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Erster Weltkrieg : Der letzte Kampf um Höhe 80

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Hier schlummert ein Schatz, glauben die Initiatoren des Crowdfunding-Projekts „DigHill80“ Bild: hill80.com / Ausgrabungsstätte Whitesheed Belgien

Tief im Westen Belgiens schlummert eine Zeitkapsel der Weltkriegsgeschichte. Ein Brite, ein Belgier und ein Deutscher wollen sie mit Hilfe von Crowdfunding öffnen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

          Das, was sie später „Höhe 80“ nennen werden, greifen die deutschen Soldaten wenige Monate nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs untergehakt und singend an. Aus Furcht, nicht aus Hurra-Patriotismus, der in diesen Tagen immer noch weite Teile der Deutschen erfasst hat. Die Angehörigen des 17. bayerischen Reserve-Infanterieregiments hoffen, so ihre Formation halten zu können. Sie haben den Befehl erhalten, das im dichten Nebel liegende Dorf Wijschaete im Westen Belgiens anzugreifen. Die Attacke ist Teil der Bemühungen der deutschen Führung, das britische Expeditionskorps von seinen Versorgungslinien abzuschneiden. Der Blutzoll ist immens. Bis zum Ende dieser ersten von vier Flandernschlachten fallen ihr Hunderttausende Briten, Franzosen, Belgier und Deutsche zum Opfer.

          Die Bayern rücken an jenem Tag, Anfang November, durch eine Landschaft aus kleinen Feldern vor. Sie wird von Hecken durchzogen. Ihr Vorhaben, die Formation zu halten, scheitert deshalb schon bevor die Kämpfe beginnen. Die Hecken bremsen und zerreißen die Linien. Gefahr droht zudem durch das Feuer der eigenen Truppen hinter ihnen. Die frisch an die Front geworfenen Bayern tragen nur Mützen und sehen damit den britischen Gegnern zum Verwechseln ähnlich. Mit ihren Liedern hoffen die Soldaten den Beschuss der eigenen Seite zu stoppen. Nach brutalen Kämpfen mit mehr als tausend Mann Verlusten nehmen die Bayern den Höhenzug von Wijschaete schließlich ein.

          Seitdem hat das Hauptareal von Höhe 80 keinen Pflug mehr gesehen. Die dortigen Stellungen wurden nach dem Ende des Krieges zugeschüttet und danach kein Erdreich mehr bewegt. Höhe 80 ist zu einer Zeitkapsel geworden, ein kriegshistorischer Schatz, der einzigartig ist. Denn die Schlachtfelder, die Flandern und andere Teile Belgiens durchziehen, wurden nach dem Ende des Ersten Weltkriegs größtenteils bebaut oder bestellt. Um den Schatz zu heben, hat ein internationales Forschertrio nun einen Weg eingeschlagen, der für den Wissenschaftsbetrieb noch ungewöhnlich ist. Der deutsche Militärhistoriker Robin Schäfer, sein britischer Kollege Peter Doyle und der belgische Archäologe Simon Verdegem sammeln über das Internet Geld, um die etwa fußballfeldgroße Fläche Schicht für Schicht abzutragen und zu untersuchen.

          Schäfer, Doyle und Verdegem haben sich schon lange der praktischen Erforschung der Kriegsgeschichte verschrieben. Im angelsächsischen Raum zählt man sie zur Zunft der „battlefield experts“, Wissenschaftlern also, die sich vor allem der Analyse von Kampfstätten widmen. Robin Schäfer ist Autodidakt, er arbeitete früher im Bankgewerbe. Inzwischen berät er die BBC und den WDR bei Geschichtsthemen. Peter Doyle gilt als einer der führenden Schlachtfeldexperten Großbritanniens. Er betreut die Arbeit der „War Heritage Group“ für Kriegsgräberfürsorge des britischen Parlaments. Simon Verdegem schließlich leitet die größte Kampfstätten-Ausgrabung Europas. Mit einem Team von 30 Archäologen sichtet er die Streckenführung der Nordeuropäischen Erdgaspipeline, dort wo sie Belgien durchschneidet, also inmitten der  Großkampfzone der Westfront während des Ersten Weltkriegs.

          Von der Ausgrabung auf der Höhe 80 verspricht sich das Trio neue Erkenntnisse zur Konzeption des deutschen Stellungsbaus. Denn nach der Eroberung baute die Kaiserliche Armee die Anhöhe samt Wijschaete zu einer Bastion aus. Die Keller des Dorfes wurden durchbrochen; ein umfangreiches System aus Bunkern, Gräben und Tunneln angelegt, umgeben von riesigen Sperrfeldern aus Stacheldraht. Als höchste Stelle der Umgebung, war Höhe 80 essenziell, um das Artilleriefeuer präzise in den Frontbogen von Ypern zu leiten, den die Entente hielte. Besondere Hoffnung setzen die Forscher auf den so genannten „Schweinletunnel“, den sie zu finden hoffen. Er verband über den Höhenzug bei Wijschaete mit der zwei Kilometer vorgelagerten Frontlinie. Doch das ist nur ein Ziel des Crowdfunding-Projekts.

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