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Frankfurter Zeitung 17.10.1917 : „Unternehmen Albion“ - Deutsche erobern Ostseeinseln

Das Landungskorps geht am 12. Oktober 2017 an Bord eines Truppentransportdampfers in der Taggabucht auf Oesel. Die Insel ist ein wichtiger Stützpunkt der russischen Flotte. Bild: Picture-Alliance

Mit der Eroberung von Riga hatten die Deutschen einen großen Schritt in Richtung Petersburg gemacht. Im Oktober werden drei strategisch wichtige Inseln erobert.

          Nach viertägiger Aktion hat der deutsche Tagesbericht vom 16. Oktober gemeldet, daß Heer und Flotte „einen wesentlichen Teil ihrer Aufgabe erfüllt“ haben. Das Unternehmen ist noch nicht zum Abschluß gekommen, ein Rückschlag erscheint aber als ausgeschlossen.

          Wir fassen den Verlauf des Angriffs auf Oesel kurz zusammen: am 12. Oktober morgens haben deutsche Seestreitkräfte die russischen Befestigungen auf der Halbinsel Sworbe, bei Kielkond (Papensholm), an der Tagelacht-(Tagga-) Bucht und am Soelo-Sund unter Feuer genommen und niedergekämpft.

          Sofort begann die Truppenausschiffung, die Hauptlandungsstelle ist die Tagelacht-(Tagga-) Bucht. Das Ufer ist ziemlich steil, die Ausschiffung (besonders der Artillerie) also schwierig. Unruhige See erschwerte die Arbeit; andererseits war der Nebel günstig. Das Wasser ist in dieser Bucht verhältnismäßig tief; die 10-Meter-Grenze reicht bis nahe ans Ufer. Die Landungsbrücken errichteten sofort einen „Brückenkopf“ und begannen den Vormarsch, Radfahrerabteilungen und Kraftwagen voraus. Die Infanterie begann den Kampf mit den Russen, ohne erst die Unterstützung der Artillerie abzuwarten. Der Feind wurde geworfen. Unsere Hauptmacht querte im Eilmarsch die Insel in Richtung auf Ahrensburg, das am 15. abends erreicht wurde. Seitenabteilungen säuberten den Westteil der Insel und breiteten sich nach Osten aus. Die russischen Abteilungen auf der Halbinsel Sworbe wurden abgeschnitten; sie kämpfen noch; die schweren Batterien auf Sworbe, die den Eingang zur Rigaer Bucht sperren sollen, sind jedoch bereits zum Schweigen gebracht. Der Tagesbericht vom 16. Oktober meldet Kämpfe um den Brückenkopf von Orrissar; die Verfolgung hat unsere Truppen also bereits bis an die Ostküste der Insel gebracht. Nur Teile der russischen Truppen, über deren Gesamtstärke nicht bekannt ist, haben sich über den von dort nach der Insel Moon führenden Damm retten können. Die Deutschen sind jetzt schon im Besitz fast der ganzen Insel.

          Die leichten Kräfte der Flotte waren inzwischen, nach der Niederkämpfung der den Soelo-Sund sperrenden Landbatterien (auf Oesel und auf Dagoe) ins Kassar Wiek eingedrungen und hatten nach kurzem Gefecht russische Flottenteile in den Moon-Sund zurückgetrieben. Unsere Flotte beherrscht die Gewässer zwischen den Inseln Oesel, Dagö und Moon. In dem Inselgewirr hatten unsere Seeleute (besonders in Anbetracht der vielen Inseln) eine sehr schwierige Aufgabe. Daß sie diese trefflich gelöst haben, geht schon daraus hervor, daß bei den Kämpfen um Orrisar deutsche Seestreitkräfte von Norden her erfolgreich mitwirken konnten. Die Säuberung der Gewässer um die Inselgruppe wird der Flotte noch weiterhin schwierige Arbeit geben. Abro, eine Insel südlich von Arensburg, und in der Mitte des Rigaer Meerbusens gelegenen Insel Runoe sind in deutschen Besitz übergegangen, das beweist, daß auch der rechte Flügel unserer maritimen Angriffsfront besten Erfolg zu verzeichnen hat.

          Die nächste Ausgabe des historischen E-Papers erscheint am 23. Oktober 2017.

          Quelle: sösi.

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