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Die RAF in der DDR : „Wie kann man mit dieser Vergangenheit leben?“

  • -Aktualisiert am

1991: Susanne Albrecht in Stammheim Bild: picture-alliance / dpa

Wie andere RAF-Aussteiger zog die frühere Terroristin Susanne Albrecht Anfang der achtziger Jahre in die DDR. Dort begann sie ein neues Leben mit einer falschen Identität. Möglich machte das die Stasi - als Gegenleistung spitzelte Albrecht ihre Kollegen aus.

          Die Strafe für ihre Beteiligung an den Taten der RAF hat die ehemalige Terroristin Susanne Albrecht abgesessen. Doch nun sieht sie sich wieder mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, denn aus dem Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR wird ihre Tätigkeit als inoffizielle Mitarbeiterin mit dem Decknamen „Ernst Berger“ öffentlich diskutiert. Im Bremer Wahlkampf war kurz skandalisiert worden, dass Susanne Albrecht heute ihr Geld als Deutschlehrerin in einer Privatschule für Migranten verdient – seit 1993, als sie noch Freigängerin war.

          Doch haben sich die Eltern der Kinder, die sie unterrichtet, sowie zwölf Bremer Pastoren für Frau Albrecht eingesetzt und darauf hingewiesen, dass sie nunmehr als vollständig rehabilitiert zu gelten habe. Die Diskussion über eine vorzeitige Entlassung von Christian Klar, die Erinnerung an den Mord von Generalbundesanwalt Siegried Buback am 7. April 1977 und der bevorstehende Jahrestag des „Deutschen Herbstes“ 1977 hat bei der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen für eine Fülle von neuen Akteneinsichtsanträgen zum Thema RAF und Stasi gesorgt.

          Falsche Namen und erfundene Lebensläufe

          Pfingsten 1990 war Frau Albrecht mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn aus Moskau in die DDR zurückgekehrt, in die sie als gesuchte Terroristin 1980 geflohen war. Tage später wurde sie verhaftet. 1991 verurteilte sie das Oberlandesgericht Stuttgart zu zwölf Jahren Gefängnis. Susanne Albrecht hatte 1977 die Freundschaft ihrer Eltern zu Jürgen Ponto genutzt, um sich und ihren RAF-Komplizen Zugang zum Privathaus von Jürgen Ponto, dem Vorstandssprecher der Dresdner Bank, zu verschaffen. Ponto sollte entführt werden, er wurde jedoch noch in seinem Haus erschossen. 1980 zog Susanne Albrecht wie neun weitere RAF-Aussteiger in die DDR.

          Vereinbart hatten diese Art der Unterbringung von westdeutschen Terroristen Inge Viett, Christian Klar und Wolfgang Beer. Das Angebot nutzten Frau Albrecht, Monika Helbing, Silke Maier-Witt, Christine Dümlein, Ralf Baptist Friedrich, Werner Lotze, Ekkehard von Seckendorff, Siegrid Sternebeck und später auch Inge Viett und Henning Beer. Sie wurden unter falschen Namen und erfundenen Lebensläufen an verschiedenen Orten der DDR untergebracht, der Kontakt untereinander war ihnen, außer bei einem Treffen einmal im Jahr unter Obhut der Stasi, untersagt. Frau Albrecht heiratete in der DDR einen Physiker und bekam mit ihm einen Sohn.

          Im offenen Vollzug als Lehrerin gearbeitet

          Im Verfahren gegen sie trat Susanne Albrecht als Kronzeugin gegen die RAF auf und distanzierte sich von den Verbrechen der Gruppe. Von den zwölf Jahren Gefängnis, zu denen sie verurteilt wurde, saß sie sechs ab. 1992 wurde sie in den Bremer Strafvollzug verlegt und begann 1993, noch vom offenen Vollzug aus, mit der Arbeit für die Stadtteilschule, die im Wahlkampf 2007 angeprangert wurde. 1996 wurde sie entlassen. Eine Ausbildung zur Lehrerin hatte sie in der DDR gemacht, in Bremen begann sie eine Zusatzausbildung.

          Vom Terrorismus hat sich Susanne Albrecht nach Auffassung der Behörden längst komplett und glaubhaft abgewendet. Wie es sich mit ihrem Leben in der DDR und ihrem Verhältnis zum Staatssicherheitsdienst verhält, ist nicht bekannt; sie äußert sich nicht öffentlich zu ihrer Biographie. Das Thema RAF und Stasi ist bisher etwas für Spezialisten wie Tobias Wunschik aus der Abteilung Bildung und Forschung, der 1997 das Buch „Baader-Meinhofs Kinder. Die zweite Generation der RAF“ publizierte. Wunschik erwartet nicht, dass die Bestände seiner Behörde künftig noch „viel Neues“ über die RAF-Aussteiger in der DDR hergeben. Allenfalls könne man mit neuen Aktenfunden vielleicht die ein oder andere „Vita mit Fleisch füttern“.

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