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Veröffentlicht: 25.04.2015, 12:16 Uhr

Anzac-Truppen auf Gallipoli Dröhnendes Gedenken

Australien erinnert sich seiner Soldaten, die vor 100 Jahren auf der türkischen Halbinsel Gallipoli ihr Leben ließen. Doch Kritiker wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für die Veteranen der jüngeren Geschichte.

von , Jakarta
© Picture-Alliance Weltkriegsgedenken: 100 Jahre Landung von Gallipoli

Australien und Neuseeland feiern in dieser Woche den 100. Jahrestag der Landung ihrer Truppen an der Küste von Gallipoli. Das Jubiläum weckt Erinnerungen an Verlust und Niederlage. Rund 8000 australische und 3000 neuseeländischen Soldaten waren damals bei dem Versuch getötet worden, die zum osmanischen Reich gehörige Halbinsel mit Bodentruppen einzunehmen. Trotz des hohen Blutzolls, den sie damals bezahlt hatten, ist der „Anzac Day“ insbesondere in Australien heute der wichtigste nationale Feiertag. Anders als der „Australia Day“, der eigentliche Nationalfeiertag, wirft die Erinnerung daran keine unangenehmen Fragen in Bezug auf die indigene Bevölkerung und ihre Rolle in der Geschichte Australiens auf.

Till  Fähnders Folgen:

Die Feiern am 25. April werden wohl alles Dagewesene in den Schatten stellen. Bis zu 50.000 Menschen werden zum Morgenappell am Kriegsdenkmal der Hauptstadt Canberra erwartet, noch einmal 30.000 sollen an der Gedenkfeier später am Tag teilnehmen. Auf einer Militärparade werden restaurierte Waffen aus der Zeit vorgeführt. In den meisten anderen australischen Städten finden ähnliche Gedenkfeiern statt. Die Veranstaltungen werden unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten, da in Australien in den vergangenen Tagen mehrere Teenager festgenommen worden waren, die vom „Islamischen Staat“ inspirierte Anschläge geplant haben sollen.

Einige Australier werden in die Türkei reisen, um sich dort der Gefallenen zu erinnern, darunter auch einige Witwen und andere Hinterbliebene der damals beteiligten Soldaten. „Ich will die Gräben sehen, ich will den Strand sehen, an dem sie gelandet sind, die Landschaft, die Menschen, alles“, sagte Felicity Tangney dem Sender ABC. Bevor ihr Vater Alec Campbell im Jahr 2002 starb, war er der letzte Überlebende der australischen Veteranen, die Gallipoli noch selbst miterlebt hatten. Er war nur 16 Jahre alt, als er am dortigen Strand landete, und wie viele der australischen Soldaten schlecht vorbereitet und unerfahren.

Der Beginn weiterer Einsätze

Das damalige Australian and New Zealand Army Corps (Anzac) war als Teil des britisch-französischen Truppen in die Schlacht gezogen. Im Kampf gegen das mit dem Deutschen Reich verbündete osmanische Reich sollten sie die Kontrolle über Gallipoli, die Dardanellen und damit den Zugang zum Schwarzen Meer gewinnen. Das spätere Ziel sollte die Einnahme der Hauptstadt Konstantinopel sein. Trotz oder gerade wegen der hohen Verluste, wurde die Schlacht für Australien zum definierenden Ereignis der noch jungen Nation. Australien hatte erst Anfang des Jahrhunderts eine eigenständige Föderation gebildet, seine Außenpolitik wurde damals noch von den Briten bestimmt.

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Die Kameraderie und das gemeinsame Opfer ließen die bis dahin dominierenden Unterschiede regionaler und ethnischer Herkunft der Australier in den Hintergrund treten. Es war zwar nicht Australiens erste Kriegsbeteiligung, da Soldaten aus „Down Under“ auch am Zweiten Burenkrieg in Südafrika teilgenommen hatten, und es war auch nicht ihr erster Einsatz im damals so genannten „Großen Krieg“. Aber es war bis dahin der verlustreichste und traumatischste. Auch für Neuseeland war die hohe Zahl der Toten ein Schock. Aber für das befreundete Volk auf den Nachbarinseln wird dem Ereignis nicht in dem Maß eine Bedeutung für die Nationenbildung zugesprochen wie in Australien.  

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