann man über den Erfolg des Wirkungsschießens ganz beruhigt sein.

          Auch der schweren Artillerie ist die Feldartillerie immer hilfsbereit beigesprungen, indem sie die Entfernungen genau festlegte, auf der die schweren Batterien dann das Wirkungsschießen begannen. Es geschieht dies, um die Rohre der schweren Kaliber sowie deren Munition möglichst zu schonen. Sobald aber das Ziel genau ermittelt war, überließen die leichten Batterien der schweren Bombe die weitere Aufgabe. Gegen Luftfahrzeuge haben vor allem unsere Feldhaubitzen eine ganz hervorragende Treffsicherheit entwickelt. Die Flieger gehen daher auch den Aufstellungsplätzen dieser Geschütze möglichst aus dem Wege.

          Wiederum tobt im Norden ein gewaltiges Ringen, vielleicht die größte und schwerste Schlacht, die überhaupt in diesem ganzen Kriege geschlagen wird. In diesem blutigen Kampfe nehmen unsere Feldartillerie-Regimenter ruhmvollen Anteil; ob in scharfer Offensive, zur Infanterie vorgezogen, rücksichtslos vorgehend, oder ob in zäher Defensive, die gewonnene Stellung unter fürchterlichem Artilleriefeuer festhaltend, - die deutsche Feldartillerie hat den Erwartungen und Hoffnungen, die man auf sie gesetzt hat, in vollstem Maße entsprochen; sie wird auch für ihren Teil ihr Letztes dransetzen, um den endgültigen Erfolg an die deutschen Fahnen zu heften.

          Walter Oertel, Kriegsberichterstatter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Andrea Nahles, Vorsitzende der SPD.

          Wirtschaftskrise : Nahles bekräftigt ihren Türkei-Vorstoß

          Die SPD-Vorsitzende warnt vor den Folgen einer Destabilisierung der Türkei, die die ganze Region betreffen könnten. Wirtschaftsverbände bestätigen, dass sich die amerikanischen Sanktionen gegen Ankara bereits negativ auswirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.