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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Das Jahr in Zitaten „Ich schäme mich nicht nur heimlich“

31.12.2011 ·  Es ist der Satz des Jahres: Forschungsministerin Annette Schavan auf die Frage, ob sie sich heimlich für Karl-Theodor zu Guttenberg schäme. Nicht jeder war 2011 so böse empathisch.

Von Bertram Eisenhauer und Florentine Fritzen
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© Lisowski, Philip „Er kann es, Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann.“ (Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt über die Kanzlerkandidatur der SPD.)

JANUAR

„Dies wird eines der spannendsten Jahre.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel

„Im Theater heißt es, dass nur eine misslungene Generalprobe zu einer gelungenen Premiere führt.“

Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, über eine umstrittene Rede seiner Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch, in der es hieß: „Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung.“

„Portugal wird nicht um Hilfe bitten.“

José Socrates, Ministerpräsident von Portugal, hält Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsschirm für unnötig – noch; im Mai werden Kreditzusagen für Portugal von 78 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren nötig.

“Wir prüfen gerade, wie viele von ihnen noch leben.“

Griechenlands Arbeitsministerin Louka Katseli im Juni über die Nachricht, dass für Tausende tote Griechen weiterhin Rente gezahlt werde; 4500 inzischen verstorbene Angestellte im öffentlichen Dienst erhielten noch Geld, was die Steuerzahler jährlich mehr als 16 Millionen Euro koste; das Ministerium wolle die etwa 9000 über Hundertjährigen des Landes unter die Lupe nehmen.

„Also, ich freue mich jetzt über jedes Schnitzel und jedes Steak und jedes Ei, das ich im letzten Jahr nicht gegessen habe, und werde das auch so beibehalten.“

Schriftstellerin Karen Duve fühlt sich durch den Dioxin-Skandal in ihrer vegetarischen Lebensweise bestärkt; Hühner, Puten und Schweine hatten auf deutschen Bauernhöfen vergiftetes Futter gefressen.

„Wir sind im Augenblick, was Frauen in den Führungspositionen angeht, auf Höhe mit Indien, hinter Russland, hinter Brasilien, hinter China.“

Ursula von der Leyen (CDU), Arbeitsministerin, über die Notwendigkeit einer Frauenquote in der deutschen Wirtschaft.

„Der Märtyrer Mohammed Bouazizi, geboren am 29.3.1984, gestorben am 4.1.2011.“

Marmorplatte am Grab eines tunesischen Gemüsehändlers, der sich am 17. November 2010 selbst angezündet hatte, angeblich, weil er von einer Beamtin gedemütigt worden war; die Geschichte, an deren Wahrheitsgehalt Zweifel bestehen, wird zu einem der Funken, der die Revolte in seiner Heimat entzündet – und nicht nur dort; zehn Tage nach Bouazizis Tod am 4. Januar flieht Diktator Ben Ali aus dem Land; auch beispielsweise in Ägypten, im Jemen, in Libyen und Syrien kommt es zu Protesten und Revolutionen.

FEBRUAR

„Ich werde bis zum letzten Tropfen meines Blutes kämpfen.“

Libyens Diktator Muammar al Gaddafi im Fernsehen zum Ausbruch des Bürgerkrieges.

„Liebe Werbeagentur Jung von Matt, bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen ,Bild‘-Kampagne mitmachen wollen: Ich glaub’ es hackt.“

Die Band „Wir sind Helden“.

„Wir essen unser Saatgut auf“; „Deutschlanddämmerung“; „Deutschland im Abendlicht“

Titel, die Thilo Sarrazin seinem Verlag nach eigenen Angaben ursprünglich für „Deutschland schafft sich ab“ vorgeschlagen hatte; dort lehnte man den ersten Vorschlag als „zu landwirtschaftlich“ ab; „Deutschlanddämmerung“ klinge nach Lyrikband, und Lyrikbände erzielten keine hohen Auflagen.

„Wir sind Zeugen eines biblischen Exodus.“

Roberto Maroni, italienischer Innenminister, über die Flucht mehrerer tausend Tunesier nach Italien.

„Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen.“

Recep Tayyip Erdogan, türkischer Ministerpräsident, bei einem Auftritt vor Deutschtürken in Düsseldorf.

„Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich. Und das wird Karl-Theodor zu Guttenberg nicht anders gehen.“

Annette Schavan zur Promotions-Affäre des damaligen Verteidigungsministers; doch sagte Schavan auch: „Er hat eine zweite Chance verdient“; am 1. März tritt zu Guttenberg zurück.

Wie geht man lässig eine Showtreppe hinunter?
Die Showtreppe ist wirklich eine große Kunst. Diese Stufen sind beleuchtet, dann die Scheinwerfer, alle sehen einen an, es ist ganz schlimm. Ich kenne niemanden, der davor keine Angst hat. Also: Sie müssen mit der Melodie des Orchesters sozusagen hinunterschweben. Einfacher ist es, wenn Sie dabei singen, das lenkt ab. Und Sie dürfen keinesfalls schleichen. Es darf nicht so aussehen, als bereite es Ihnen Mühe.“

Peter Alexander, Sänger, Schauspieler, Entertainer, der von der Mitte der fünfziger bis in die Mitte der neunziger Jahre zu den populärsten Unterhaltungskünstlern im deutschsprachigen Raum gehörte, in einem Interview 2001, kurz vor seinem 75. Geburtstag; auf die Frage, ob er manchmal an den Tod denke, sagte er: „Den ignoriere ich. Und ich hoffe, er mich auch“; am 12. Februar stirbt Peter Alexander, mit 84.

MÄRZ

„Sie haben in Ihrer Sendung Umweltministerin Gönner lobend erwähnt.
Ja, Tanja. Sie entspricht ja nicht unbedingt medialen Rastern wie etwa Manuela Schwesig. Aber sie hat mich sofort an Mädchen erinnert, die ich vom Schulhof kannte: in allem eine Eins, selbst im Turnen. Und auch noch bei ,Jugend musiziert‘ bis in die vorletzte Runde gekommen. Das ist so ein Phänotyp, der bei mir sofort Reflexe auslöst: Mit Tanja tanzt man keinen Stehblues, aber sie lässt in Latein abschreiben. Daher sofort Begeisterung für Tanja.“

Harald Schmidt.

„Dass aber der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich nirgends belegen lässt.“

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

„Wir haben den Eindruck, gegen einen unsichtbaren Feind zu kämpfen.“

Yukio Takamaya, Chef der Feuerwehrspezialkräfte Tokio, über die Wolke über Fukushima; dort ist nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 9,0 Wasserstoff in einem Atomkraftwerk explodiert; die Gegend wird evakuiert.

„Sie ist ein Auslaufmodell.“

Norbert Röttgen, Bundesumweltminister (CDU), zur Bedeutung der Atomkraft in Deutschland; in Deutschland wird infolge der Ereignisse in Japan ein dreimonatiges Atom-Moratorium beschlossen, sieben Atomkraftwerke werden abgeschaltet; schließlich entscheidet man sich für den stufenweisen Atomausstieg bis 2022.

„Was mach ich jetzt? Zehn WM-Titel wollte ich schon mal holen. Aber jetzt muss ich mir ja schon wieder neue Ziele setzen.“

Biathletin Magdalena Neuner bei der Weltmeisterschaft in Chanty-Mansijsk nach dem Gewinn von Staffel-Gold, ihrem insgesamt zehnten WM-Titel; Anfang Dezember wird sie ihre Entscheidung bekanntgeben, am Saisonende aufzuhören.

„Sie morden, wir bauen.“

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident Israels, über den geplanten Siedlungsbau nach der Ermordung einer jüdischen Familie im Westjordanland.

„Unsere Enthaltung ist nicht mit Neutralität zu verwechseln.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zum deutschen Abstimmungsverhalten bei der Verabschiedung der Libyen-Resolution im UN-Sicherheitsrat, die im In- und Ausland viel kritisiert wird.

APRIL

„Wer sich selbst zum Würstchen macht, darf sich nicht wundern, wenn er als solches verspeist wird.“

Philipp Rösler, designierter Vorsitzender, zur Neuausrichtung der FDP; im Mai wird er gewählt, anstelle des ungeliebten Guido Westerwelle, der allerdings Außenminister bleibt; Rösler wird versprechen: „Ab heute wird die FDP liefern.“

„Und wenn mir danach ist, werde ich Mathematiklehrer in Neuseeland.“

Der ehemalige Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, auf die Frage nach seinen Zukunftsplänen.

„You look beautiful. Yes, it looks fantastic, it’s beautiful.“

Prinz William zu Kate Middleton, seiner Braut, als diese sich bei der Hochzeit der beiden in der Westminster Abbey in ihrem Alexander-McQueen-Kleid dem Altar nähert; laut einer von einer britischen Zeitung eigens engagierten „forensischen Lippenleserin“.

MAI

„Ich habe Frauen belogen und ihnen Räubergeschichten erzählt. Ich bin nicht stolz darauf.“

Wettermoderator Jörg Kachelmann nach seinem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Freundin vor dem Landgericht Mannheim; im Verlauf der Verhandlung und durch die Presseberichterstattung war bekanntgeworden, dass Kachelmann gleichzeitig mehrere Geliebte hatte.

„Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Frhr. zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat.“

Aus dem Abschlussbericht der Universität Bayreuth zur Doktorarbeit zu Guttenbergs.

„Hübscher Hintern.“

Bemerkung von Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds, zu einer Flugbegleiterin, kurz bevor ihn amerikanische Polizisten am Flughafen JFK aus einer Maschine der Air France holen, laut dem Wochenmagazin „Le Point“; Strauss-Kahn wird vorgeworfen, ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel vergewaltigt zu haben; später kommen Zweifel an der Version der Frau auf; die Staatsanwaltschaft lässt die Anklage fallen; auf die geplante Präsidentschaftskandidatur in der Heimat muss er, über den viele Frauengeschichten bekannt werden, verzichten.

„Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand.“

Aus dem Abschiedsbrief des am 7. Mai durch Selbstmord gestorbenen Fotografen und Playboys Gunter Sachs.

JUNI

„Es sind die Sprossen.“

Reinhard Burger, Präsident des Berliner Robert Koch-Instituts, über den Übertragungsort des Ehec-Erregers; 4000 Menschen erkranken, 53 sterben.

„Mit Gottes Hilfe werden wir diese Verschwörung überwinden.“

Der syrische Machthaber Baschar al Assad über die Proteste von Regimegegnern; mit brutaler Gewalt hält er sich an der Macht.

„Sie sollten dahin verschwinden, wo sie hergekommen sind.“

Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad über die Existenz Israels.

„Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Beschluss der EU-Finanzminister über die Ausweitung des Euro-Rettungsfonds EFSF.

„Ich habe Männer mit Waffen, die um sie herum sind, da steigt kein Junge mit ins Auto, der ein Bier getrunken hat.“

Präsident Barack Obama stellt sich auf die Zeit als Vater einer Tochter im Teenageralter ein.

„Ein Weißer schickt alle zum Fischen, und dann kommt er auch noch aus einem Fußballerland.“

Dirk-Nowitzki-Entdecker Holger Geschwindner, nachdem Nowitzki die Dallas Mavericks zur amerikanischen Basketball-Meisterschaft geführt hat.

„Klaus Wowereit ist ein charmanter Mann. Bei mir muss man halt zweimal hingucken, bis man es sieht.“

Renate Künast auf die Frage, warum die Berliner laut Umfragen den Regierenden Bürgermeister von der SPD doppelt so gut wie finden wie sie, die Grüne; am 18. September gewinnt Wowereits Partei trotz Verlusten die Wahl zum Abgeordnetenhaus, nach schwierigen Verhandlungen mit den Grünen wird eine große Koalition gebildet.

Juli

„Dies ist der Tag meiner größten Demut.“

Rupert Murdoch vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments zum Abhörskandal bei seiner Zeitung „News of the World“.

„Ich bin völlig transparent, sauber in allem, was ich tue. Man kann mir nichts vorwerfen. Die Leute können sagen, dass ich vögele. Das ist das Einzige. In ein paar Monaten werde ich fortgehen, um mich um meinen eigenen Kram zu kümmern. Ich verlasse dieses Scheißland, bei dem ich kotzen könnte.“

Silvio Berlusconi in einem abgehörten Telefonat; im November wird er zurücktreten.

