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Frankfurter Zeitung 11.11.1917 : Kaiser entlässt Vizekanzler

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Karl Helfferich war Politiker, Finanzfachmann und Nationalökonom. Seit Mai 1916 war er außerdem Vizekanzler, bis er Kaiser Wilhelm darum bat, ihn von seinen Ämtern zu befreien. Bild: Picture-Alliance

Nachdem Reichskanzler Michaelis bereits am 31. Oktober zurückgetreten ist, reichen auch seine Mitarbeiter Entlassungsgesuche ein. Der Kaiser antwortet in einem Brief.

          Berlin, 10. Novbr., (W.B.)

          Der „Reichs- und Staatsanzeiger“ veröffentlicht die folgenden Bekanntmachungen:

          S.M. der Kaiser und König haben allergnädigst geruht den Stellvertreter des Reichskanzlers Staatsminister Dr. Helfferich seinem Ansuchen gemäß von den Aemtern als Stellvertreter des Reichskanzlers und Mitglied des Staatsministeriums unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens und unter Belassung des Ranges und Titels als Staatsminister zu entbinden.

          S.M.  der Kaiser und König haben allergnädigst geruht, den Staatsminister Dr. v. Breitenbach seinem Ansuchen gemäß von dem Amte des Vizepräsident des Staatsministeriums unter Verleihung des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler zu entbinden und an seine Stelle den ordentlichen Universitätsprofessor A. D. Geheimen Regierungsrat Dr. Friedberg zum Staatsminister und Vizepräsidenten des Staatsministeriums zu ernennen.

          Die bei diesem Anlaß an die Staatsminister von Breitenbach und Dr. Helfferich gerichteten Handschreiben lauten:

          Mein lieber Staatsminister Dr. von Breitenbach!

          Durch Erlaß vom heutigen Tage habe Ich Ihrem Gesuche um Entbindung von dem Amte als Vizepräsident Meines Staatsministeriums in Gnaden entsprochen. Empfangen Sie Meinen wärmsten Dank für Ihre aufopferungsvolle und erfolgreiche Tätigkeit in dieser arbeitsreichen Stellung. Mit besonderer Freude benutze Ich zugleich diesen Anlaß, Ihnen in Anerkennung  Ihrer bisherigen außerordentlichen Verdienste, besonders auch um die siegreiche Verteidigung des Vaterlandes auf militärischem und wirtschaftlichem Gebiete, ein neues Zeichen Meiner Wertschätzung zu geben und Ihnen den hohen Orden vom Schwarzen Adler zu verleihen, dessen Abzeichen beifolgen. Ich verleihe in Dankbarkeit Ihr wohlgeneigter König.

          Wilhelm R.

          Großes Hauptquartier, den 9. November 1917

          Mein lieber Dr. Helfferich!

          Unter den von Ihnen geltend gemachten Umständen habe Ich Mich entschlossen, Sie durch Erlaß vom heutigen Tage von Ihren Aemtern als Stellvertreter des Reichskanzlers und Mitglied des Staatsministeriums zu entbinden. In allen Ihnen bisher übertragenen Reichs- und Staatsstellungen haben Sie sich durch eine vorbildliche, treue und erfolgreiche Arbeit ausgezeichnet und sich um Kaiser und Reich hervorragende Verdienste erworben. Es ist Mir ein Bedürfnis, Ihnen mit Meinem wärmsten Dank zugleich ein neues Zeichen meiner besonderen Anerkennung und Wertschätzung zu geben, indem Ich Ihnen das Großkreuz des Roten Adlerordens verleihe, dessen Abzeichen hierbei folgen. Ich kann aber in dieser ernsten, schweren Zeit auf eine so bewährte staatsmännische Kraft wie die Ihrige zur Mitarbeit an der glücklichen Gestaltung unserer Zukunft nicht verzichten und rechne bestimmt darauf, daß Sie sich zur Erfüllung besonderer Aufgaben zu Meiner Verfügung halten werden.

          Ihr wohlgeneigter Kaiser und König

          Wilhelm I.R.

          Großes Hauptquartier, den 9. November 1917

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 14. November 2017.

          Quelle: angr.

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