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Pop und Erster Weltkrieg : Gitarren wie Maschinengewehre, Schlagzeuge wie Trommelfeuer

Schon das Cover des Motörhead-Albums 1916 gemahnt an den Schrecken des Ersten Weltkrieges. Bild: Archiv

Die Schrecken des Ersten Weltkriegs sind für die Nachgeborenen kaum nachvollziehbar. Die heftigen Gitarrenläufe und donnernden Schlagzeugsalven mancher Rockstücke erinnern an das Schlachten.

          Zum Weihnachtsfest im Jahr 1914 schwiegen die Waffen an einigen Abschnitten der Westfront. Stattdessen ertönten Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen durch die kalte Luft. Soldaten trafen sich im Niemandsland zwischen den Schützengräben, unterhielten sich, tauschten Geschenke aus und spielten Fußball. Ohne Genehmigung der Befehlshaber hielt die Waffenruhe teilweise ein paar Tage lang.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Dieser „Weihnachtsfriede“ 1914 ist historisch verbürgt und ein Teil des Ersten Weltkrieges der vor allem in die britische kollektive Erinnerung eingegangen ist. 1990 hat die Liverpooler Band The Farm diese Begebenheiten aufgegriffen und in ihrem Lied „All together now“ zum Thema gemacht. Die Band verarbeitet in dem Lied zwei ihrer großen Leidenschaften: Fußball und Zusammenhalt.

          Das Cover der The Farm-Single „All together now“ zeigt einen einer Fußballspieler-Spielfigur ähnelnden britischen Soldaten mit einem Maschinengewehr.
          Das Cover der The Farm-Single „All together now“ zeigt einen einer Fußballspieler-Spielfigur ähnelnden britischen Soldaten mit einem Maschinengewehr. : Bild: Archiv

          Auf einem ruhigen Keyboard-Teppich, der von Bass und Schlagzeug unterstützt wird, interveniert ein Gitarren-Riff, nicht schrill aber penetrant – wie ein Sirenenalarm in der Ferne. Der Text berichtet von der Entscheidung der Soldaten, das Schlachten zu unterbrechen und zusammen einen Moment voller Hoffnung zu verbringen: Hoffnung darauf, dass der Krieg bald vorbei sei, man nach Hause zurückkehren könne und all das Blut und die Tränen nicht umsonst vergossen sein mögen.

          In Doppel- und Dreideckern stürzten sich die Flieger im Ersten Weltkrieg in den Luftkampf.
          In Doppel- und Dreideckern stürzten sich die Flieger im Ersten Weltkrieg in den Luftkampf. : Bild: Paul Castelnau/Sammlung Reinhard Schultz

          Doch Tränen und Blut sollten noch ein ganze Menge fließen, in dem Krieg, der noch bis 1918 dauerte. Er war eine Auseinandersetzung, wie sie sich die Menschen vor dem Beginn nicht hatten vorstellen können und die auch die später Geborenen nicht nachempfinden können. Die Brutalität der Kämpfe, der Einsatz neuer Waffen und die unglaubliche Verdichtung des Artillerieeinsatzes überstiegen sämtliche Wahrnehmungsschwellen. Besonders der Kampf an der Westfront wird heute als synonym mit dem Ersten Weltkrieg angesehen. Die Psyche der Kämpfenden wurde durch den Lärm des Granatenhagels zerrüttet. Aufgearbeitet wurden die Geschehnisse vor allem in Büchern, doch auch die Pop- und Rockmusik nahm sich des Themas an.

          Angesichts der Brutalität der Kämpfe verwundert es dabei nicht, dass besonders Bands aus den Spielarten des Heavy Metal den Ersten Weltkrieg rezipieren. Gitarrenläufe schnell wie Maschinengewehrfeuer, Drum-Einsätze, die an die Trommelfeuer der Westfront gemahnen, und Texte, die das ganze Leid und Elend des Krieges zwischen 1914 und 1918 zum Ausdruck bringen, sind besonders in diesen Stilrichtungen beheimatet, die sowieso für ihre harten Ausdrucksformen bekannt sind.

          Ein geradezu archetypisches Beispiel dafür ist „One“ von Metallica. Das im Jahr 1989 auf dem Album „…And Justice For All“ erschienene Lied, handelt in Anlehnung an den Film „Johnny zieht in den Krieg“ von einem Soldaten im Ersten Weltkrieg, der durch Artilleriebeschuss Arme und Beine verloren hat, blind und stumm ist. Er wird nur noch von Maschinen am Leben gehalten, während sein einziger Wunsch ist, zu sterben.

          Der Text des Liedes drückt in mehr als sieben Minuten diesen Albtraum aus, das Eingesperrtsein im eigenen verstümmelten Körper. Nichts als Schmerz ist dem Versehrten geblieben und er bittet Gott, ihn zu erlösen. Während im ersten Abschnitt noch ganze Sätze den Zustand schildern, sind die letzten beiden Strophen nur abgehackte Gedanken über das Grauen, in dem der namenlose Soldat sich befindet.

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