„Mama, sag der Polizei, dass hier Menschen sterben. Sie sollen sich beeilen.“

SMS der 16 Jahre alten Schülerin Julie Bremnes von der Insel Utya; hinter einem Felsen versteckt, tauscht das Mädchen 46 Botschaften mit seiner Mutter aus,

während der Attentäter Anders Behring Breivik zahlreiche Jugendliche erschießt.

„Grundsätzlich bin ich mit meiner Karriere sehr zufrieden, nur zum Ende ist es dumm gelaufen.“

Birgit Prinz, nachdem Deutschland im Viertelfinale der Frauen-WM gegen Japan ausgeschieden war; die Ausnahmefußballerin beendet danach ihre Karriere.

„Sie schien zwar weg von den Drogen zu sein. Überrascht hat mich ihr plötzliches Ende aber nicht.“

Janice Winehouse über den Tod ihrer Tochter, der Sängerin Amy Winehouse, am 23. Juli mit 27.

„Diese Eltern wünschen sich sehnlichst ein gesundes Kind.“

„Krankheit und Behinderung gehört zu unserer menschlichen Existenz.“

Ulrike Flach (FDP) und Maria Michalk (CDU) in der Debatte über die Präimplantationsdiagnostik (PID) im Bundestag.

AUGUST

Wenn Sie abends in den Spiegel schauen, staunen Sie, was aus Ihnen geworden ist?
Vor dem Spiegel staune ich nicht. Aber sagen wir mal so: Wenn ich auf der Regierungsbank sitze und ich sehe die CDU-Kollegen vor mir, denke ich manchmal schon: So, jetzt müsst ihr die kleinen Anfragen schreiben. Da ist dann schon ein Gefühl der verdienten Genugtuung. Als wir 1980 zum ersten Mal ins Parlament kamen, gab es CDUler, die uns nicht mal die Hand gaben. Gestern waren Sie noch ziemlich unwichtig, heute sind Sie richtig bedeutend. Plötzlich kommt es auf jeden Halbsatz an, den ich sage. Alles ist auf der Goldwaage.“

Winfried Kretschmann (Die Grünen), seit Mai Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in einem Interview.

„Lieber Genosse Fidel Castro, Kuba war und ist Beispiel und Orientierungspunkt für viele Völker der Welt. Anlässlich Deines Geburtstages wünschen wir Dir beste Gesundheit, Schaffenskraft und schöpferische Energie für Deine weitere Arbeit. Zugleich versichern wir Dir unsere unverbrüchliche Freundschaft und Solidarität mit dem kubanischen Volk. Mit solidarischen Grüßen –“

Brief von Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, Vorsitzende der Linkspartei, am 13. August; später sagt Ernst, er bedauere das Schreiben.

Fühlen Sie sich beobachtet?
Merkwürdig war es schon, als ich mal ein neues Bett benötigte und es ausprobieren musste. Da lag ich nun, der ganze Laden stand um mich rum, und jeder konnte den Text auswendig.
Es gibt Millionen Menschen, die ständig Ihre Sketche nacherzählen. Überall trifft man auf Leute, die Sie zitieren. Stört Sie das?
Nö.
Wir sind ein Volk von Loriot-Klonen, und Sie sind schuld.
Ich bitte um Vergebung.
Gibt es so etwas wie Altersweisheit?
Kaum. Die Jahre vergehen fast zu schnell, um aus Erfahrungen zu lernen. Wenn man jung ist, teilt man die Menschen in zwei unveränderliche Gruppen: Alte und Junge. Und wenn man alt ist, teilt man sie in Kranke und Gesunde. Erst sehr spät lehrt die Erfahrung, dass man keiner Gruppe entkommt.
Was kommt nach dem Tod?
Der Himmel, hoffe ich. Ich habe mir meinen Kinderglauben an den lieben Gott bewahrt.
Wissen Sie, was auf Ihrem Grabstein stehen soll?
Zweckmäßig wäre es, wenn der Name daraufstünde.“

Vicco von Bülow, als „Loriot“ zu einem der bedeutendsten deutschen Humoristen geworden, 2002 in einem Interview; am 22. August stirbt er im Alter von 87 Jahren.

