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Frankfurter Zeitung 17.12.1916 : Kampfflüge, selbsterlebt und selbsterzählt

  • Aktualisiert am

Trauerzug für Max Immelmann. Das Fliegerass war im Juni 1916 bei einem Absturz ums Leben gekommen. Bild: Picture-Alliance

Die Kriegstagebücher der gefallenen Fliegerasse Max Immelmann und Oswald Boelcke werden veröffentlicht. Auszüge aus ihren Memoiren druckt die Frankfurter Zeitung vom 17. Dezember 1916.

          Die Briefe und Feldberichte der erfolgreichsten deutschen Kampfflieger, Immelmann und Bölcke, die beide für ihr Vaterland gefallen sind, liegen jetzt vor: Immelmann „Meine Kampfflüge“, selbsterlebt und selbsterzählt. (Verlag August Scherl, Berlin, 1 Mark) „Hauptmann Bölckes Feldberichte“. Mit einer Einleitung von der Hand des Vaters und 20 Bildern. (Verlag F. A. Perthes, Gotha, 1 Mark). Beide Bücher sind Zeugnisse frischen deutschen Soldatengeistes und werden das Gedächtnis der beiden Helden für alle Zeiten lebendig bewahren. Wir geben Abschnitte aus den Briefen wieder:

          Immelmann im Kampf gegen zwei Engländer.

          Ich war am 23. Aufgestiegen, um zwischen Lens und Arras die Luftsperre zu übernehmen. Ich war etwa 2200 Meter hoch, da sehe ich plötzlich einen englischen Doppeldecker auf mich zukommen. Er ist etwa 2400 Meter hoch; kurz hinter ihm ein Eindecker in etwa 100 Meter Abstand, ein Fokker, denke ich, und freue mich, daß der den Engländer nun gleich abschießen wird. Er schießt aber nicht. Ich nehme mein Glas zur Hand und sehe, daß auch der ein Engländer ist (an den Abzeichen nämlich). Im selben Augenblick stürzen sich die beiden auch schon feuernd auf mich. Ich, noch 200 Meter tiefer, bin wehrlos. Durch einen Sturzflug von 100 Metern entziehe ich mich ihrem Angriff und fliege etwas westwärts, während die Engländer ostwärts fliegen.

          Nun mache ich schnell kehrt und habe die beiden Feinde vor mir. Diese sind jetzt 2200 Meter, ich etwa 2100 Meter hoch. Nun beginnt die Verfolgung. Die beiden fliegen geradewegs nach Dr. Die Entfernung wird größer und größer. Mein Motor läuft schlecht. Ich lege mehr Wert auf Steigen, auch die beiden Engländer steigen. Ueber D. waren die beiden etwa 3000, ich 2800 Meter hoch. Um sie angreifen zu können, müßte ich unbedingt höher kommen, mindestens so hoch wie sie. Ich überlege schon, ob ich nicht lieber landen sollte; denn mit dem Motor war einfach nichts zu machen. Die beiden flogen weiter nach Valenciennes. Schließlich sah ich sie nur noch so groß wie zwei Fliegen. Ich stieg, was die Maschine hergeben wollte. Da an ein Einholen nicht mehr zu denken war, wollte ich ihnen den Rückzug abschneiden, das gelang mir auch. Ich traf beide halbwegs zwischen Valenciennes und D. Ich war jetzt 3200 und die 3100 Meter hoch.

          Jetzt ging der Spaß los! Der englische Doppeldecker flog zuerst, dahinter der englische Eindecker, der eine ähnliche Schraubenschußvorrichtung hatte wie ich. Ich setzte mich hinter den Eindecker und begann ihn zu beschießen. Er bemühte sich nun seinerseits, mir in den Nacken zu kommen. Mit einer weitausholenden Kurve wollte er sich hinter mich setzen. Diesen Augenblick benutzte ich, um den Doppeldecker anzugreifen. Ich schoß, was aus der Flinte nur herauszubekommen war. Immer den Doppeldecker im Auge behaltend. Bis auf 2500 Meter drückte ich so den Doppeldecker hinunter, als er endlich im steilen Gleitflug niederging und landete. Mich nun noch dem zweiten Feind zuzuwenden, war nicht ratsam, da ich erstens die verlorenen 500 Meter mit meinem schlechten Motor nicht mehr aufholen konnte, und zweitens eine Ladehemmung hatte. So ließ ich denn den Eindecker in Richtung Lille abbrummen und flog selbst nach Haus.

          Hier war schon telephonisch die Nachricht gekommen, daß ein Engländer bei Souain gelandet sei. Allerseits beglückwünscht, erbat ich ein Auto. Zufällig war während meines Fluges Oberleutnant Claus, mein alter Kadettenkorpskamerad, angekommen, mich zu besuchen. Der Führer saß schon verbunden in einem Auto. Er hatte einen Fußschuß bekommen. Auf einer Bahre lag daneben der tote Beobachter. Er hatte vier Schüsse. Die Maschine war unbeschädigt gelandet. Das Flugzeug hatte zwei Maschinengewehre, mit dem einen schoß so wie ich der Führer über den Propeller weg nach vorn, mit dem zweiten der Beobachter nach hinten. Das zweite Maschinengewehr fehlte. Es war dem toten Beobachter von oben aus der Hand gefallen und wurde mehrere Kilometer von der Landestelle entfernt aufgefunden.

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