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Chirac als oberster Soldat Ohne Rekruten in neue Einsätze

11.03.2007 ·  Der Übergang zur Berufsarmee ging lautlos vonstatten. Immer mehr Geld gibt Frankreich für das Militär aus - nicht zuletzt für das Atomwaffenarsenal. 36.000 Soldaten sind im Ausland im Einsatz, viele von ihnen im afrikanischen Hinterhof.

Von Michaela Wiegel, Paris
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Der „Grande Muette“, der „Großen Schweigenden“, wie die Armee in Frankreich genannt wird, hat Jacques Chirac einen tiefgreifenden Wandel verordnet. Im Gegensatz zu anderen Staatsreformen verlief diese ohne öffentliches Murren. Aus der eine halbe Million Mann zählenden Wehrpflichtigen-Armee machte Chirac in seiner Amtszeit von 1995 bis 2007 eine 350.000 Soldaten umfassende Berufsarmee mit kontinuierlich steigendem Budget. Zugleich versuchte Chirac, eine Rückkehr in die integrierten militärischen Strukturen der Nato auszuhandeln, was 1996 scheiterte.

Durch die „Hintertür“ kehrte die französische Armee dennoch in die Nato zurück: durch immer stärkere Einbindung in Nato-Einsätze, etwa in Afghanistan oder auf dem Balkan, und durch die Beteiligung an der Eingreiftruppe Nato Response Force. Chirac strengte auch im Bund mit Großbritannien eine Stärkung der europäischen Verteidigungskapazitäten an. Doch zuletzt überwog das Misstrauen bei Chirac, inwieweit Großbritannien seine Verpflichtungen weiter ernst nimmt.

Nukleardoktrin neu definiert

Mit einem Verteidigungshaushalt von 36 Milliarden Euro für 2007 (eine Steigerung von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr) zählt Frankreich zu der Spitzengruppe der EU bei den Verteidigungsausgaben. Mit mehr als 36.000 Soldaten an Krisenschauplätzen in aller Welt, teils unter UN-Mandat, teils unter Nato-Kommando, bleibt die französische Armee ihrer Auslandstradition verhaftet. Zwar hat unter Chirac eine Reorganisation der Militärstützpunkte in den früheren Kolonien in Afrika stattgefunden, aber die Vielzahl von militärischen Beistandsvereinbarungen führt dazu, dass Frankreich weiter präsent bleibt. Die Gendarmerie, die zur französischen Armee zählt, hat seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ihre Rolle in der Terrorismusbekämpfung gestärkt. Ordnungseinsätze wie während des Notstandes bei den Banlieue-Unruhen stellen allerdings weiter Ausnahmen dar.

Chirac hat die mit dem Ende des Kalten Krieges obsolet gewordene Nukleardoktrin Frankreichs neu definiert. Zu Beginn seiner Amtszeit ordnete er eine Serie unterirdischer Kernwaffentests auf dem Mururoa-Atoll im Südpazifik an, gegen die auf der ganzen Welt protestiert wurde. Im Januar 2006 drohte Chirac gezielte nukleare Gegenschläge im Falle von terroristischen Angriffen auf Frankreich an. Die nuklearen See- und Landstreitkräfte der französischen Armee ermöglichten es, sich gegen neue Bedrohungen „diversifiziert und komplementär“ zu schützen. Etwa zehn Prozent des französischen Verteidigungsbudgets fließen in das Nuklearwaffenarsenal. Chirac hat in seiner Amtszeit den atomar betriebenen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ in Betrieb genommen und plant einen zweiten Flugzeugträger in französisch-britischer Industriekooperation.

Quelle: F.A.Z., 12.03.2007, Nr. 60 / Seite 6
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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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