Es wird der Tag kommen, an dem sich eine chinesische Führung diesen Dalai Lama zurückwünscht. Die gegenwärtige Regierung hat den Friedensnobelpreisträger zu einem „gefährlichen Separatisten“ erklärt. Und was tut dieser angebliche Feind des chinesischen Staates? Er verlangt, dass das Volk sich ein eigenes Urteil bilden solle über das Streben der Tibeter nach mehr Autonomie – und nicht etwa Unabhängigkeit, wie Peking ständig behauptet.
Der Dalai Lama weiß natürlich, dass China seiner Forderung nach Aufhebung der Zensur nicht nachkommen wird. Aber in seiner Ohnmacht tut er das einzig Richtige. Er macht der Welt außerhalb Chinas klar, worum es geht, um die Wahrheit nämlich. Auf die fortgesetzte Unterstützung des Auslands bleiben er und die Tibeter angewiesen. Wenn China es schaffte, das Ansehen der Tibeter in der Welt nachhaltig zu untergraben, dann hätte es gewonnen. Die (moralische) Unterstützung werden die Tibeter aber nur dann weiter genießen, wenn sie auch nach dem Tod des jetzigen Dalai Lama dessen Weg der Gewaltlosigkeit weitergehen.
Tibet Klischee
M Braun (cnbraun)
- 22.02.2010, 07:43 Uhr