Home
http://www.faz.net/-gpf-2teo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Definition Den idealtypischen Mittelständler gibt es nicht

Veraltet das Klischee vom schuftenden Handwerker: Längst heißt Mittelstand auch High-Tech, Profit und internationale Märkte.

Nur eines steht fest: Den idealtypischen Mittelständler gibt es nicht. Veraltet das Klischee vom Handwerker, der sich während der Sechs-Tage-Woche in seiner kargen Werkstatt klaglos schindet und allein von seiner groben Hände harter Arbeit lebt. Längst heißt Mittelstand auch High-Tech, Profit und internationale Märkte. Das verlangt nach neuen Begrifflichkeiten.

Den modernen Mittelstand bildet die klassische Definition nur unpräzise ab. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung rechnet dazu

Mehr zum Thema

- Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten oder

- mit weniger als 100 Millionen Mark Umsatz jährlich oder

- weniger als 25 Millionen Mark Umsatz bei Handelsvermittlung, Einzelhandel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Banken, Versicherungen und Dienstleistungen.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft mit seinen 44.000 Mitgliedsunternehmen orientiert sich an diesen etablierten quantitativen Merkmalen, fügt ihnen aber noch ein entscheidendes qualitatives hinzu: die Konzernunabhängigkeit. Die enge Verbindung von Unternehmen und Inhaber hebt der Verband hervor. Aber: Die inhabergeführte Umternehmensgruppe Tengelmann gehöre so wenig zum Mittelstand wie die 100 Mitarbeiter umfassende Siemens-Tochter.

Konzernunabhängigkeit

Solche Schwierigkeiten bei der Abgrenzung sorgten für eine "erhebliche Grauzone". So gibt es in der chemischen Industrie Familienbetriebe mit 1000 Beschäftigten, die eigentlich aus dem Rahmen der Definition fallen. Trotzdem gelten sie als mittelständisch, weil die Branche von Giganten wie Bayer oder BASF dominiert wird. Andererseits gibt es in der Druckindustrie Unternehmen mit 500 Beschäftigten, die zwar noch in den Rahmen passen, jedoch nicht mehr als mittelständisch gelten dürften, weil die Branche von Kleinstbetrieben dominiert wird. Das spricht für branchenspezifische Definitionen.

Branchenunterschiede

Beim Spirituosen-Hersteller Berentzen ist der Umsatz höher, außerdem handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, noch dazu um eine gehandelte. Aber die Eigentumsstruktur entspricht dem typischen Mittelstand. Deshalb rechnet der Verband Berentzen zu seiner Klientel. Die norddeutsche Großbäckerei Coppenrath&Wiese oder die Böblinger Binder Optik: Sie machen weit mehr als 100 Millionen Mark Umsatz - und gelten als Mittelständler.

Absatzmärkte

Auch die Begrenzung auf regionale Absatzmärkte hilft schon lange nicht mehr weiter. Beispiel: Brähler ICS Konferenztechnik aus Königswinter bei Bonn. Ein Mittelständler, der im Verband als Weltmarktführer bezeichnet wird. Er habe auch das Weiße Haus mit Mikrofonen ausgestattet.

Die Grenzen erscheinen fließend, erst bei den ganz Großen greifen sie zu eng: beim Motorsägenhersteller Stihl aus dem Remstal oder bei Sebasto, der vom Bodensee aus die Autoindustrie mit Glasschiebedächern beliefert und damit Milliarden-Umsätze macht.

Den Mittelstand in Zahlen zu fassen, das wird immer wieder probiert, aber Export- oder Außenwirtschaftsdaten gibt es bis heute nicht. Bleibt also nur der Sarkasmus eines Verbandssprechers: "Der Mittelstand ist nicht annähernd so genau erfaßt wie die Zahl der Schweinehälften in Deutschland“.

Quelle: @tor

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schwimmen Die unglaubliche Katinka Hosszu

Seit vergangenem Mittwoch hat die ungarische Schwimmerin Katinka Hosszu fünf Weltrekorde aufgestellt und noch einen Europarekord dazu. Mehr

01.09.2014, 11:20 Uhr | Sport
Mittelstandsanleihen-Ticker Laurèl leidet unter Russlandkrise

Das Anleihen-Rating der MS Deutschland sinkt auf „B-“, die Deutsche Forfait zeigt einen Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals an. Mehr

01.09.2014, 16:39 Uhr | Finanzen
Teil 6 der „Beruf und Chance“-Sommerserie Der Schreiner kann es feiner

Auf schriftliche Bewerbungen gibt Gerhard Luther wenig. Praktisches Talent und Zuverlässigkeit der Bewerber sind ihm wichtig. Wer in seiner Tischlerei lernen will, ist erst mal Praktikant. Mehr

22.08.2014, 05:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2001, 13:57 Uhr

Eskalation

Von Nikolas Busse

Die Reaktion der Nato auf die russische Aggression ist angemessen - aber im Kern zurückhaltend. Das Gebaren Russlands in der Ukraine ist ein epochaler Bruch. Die SPD tut sich mit dieser Erkenntnis noch immer schwer. Mehr 7

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden