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Frankfurter Zeitung 25.09.1917 : Neue Partei will Sieg um jeden Preis

Alfred von Tirpitz (1849-1930). Der Admiral und spätere Staatssekretär wurde Mitglied der DVLP, die einen Verständigungsfrieden ablehnte. Aufnahme von 1909. Bild: Picture-Alliance

Ein Rückblick in Deutschlands Geschichte: Vor 100 Jahren tagt in Berlin eine neue nationalistische Gruppierung, die Deutsche Vaterlandspartei. Von Frieden will sie nichts wissen. Der Vorsitzende ist ein Großadmiral.

          N Berlin, 25. Septbr. (Priv.-Tel.)

          Die in Königsberg gegründete Deutsche Vaterlandspartei begann gestern auch mit ihrer Agitation in Berlin. Am Vormittag fand unter dem Vorsitz des Großadmiral von Tirpitz im Abgeordnetenhause eine Art Vertrauensmännerbesprechung statt.

          Dabei wurde mitgeteilt, daß sich neben Tirpitz auch der bisherige Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorlemer in den Dienst der Vaterlandspartei gestellt habe. Der aus der „Adlonversammlung“ her bekannte Industrielle Körting schlug dem „Vorwärts“ zufolge vor, man solle in der für den Abend angesetzten öffentlichen Versammlung eine Entschließung einbringen des Inhalts, daß der Erfolg der Kriegsanleihe in Frage gestellt sei, falls sich die Regierung nicht auf den Boden der Deutschen Vaterlandspartei stelle. Dieser Vorschlag wurde zwar abgelehnt weil man in ihm ein zweischneidiges Schwert erblickte, aber ist doch bezeichnend für den Patriotismus dieser Herren.

          Am Abend fand dann die große öffentliche Versammlung in der Philharmonie statt, in der der frühere Staatssekretär des Reichs-Marine-Amts Großadmiral von Tirpitz die Sensation bilden sollte. Die Tatsache, daß Herr von Tirpitz zum ersten Male seit seinem Ausscheiden aus dem Amte öffentlich sprechen würde, hatte den Saal schon vor Eröffnung der Versammlung gefüllt. Junge Leute einer Marinevorschule in Matrosenuniform versahen den Ordnerdienst. Ein erheblicher Teil der Versammlung bestand aus Personen, die sicher nicht auf dem Boden der Vaterlandspartei standen, und in der Vorausahnung dieser Tatsache hatte der Vorstand auch am Nachmittag beschlossen, auf keinen Fall eine freie Diskussion zuzulassen. Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, der in Dragoneruniform erschienen war, eröffnete die Versammlung mit einer ziemlich nichtssagenden Rede, in der sich zwar einige Spitzen gegen die Reichstagsmehrheit befanden, und in der der Satz Beifall fand, daß die Deutsche Vaterlandspartei den Mittelpunkt der Sammlung für alle treuen Deutschen bilden werde, die durch keine internationalen Rücksichten irgendwelcher Art wissentlich oder unwissentlich gebunden seien. Dabei wurde die Rufe „Scheidemann“ und „Erzberger“ vereinzelt laut.

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