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Christen in aller Welt : In Bedrängnis

Christen sehen sich wachsender Verfolgung auf der ganzen Welt ausgesetzt. Sie brauchen mehr als das Eintreten des Papstes und der Bischöfe. Es bedarf kraftvoller politischer Unterstützung.

          Es steht der katholischen Kirche gut zu Gesicht, wenn sie in ihre Fürbitten nicht nur die Notleidenden in jedem noch so entlegenen Winkel der Erde einschließt, sondern auch für ihre eigenen Mitglieder an einem herausgehobenen Tag wie dem zweiten Weihnachtstag betet. Wie zur traurigen Vergegenwärtigung der Dringlichkeit dieses Tuns wurden, wenige Stunden nachdem Papst Benedikt XVI. in seiner Weihnachtsansprache die Anschläge auf Christen in Nigeria beklagt hatte, von islamistischen Terroristen wieder tödliche Anschläge auf Kirchen im Norden des Landes verübt. Solche mörderischen Vorfälle sind der Kamm einer Welle wachsender Bedrängungen und Bedrohungen, denen sich Christen auf der ganzen Welt ausgesetzt sehen - vor allem in islamisch geprägten Ländern.

          Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob man, wie es der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, getan hat, das Christentum als die „meist verfolgte Religion in der ganzen Welt“ bezeichnen kann; denn nicht in jedem einzelnen Fall werden Christen systematisch gesellschaftlich oder staatlich benachteiligt oder gar existentiell bedroht. Es zeugt aber von Mut, sich einem gerade hierzulande weit verbreiteten Affekt entgegenzustellen, der bereit zu sein scheint, alles unter seine Fittiche zu nehmen, solange es nur weit genug von allem Christlichen entfernt ist.

          Ein lascher Aufruf Zollitschs

          Auch Bundeskanzlerin Merkel bekam diesen Affekt kürzlich zu spüren, als sie auf der EKD-Synode auf das Los der Christen hinwies und sich dann von politisch korrekten Menschenrechtsorganisationen und Grünen-Politikern anhören musste, man müsse alle bedrohten Minderheiten gleichermaßen schützen und dürfe Religionsgemeinschaften nicht gegeneinander ausspielen - das war nie die Absicht der Kanzlerin gewesen.

          Das Eintreten des Papstes und der deutschen Bischöfe für Christen in aller Welt, verbunden mit unverstellter Kritik an den unguten Entwicklungen in den Ländern des sogenannten Arabischen Frühlings, allen voran Ägypten, hin zu wachsender religiöser Intoleranz, bleibt aber vergeblich, wenn es keine kraftvolle politische Unterstützung erfährt. Ohne diese bliebe am Ende nur der etwas lasche Aufruf Zollitschs, Christen sollten nicht in Ländern Urlaub machen, in denen ihre Glaubensbrüder und -schwestern unterdrückt werden.

          Richard Wagner

          Verantwortlich für politische Nachrichten.

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          Quelle: F.A.Z.

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