„Zehn Klöße zum Mittag, habe gleich drei Kilo zugenommen.“

Aus der ersten Twitter-Botschaft des regierungskritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei seit seiner Freilassung aus dem Gefängnis.

Wussten Sie da schon, dass Sie erst 15 ist?
Ich glaube nicht.“

Christian von Boetticher, ehemaliger CDU-Vorsitzender von Schleswig-Holstein und Spitzenkandidat, beantwortet eine Frage zum Beginn seiner Affäre mit einem Mädchen; später muss er wegen der Beziehung zurücktreten.

„Obwohl sie als männliche Figuren dargestellt werden und viele menschliche Züge und Eigenarten besitzen (wie das bei vielen Muppets™ der Sesamstraße der Fall ist), so bleiben sie doch Puppen und besitzen keine sexuelle Orientierung.“

Aus einer Facebook-Erklärung der Macher der amerikanischen „Sesamstraße“; es ist die Reaktion auf die Petition einer Aktivistengruppe, die populären Figuren Ernie und Bert heiraten zu lassen.

„Wie alt ich glaube, dass die Erde ist? Weißt du, ich habe keine Ahnung. Ich weiß, dass sie ziemlich alt ist und schon sehr, sehr lange existiert. Ich bin gar nicht sicher, ob überhaupt jemand tatsächlich und ganz sicher weiß, wie alt sie ist.“

Rick Perry, Gouverneur von Texas und Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, auf die Frage eines Jungen beim Wahlkampf im Bundesstaat New Hampshire.

SEPTEMBER

„Mein derzeitiger Energielevel reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein und insbesondere die Mannschaft und den Verein in ihrer sportlichen Entwicklung voranzubringen.“

Ralf Rangnick zur Begründung seines Rücktritts als Trainer des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

„Der Barkeeper sagt: ,Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht.‘ Ein Neutrino kommt in eine Bar.“

Der ultimative Witz zu den überlichtschnellen Neutrinos; ihre Geschwindigkeit, angeblich im Experiment gemessen, könnte die Relativitätstheorie in Frage stellen.

„– Na ja, wir haben im Moment. Puh. (Pause.) Nein, ich möchte dazu lieber nichts sagen. (Lachen.)
– Kann ich momentan nicht genau sagen.
– Das habe ich jetzt nicht auf dem Schirm.
– 250 Milliarden? 240?
(Lächeln.) Okay.“

Die Bundestagsabgeordneten Aydan Özoguz (SPD), Günter Gloser (SPD), Kathrin Vogel (Die Linke) und Albert Rupprecht (CSU), die von einem Fernsehteam befragt werden, wie hoch der deutsche Anteil an den Kreditbürgschaften ist; der deutsche Bundestag befindet in einer vielerorts als historisch bezeichneten Entscheidung über 211 Milliarden Euro.

OKTOBER

„Willkommen in Israel, Gilad. Wie gut, dass du zurückgekommen bist.“

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zur Freilassung des Soldaten Gilad Schalit aus fünfjähriger Hamas-Haft; im Gegenzug kommen bis Dezember mehr als 1000 palästinensische Gefangene frei.

„Liebe Kanzlerin Merkel, lieber Staatspräsident Sarkozy und hochverehrte Führer Europas.“

Ein gleichlautender Brief an die Regierungschefs der Euroländer; Absender: Charles Dallara, Geschäftsführender Direktor des Internationalen Bankenverbandes.

„Was ist los? Meine Kinder, ihr erschießt mich? Meine Söhne, ich bin doch Gaddafi, ich bin der Führer, wieso erschießen?“

Muammar al Gaddafi zu den Soldaten, die seine Leibwächter erschießen, laut Augenzeugen, die in der Zeitung „Al Sharq al Awsat“ befragt werden; am 20. Oktober stirbt auch er an Schussverletzungen, unter noch nicht genau geklärten Umständen.

„Stay hungry. Stay foolish. – Bleib hungrig. Bleib tollkühn. Ich habe mir immer gewünscht, dass mir das gelingt. Und jetzt wünsche ich mir das für Sie.“

Steve Jobs, Gründer der Firma Apple, am Ende einer Ansprache an Stanford-Absolventen 2005 über sein Lebensmotto; am 5. Oktober stirbt er.

