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Frankfurter Zeitung 04.03.1918 : Der Friede mit Russland ist besiegelt

  • Aktualisiert am

Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags von Brest-Litowsk durch Prinz Leopold von Bayern, dem Oberbefehlshaber der deutschen Ostfront. Bild: Picture-Alliance

Die Gespräche in Brest-Litowsk enden mit dem Friedensschluss zwischen Russland und den Mittelmächten. Allerdings nicht aufgrund der guten Verhandlungen.

          Der Friede mit Rußland unterzeichnet.

          Berlin, 3. März. (W.B. Amtlich) Der Friede mit Rußland ist heute 5 Uhr nachmittags unterzeichnet worden.

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          In Brest-Litowsk ist am Sonntag nachmittag der Friede mit Rußland unterzeichnet worden. In dem Telegramm, das die Nachricht mitteilt, wird nichts über den Inhalt des Friedensvertrages gesagt, es ist daher anzunehmen, daß die russischen Bevollmächtigten die in dem deutschen Ultimatum gestellten Bedingungen ohne Abänderung angenommen haben, nachdem die von der bolschewistischen Regierung eingeschlagene Taktik sich als falsch erwiesen hatte.

          Die Abmachungen von Brest-Litowsk sind kein Verständigungsfriede. Darüber mögen die Anhänger einer unbedingten Gewaltpolitik Genugtuung empfinden, und ein bekannter freikonservativer Abgeordneter und Publizist hat vor einigen Tagen daraus mit einer gewissen Schadenfreude den Vorwurf gegen die Reichstagsmehrheit herleiten zu dürfen geglaubt, es sei nun erwiesen, daß sie sich auf dem falschen Wege befinde und die Forderung eines Verständigungsfriedens sei nun ad absurdum geführt. Diese Weisheit ist ungeheuer billig, aber sie geht an der Hauptsache vorbei. Daß ein Verständigungsfriede nicht unter allen Umständen geschlossen werden kann, hat die Reichstagsmehrheit von Anfang an gewußt. Zu einem Verständigungsfrieden gehören immer zwei. Von uns aus kann nur die ehrliche Bereitwilligkeit ausgesprochen werden, zu einem Ausgleich zu kommen. Was die deutsche Regierung in den ersten Verhandlungen in Brest-Litwosk der russischen Regierung vorschlug, wäre eine Grundlage für einen Verständigungsfrieden gewesen, und nur die falschen Spekulationen auf die große Weltrevolution, vor allem die Revolution in Deutschland, haben Herrn Trotzkij abgehalten, sich mit den Bevollmächtigten der Mittelmächte auf halbem Wege zu verständigen. Der Friede, wie er jetzt geschlossen worden ist, geht ein ganzes Stück weiter als die ersten Bedingungen. Er zwingt die bolschewistische Regierung, Verpflichtungen zu übernehmen, die sie nur widerstrebend animmt und die vermutlich jede andere russische Regierung mit ebenso großem, vielleicht noch größerem Widerstreben unterzeichnen würde. Das aber ist gerade das, was geeignet ist, unsere künftige Politik gegen Rußland nachteilig zu beeinflussen und im voraus zu belasten. Ein Verständigungsfrieden, wenn er zu erreichen gewesen wäre, hätte, wenn auch nicht vollkommen, so doch zu einem Teil die Gefahr vermieden, daß bei dem Besiegten ein Gefühl der Demütigung und das Verlangen nach Wiederherstellung erwächst. Wäre ein solcher Friede nicht auch für Deutschland in erster Linie das Rechte gewesen? Er war nicht zu erreichen, weil die Mittelmächte nicht einen Frieden um jeden Preis schließen konnten, und weil die Bolschewiki-Regierung glaubte, ohne Frieden besser an ihre Ziel zu kommen.

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