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China : Hier geht die neue Welt baden

Hinter dem Hotel Kempinski liegen noch die alten Reisfelder Bild: Niklas Maak

Apartmenttürme neben neuenglischen Aristokratenvillen, Chinesinnen im Dirndl, die zu amerikanischen Countrysongs chinesisches Paulanerbier servieren: So sieht die Zukunft des Tourismus aus. Ein Besuch auf der Insel Hainan, dem „Hawaii von China“.

          Einen Moment lang dachte ich, oha, da ist jetzt ein böser Fehler passiert: Haben die mich falsch abgefertigt? Sitze ich nicht im Flugzeug nach Hainan, sondern in einer Maschine nach Wladiwostok oder Omsk oder Moskau? Jedenfalls saßen mit mir im Flugzeug keine Chinesen, sondern nur Russen: Vor mir ein blasser Mann mit einem dünnen Schnurrbart und einer iltisartigen Frisur, seine Arme waren tätowiert und sehr breit, seine blassen Beine schauten aus Shorts heraus, auf die in zuckenden Buchstaben Army Style gedruckt war.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Im Gang stand eine chinesische Stewardess. Hinter mir rülpste jemand. Keiner sprach Englisch, deswegen schaute ich aus dem Fenster und sah weit unten den neuen Flughafen von Peking im Dunst verschwinden. Dann knackte der Lautsprecher; der Kapitän verkündete etwas auf Chinesisch und wiederholte das Ganze in einem phantasievollen Englisch. Mehrmals tauchte das Wort "Hainan" auf. Wir waren offensichtlich doch auf dem richtigen Weg; aber warum saßen neben mir ausschließlich Russen im Flugzeug?

          Ich las eine Broschüre durch, die ich mir in Peking gekauft hatte. Hainan, stand dort, sei eine Trauminsel und das neue Hawaii, dazu sah man ein Foto: türkisblaues, klares Wasser, weiße, leere Pulversandstrände. Von Peking aus fliegt man dreieinhalb Stunden südwärts. Mit etwas über 34 000 Quadratkilometern ist Hainan deutlich größer als Hawaii, hat aber nur neun Millionen Einwohner. Früher, in der Zeit, die wir Mittelalter nennen, also um das Jahr 1000 herum, war Hainan das Sankt Helena der Song-Dynastie, unliebsame Regenten und politische Widersacher wurden hierhin abgeschoben und tauchten nie wieder auf, im 20. Jahrhundert besetzten die Japaner die Insel, es gab einen blutigen Befreiungskampf, und danach wurde Hainan mehr oder weniger vom chinesischen Militär kontrolliert. An Tourismus war nicht zu denken. Vielleicht, dachten wir, ist Hainan genau das, was man will - eine Insel wie Hawaii, bevor die Touristen kamen.

          Für die vielen russischen Touristen ist alles in deren Landessprache beschriftet
          Für die vielen russischen Touristen ist alles in deren Landessprache beschriftet :

          In der Stretchlimousine

          Dann kamen wir an. Vor dem Flughafen von Sanya, der großen Stadt im Süden von Hainan, wartete ein Fahrer des Hotels mit einer Stretchlimousine, wie sie B-Stars in New York benutzen, wobei die New Yorker Stretchlimousinen immerhin schwarz lackiert sind. Diese hier strahlte in einem selbstbewussten Kanariengelb. Man kann davon halten, was man will, aber ganz sicher sind giftgelbe Stretchlimousinen ein Zeichen dafür, dass es möglicherweise mit der unverdorbenen, untouristischen, pionierhaften Atmosphäre schon eine Zeitlang vorbei ist.

          Wir fuhren zum "Kempinski-Hotel". Am Seitenfenster der Limousine tauchten endlose Baustellen auf, es sah aus, als würde man gleichzeitig die Costa Brava, Mallorca und Daytona Beach nachbauen, ein Hochhaus stand neben dem anderen. Unten am Meer spülten Pumpmaschinen Sand in ein verlassenes altes Reisfeld, ein Schild verkündete, hier entstehe ein Golfplatz mit 85 exklusiven Villen, von denen jede angeblich über eine Million Dollar kosten soll.

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