http://www.faz.net/-i0t-91as8

Frankfurter Zeitung 3.11.1917 : Italienisches Heer muss schwere Verluste hinnehmen

  • Aktualisiert am

Kriegsgefangene aus Italien nach der elften Insonzoschlacht. Das Foto wurde 1917 bei Opacchiasella oder Kostanjevica im heutigen Slowenien aufgenommen. Bild: Picture-Alliance

Bei den letzten Insonzoschlachten muss das italienische Heer schwere Verluste hinnehmen. Die Bevölkerung wirkt niedergeschmettert und ratlos.

          Lugano, 2. Novbr. (Priv.-Tel.)

          Nachdem Cadornas Tagesbericht gemeldet hatte, daß der Rückzug des italienischen Heeres durch Nachhutgefechte gesichert worden sei, hatte man in Italien gehofft, daß die schweren Verluste an Gefangenen beendet seien.

          Die Nachricht von der Waffenstreckung von abermals 60 000 Mann am Tagliamento wurde in Lugano am Allerseelentage durch ein Extrablatt einer Lokalzeitung bekannt und rief bei den hiesigen Italienern und ihren Freunden tiefe, neue Bestürzung hervor, die sich auf den Gesichtern bei der Lektüre deutlich zeigte und viele einem Tränenausbruch nahebrachte. Der von einem Reichsitaliener redigierte „Corriere des Ticino“ in Lugano weiß keinen besseren Rat, als daß die Zahlen der deutschen Berichte unzuverlässig seien.

          Was die politischen Folgen der militärischen Katastrophe betrifft, so lassen sie sich infolge der scharfen Grenzsperre nur in großen Linien skizzieren: Am Grabe mancher teuren Hoffnung hat das italienische Volk unter der Führung der neuen Regierung einen Familienfrieden geschaffen. Aber das Bewußtsein, daß Italien, durch die Kriegspartei getrieben, ohne Notwendigkeit diesen Krieg an Deutschland und Österreich-Ungarn erklärt hat, bleibt im Herzensgrunde zurück und wird schon bei Gelegenheit wieder aufsteigen.

          Der neue Ministerpräsident Orlando hat sich beeilt, dem Oberkommando telegraphisch die Fortdauer des allgemeinen Vertrauens zuzusichern, doch ist das ein rhetorischer Akt, der die kritischen Gedanken über Cadornas Methode und ihren offenbaren Mißerfolg nicht ertötet und ein Vertrauen auf Befehl nicht erzeugen kann. Italien muß nunmehr die militärische Hilfe seiner Verbündeten in Anspruch nehmen und sieht dadurch seine politische Stellung im Verbande nicht gerade erhöht. Interessant ist, was William Martin, Redakteur des Genfer „Journal“ schreibt, der durch seine Pariser Korrespondententätigkeit während des Krieges die Stimmung in Paris genau kennt: „Italien hat sich seinen Beitritt zur Entente zu hoch bezahlen lassen und wird nun auf der nächsten Pariser Konferenz über einen Nachlaß in seinen Forderungen mit sich reden lassen müssen.“ – Bekanntlich hat auch gerade vor einem Jahr das besiegte Rumänien von seinen Verbündeten einen gleichen Vorwurf zu hören bekommen.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 3. November 2017.

          Quelle: angr.

          Weitere Themen

          Training für den Ernstfall in Südkorea Video-Seite öffnen

          Amerikanisches Militär : Training für den Ernstfall in Südkorea

          Gemeinsam mit Verbündeten probten amerikanische Streitkräfte die Bombardierung wichtiger Ziele in Nordkorea. Wegen des Atom- und Raketenprogrammes in Nordkorea sind die Beziehungen zwischen den Regierungen in Pjöngjang und Washington seit Monaten besonders stark gespannt.

          Topmeldungen

          Allzeit bereit: Hizbullah-Kämpfer bei der Beisetzung gefallener Kameraden

          Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

          In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.
          Beharrlich für eine Abschaffung des Solis: Christian Lindner inmitten seiner Mitverhandler von der FDP am Freitag.

          Jamaika-Gespräche : FDP wirft der Union Haushaltstricks vor

          Auch wenn die Finanzen nicht allein die Reise nach Jamaika verzögern: Für den Soli-Abbau bleibt das Geld der Knackpunkt. Wie viel Spielraum gibt es wirklich?

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?

          Bonn : Weltklimakonferenz bringt kleine Erfolge

          Die Verhandlungen dauerten viel länger als geplant, nach einem zähen Ringen gibt es nun aber eine wichtige Einigung auf der Bonner Klimakonferenz. Beobachter zeigen sich erleichtert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.