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Veröffentlicht: 10.08.2001, 13:57 Uhr

Definition Den idealtypischen Mittelständler gibt es nicht

Veraltet das Klischee vom schuftenden Handwerker: Längst heißt Mittelstand auch High-Tech, Profit und internationale Märkte.

Nur eines steht fest: Den idealtypischen Mittelständler gibt es nicht. Veraltet das Klischee vom Handwerker, der sich während der Sechs-Tage-Woche in seiner kargen Werkstatt klaglos schindet und allein von seiner groben Hände harter Arbeit lebt. Längst heißt Mittelstand auch High-Tech, Profit und internationale Märkte. Das verlangt nach neuen Begrifflichkeiten.

Den modernen Mittelstand bildet die klassische Definition nur unpräzise ab. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung rechnet dazu

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- Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten oder

- mit weniger als 100 Millionen Mark Umsatz jährlich oder

- weniger als 25 Millionen Mark Umsatz bei Handelsvermittlung, Einzelhandel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Banken, Versicherungen und Dienstleistungen.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft mit seinen 44.000 Mitgliedsunternehmen orientiert sich an diesen etablierten quantitativen Merkmalen, fügt ihnen aber noch ein entscheidendes qualitatives hinzu: die Konzernunabhängigkeit. Die enge Verbindung von Unternehmen und Inhaber hebt der Verband hervor. Aber: Die inhabergeführte Umternehmensgruppe Tengelmann gehöre so wenig zum Mittelstand wie die 100 Mitarbeiter umfassende Siemens-Tochter.

Konzernunabhängigkeit

Solche Schwierigkeiten bei der Abgrenzung sorgten für eine "erhebliche Grauzone". So gibt es in der chemischen Industrie Familienbetriebe mit 1000 Beschäftigten, die eigentlich aus dem Rahmen der Definition fallen. Trotzdem gelten sie als mittelständisch, weil die Branche von Giganten wie Bayer oder BASF dominiert wird. Andererseits gibt es in der Druckindustrie Unternehmen mit 500 Beschäftigten, die zwar noch in den Rahmen passen, jedoch nicht mehr als mittelständisch gelten dürften, weil die Branche von Kleinstbetrieben dominiert wird. Das spricht für branchenspezifische Definitionen.

Branchenunterschiede

Beim Spirituosen-Hersteller Berentzen ist der Umsatz höher, außerdem handelt es sich um eine Aktiengesellschaft, noch dazu um eine gehandelte. Aber die Eigentumsstruktur entspricht dem typischen Mittelstand. Deshalb rechnet der Verband Berentzen zu seiner Klientel. Die norddeutsche Großbäckerei Coppenrath&Wiese oder die Böblinger Binder Optik: Sie machen weit mehr als 100 Millionen Mark Umsatz - und gelten als Mittelständler.

Absatzmärkte

Auch die Begrenzung auf regionale Absatzmärkte hilft schon lange nicht mehr weiter. Beispiel: Brähler ICS Konferenztechnik aus Königswinter bei Bonn. Ein Mittelständler, der im Verband als Weltmarktführer bezeichnet wird. Er habe auch das Weiße Haus mit Mikrofonen ausgestattet.

Die Grenzen erscheinen fließend, erst bei den ganz Großen greifen sie zu eng: beim Motorsägenhersteller Stihl aus dem Remstal oder bei Sebasto, der vom Bodensee aus die Autoindustrie mit Glasschiebedächern beliefert und damit Milliarden-Umsätze macht.

Den Mittelstand in Zahlen zu fassen, das wird immer wieder probiert, aber Export- oder Außenwirtschaftsdaten gibt es bis heute nicht. Bleibt also nur der Sarkasmus eines Verbandssprechers: "Der Mittelstand ist nicht annähernd so genau erfaßt wie die Zahl der Schweinehälften in Deutschland“.

Quelle: @tor

 

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