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Frankfurter Zeitung 08.02.1918 : „Getreide ist mit der Trennung vom Boden beschlagnahmt“

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Polnische Bauernmädchen auf einem Heuwagen. Während des Krieges versuchten besonders Städter, sich Lebensmittel direkt vom Bauern zu beschaffen. Bild: Picture-Alliance

Seit 1915 steht die gesamte Ernte unter staatlicher Kontrolle. Mancher versucht, das zu umgehen und beschafft sich Getreide unter der Hand. Ein wachsendes Problem.

          Man schreibt uns: Um dem fressenden Uebel des Schleichhandels zu steuern, hat das Kriegsernährungsamt jüngst ein scharfes und rücksichtloses Vorgehen angekündigt. Da erscheint es angezeigt, auf einem neuerdings sich mehr und mehr ausbreitenden Mißstand hinzuweisen, nämlich auf das Einhandeln kleinerer Mengen Getreide unmittelbar vom Erzeuger.

          Es mag sein, daß bei diesem Mißbrauch vielfach Gedankenlosigkeit, Unüberlegtheit oder Leichtsinn obwaltet. Das aber schützt die Betreffenden keineswegs vor der Strafe, die auf solches Vergehen gesetzt ist. Das gesamte im Reiche angebaute Getreide ist mit der Trennung vom Boden beschlagnahmt und ist, soweit es nicht dem Selbstversorger (Landwirt) zusteht oder an den selbstwirtschaftenden Kommunalverband zu liefern ist, an die R.-G. abzuführen, die in dieser schweren Zeit auch das letzte Körnchen heranziehen muß, um die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Nach § 79 der Bundesratsverordnung vom 21. Juni 1917 kann ein Verstoß gegen diese Vorschriften mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit schweren Geldstrafen geahndet werden. Man bedenke, wie sich die Dinge entwickeln würden, wenn jeder Städter auch nur ein halbes Pfund aus dem Dorfe in die Stadt schleppen wollte; wir würden bald mit der Brotversorgung am Ende sein, und die Feinde würden triumphieren!

          Wer nur einen Funken patriotischen Empfindens hat, muß sich darüber klar sein, daß hier ein Uebelstand vorliegt, gegen den nicht energisch genug vorgegangen werden kann. Wie wir hören, wird denn auch erwogen, bei gleichzeitiger Verschärfung der Kontrollen an den Bahnhöfen, Landstraßen usw. gegen diese Abart des Schleichhandels mit strengen Maßregeln vorzugehen. Die so Abgefaßten setzten sich, wie gesagt, der Gefahr schwerer Bestrafung aus.

          (Der Umfang, den der Schleichhandel mit Getreide und Getreideerzeugnissen, vor allem Mehl, angenommen hat, ist sehr viel größer, als es nach vorstehenden Andeutungen scheinen könnte. Er vollzieht sich nicht nur vom Lande zur Stadt, sondern auch auf dem Lande selbst und nicht nur zwischen Erzeugern und Verbrauchern, sondern auch durch Zwischenstellen. Auf die darin liegende schwere Gefährdung einer geregelten Versorgung ist oft genug hingewiesen worden. D. Red.)

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 9. Februar 1918.

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