„Franzi für die Sportschau? Viele fragen: ,Ist Franziska van Almsick nicht zu jung?‘ Nein, man ist nie zu jung für die Sportschau. Man ist nur zu alt für Lothar Matthäus.“

Harald Schmidt.

„Ich bin wieder am Start. Es gibt noch eine Zugabe.“

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken über seinen ersten Gedanken nach einer kritischen Gehirnoperation, die nach einem Schlaganfall notwendig geworden war.

NOVEMBER

„Natürlich habe er keine Kontakte zu Al Qaida, sagt (Doktor) Krstic, 48, aber wenn er sie hätte: Es gebe oben das Zimmer mit den Dachfenstern. Er würde es vermieten. Da könnten die mit ihren Gewehren dann machen. Flugzeuge kämen ja genug.“

Die „Frankfurter Rundschau“ über einen Bewohner des Frankfurter Nobelviertels Lerchesberg, über das seit dem 21. Oktober Flugzeuge zur neuen Nordwestlandebahn fliegen, was zu Protesten führt.

„Die Informationen weisen darauf hin, dass Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat.“

Yukia Amano, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, in einem Bericht.

„Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen.“

Volker Kauder, Unionsfraktionschef, über die Haushaltspolitik in Europa.

„Ich hoffe, dass sie das Aussehen ihrer Mutter, nicht das ihres Vaters erben wird.“

Barack Obama bei einem Treffen in Cannes zu Nicolas Sarkozy über dessen kurz zuvor geborene Tochter.

„Das hat einen ganz einfachen Grund. Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin seit einiger Zeit mit Sahra eng befreundet.“

Oskar Lafontaine, 68, Fraktionschef der Linken im Saar-Landtag und graue Eminenz seiner Partei, begründet am Ende einer Rede, warum er Sahra Wagenknecht, 42, zum Landesparteitag der Linken mitgebracht hat.

DEZEMBER

„Eine Sternschnuppe fiel, aber sie wünschte sich nichts.“

Christa Wolf in ihrer Erzählung „Der geteilte Himmel“ von 1963 über Rita, die junge Frau, die sich gegen ihren Geliebten und für die DDR entscheidet; am 1. Dezember stirbt Wolf, mit 82.

„Wir wünschen ihnen alles Gute.“

David Cameron, britischer Premierminister, über das Zerwürfnis auf einem EU-Gipfel, bei dem Großbritannien am Ende isoliert dasteht, während die übrigen Staaten einen Pakt zur Rettung des Euro verabreden.

„Als Ihr Oberbefehlshaber und im Namen einer dankbaren Nation bin ich stolz darauf, endlich diese zwei Worte zu sagen: Willkommen daheim.“

Barack Obama in einer Rede zum Ende des amerikanischen Engagements im Irak.

„Im Traum bin ich Fußgänger.“

Wolfgang Schäuble.

„Ich werde das Amt auch in Zukunft gewissenhaft und mit ganzer Kraft ausfüllen.“

Bundespräsident Christian Wulff in seiner ersten persönlichen Erklärung zu der „irritierenden“ (Wulff) Finanzierung seines Einfamilienhauses durch einen Privatkredit vom Unternehmerpaar Geerkens.

„Ich bin gut durchgekommen. Es war ein großes Abenteuer.“

Entertainer Johannes Heesters über sein Leben, da war er schon jenseits der 100; am 24. Dezember stirbt er – mit 108.

„Manchmal bin ich wie ein kleines Kind. Dann wünsche ich mir, Hans-Olaf Henkel ist für sechs Monate Kanzler und erklärt, dass er an den Grenzen wieder Zollkontrollen einführen will. Die Leute wären schlagartig ernüchtert. Mutti!, würden sie rufen, Mutti, komm zurück!“

Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit.

Die Bilder von Philip Lisowski sind - wie beim Jahresrückblick üblich - Aufnahmen von handbemalten Modelleisenbahnfiguren der Firma „Preiser“, Maßstab 1:87, Spur H0.

Quelle: F.A.S.
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