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CIA-Affäre „So was gab es schon früher“

11.12.2005 ·  Amerikanische Gefangenenflüge in die Vereinigten Staaten oder andere Länder sind keine Erfindung der Bush-Administration. Laut Bill Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger sind solche Aktionen seit dem 11. September lediglich häufiger geworden.

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Bill Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger spricht im Interview über CIA-Flüge, die Chancen für verbesserte deutsch-amerikanische Beziehungen und den Entführungsfall Susanne Osthoff im Irak.

Sandy Berger, als früherer Sicherheitsberater von Präsident Bill Clinton können Sie entspannt Auskunft geben: CIA-Krise, entführte Deutsche und täglicher Terror im Irak - wie steht es um die deutsch-amerikanischen Beziehungen?

Die Uneinigkeit gab es vier Jahre lang. Ich bin überzeugt, daß Außenministerin Condoleezza Rice sich wirklich bemüht, mit ihren neuen Gesprächspartnern in Deutschland bestens zusammenzuarbeiten. Amerika ist auf Freunde und Alliierte angewiesen, nicht zuletzt wegen der Probleme im Irak.

Der deutsche Regierungswechsel kommt passend für Washington?

Das macht dort die Sache natürlich leichter, aber auch umgekehrt: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in Amerika nun kooperativere Partner haben als ihr Vorgänger.

In welchen Fragen genau?

Gewiß wird der alte Zwist, ob unser Engagement im Irak eine gute oder eine schlechte Idee war, keine Rolle mehr spielen. Die Fragen lauten nun: Wie können wir einen stabilen Irak schaffen, und wie kann für die Region Sicherheit entstehen? Deutschland sollte klarmachen, daß es nicht weiter Gegengewicht zur amerikanischen Regierung sein will, sondern Partner.

Gab es denn bei den Demokraten Verständnis für die Haltung von Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Irak-Frage?

Ich habe Schröders Skepsis zum Krieg nachvollziehen können, wie überhaupt viele Amerikaner seine Zweifel teilten. Das war gar nicht der Punkt, der viele irritierte. Was die Amerikaner Schröder übelnahmen, ist vielmehr: Er entfachte eine Kampagne, und das mit antiamerikanischen Ressentiments.

Trauen die Amerikaner dem deutschen Außenminister Steinmeier, jüngst noch Ratgeber Schröders?

Die wenigsten Amerikaner wissen, wer Steinmeier ist oder war. Und die Regierung wird ihn gut behandeln, offen und ohne Groll. Er ist um ein Jahrzehnt jünger als der Achtundsechziger Joschka Fischer, dessen Generation ja geprägt ist von tiefem Mißtrauen gegen Amerika wegen des Vietnam-Kriegs. Steinmeier hingegen steht für eine neue, pragmatischere Generation. Wie auch Condoleezza Rice. Sie ist mit 51 Jahren nur unwesentlich älter als Steinmeier.

Frau Rice sagt, seit Jahrzehnten gebe es die sogenannten CIA-Flüge. Also auch zu Ihrer Zeit als Sicherheitsberater?

Die Anzahl wird substantiell gestiegen sein seit dem 11. September 2001 - da war ich nicht mehr im Amt. Aber es gab weit früher, in den neunziger Jahren, zuweilen ähnliche Vorgänge. Terrorverdächtige sind im Ausland festgenommen worden und zum Verhör in die Vereinigten Staaten oder in andere Länder geflogen worden. Diese Praxis ist nicht unrechtmäßig.

Welchen Einfluß wird die Diskussion auf die Beziehungen haben?

Leider fiel die aufgeregte Debatte mit dem Aufenthalt von Außenministerin Rice in Berlin zusammen. Was als Geste der Freundschaft und des Neuanfangs gelten sollte, war nun von Kritik und Mißtrauen der Medien, auch der Politik, überschattet.

Kann Washington helfen, die deutsche Geisel im Irak zu befreien?

Auf jeden Fall! Was dort geschehen ist, ist eine Tragödie. Wir haben es bei den Entführern im Irak mit Barbaren zu tun, denen menschliches Leben nicht im geringsten heilig ist. Zweifellos wird man von amerikanischer Seite alles unternehmen, das Leben von Susanne Osthoff zu retten. Ich weiß, daß unsere Seite sehr engagiert und hart auf der Suche nach Frau Osthoff ist. Ihre Befreiung wäre ein Erfolg für die neue deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Doch der Ausgang ist ungewiß, weil wir es mit einem schwer faßbaren Feind zu tun haben.

Das Gespräch führte Wulf Schmiese

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.12.2005, Nr. 49 / Seite 6
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