17.01.2005 · Er stellte sich 1989 gegen die Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens. Dafür zahlte der einstige chinesische Partei- und Regierungschef mit Entmachtung und Hausarrest.
Der wegen seiner Sympathie mit der Demokratiebewegung gestürzte frühere chinesische Partei- und Regierungschef Zhao Ziyang ist tot. Der 85jährige starb am Montag morgen in einem Pekinger Krankenhaus, teilte der Direktor des in Hongkong ansässigen Informationszentrums für Menschenrechte und Demokratie, Frank Lu, mit.
Die chinesische Regierung und Zhaos Tochter bestätigten den Tod des seit langer Zeit herz- und lungenkranken Politikers. Zhao lebte seit 15 Jahren unter Hausarrest, nachdem er wegen seiner Kritik an der blutigen Niederschlagung des Tiananmen-Aufstandes 1989 in Peking gestürzt worden war.
Todesnachricht per SMS
Zhaos Tochter Wang Yannan schickte eine Textmitteilung (SMS) mit der Todesnachricht an Freunde, wie aus ihrem Umfeld verlautete. „Er verließ uns heute morgen friedlich, er ist endlich frei“, hieß es in der Mitteilung. „Meinen herzlichen Dank für die Anteilnahme und guten Wünsche.“
Die chinesische Regierung verbreitete die Todesnachricht über die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. „Genosse Zhao Ziyang erlag am Montag seiner Krankheit in einem Pekinger Krankenhaus. Er wurde 85 Jahre alt“, hieß es in der Meldung. Zhao habe seit langem unter Atemwegsinfektionen und Herzgefäßkrankheiten gelitten. Sein Zustand habe sich kürzlich verschlechtert. Er sei trotz einer Notfallbehandlung gestorben.
Vorwurf: „Konterrevolution“
Zhao war vor mehr als einem Monat in ein Pekinger Krankenhaus eingeliefert worden. Am Freitag fiel er dort in ein tiefes Koma. Am Sonntag berichtete das Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie unter Berufung auf Zhaos Tochter noch, Zhaos Zustand habe sich gegenüber Samstag leicht verbessert.
Der 1919 als Sohn von Großgrundbesitzern in der Provinz Henan geborene Zhao war von 1980 bis 1987 chinesischer Regierungschef. Danach war er bis 1989 Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Nach seiner Kritik an der blutigen Niederschlagung des Aufstands demonstrierender Studenten und Arbeiter auf dem Tiananmen-Platz in Peking am 4. Juni 1989 wurde er unter dem Vorwurf der „Konterrevolution“ gestürzt. Mindestens 1.400 unbewaffnete Zivilisten kamen bei dem Aufstand ums Leben; nach inoffizellen Schätzungen wurden sogar mehr als 3.600 Menschen getötet.
Führung zeigt noch immer keine Einsicht
Seinen letzten Auftritt als Parteichef hatte Zhao am 19. Mai 1989, als er zusammen mit dem heutigen Regierungschef Wen Jiabao die Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz aufsuchte und versuchte, sie zum Abzug zu überreden. Am 24. Juni 1989 wurde er abgesetzt; seitdem bewachten Polizisten sein Haus in Peking.
Bis heute bezeichnet die chinesische Regierung die Niederschlagung des Aufstandes von 1989 als notwendige Maßnahme, um ein stabiles politisches Umfeld für die Wirtschaftsreformen zu erhalten. Zhaos in den 80er Jahren vollzogene marktwirtschaftliche Reformen waren der Auslöser für die Öffnung der chinesischen Wirtschaft zum Weltmarkt, welche dem Land ein enormes Wirtschaftswachstum bescherte.