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China Partner und Rivale

23.08.2010 ·  Chinas Wirtschaft brummt - und das Militär brummt mit. Ist das ein Grund zur Sorge? Die anderen asiatischen Staaten suchen jedenfalls nicht zufällig ein gutes Verhältnis zu Indien und den Vereinigten Staaten.

Von Klaus-Dieter Frankenberger
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China wächst und wächst - die globale Wirtschaftskrise hat dem Land offenbar wenig anhaben können. Es schreitet mit solcher Kraft voran, dass es schon als dampfende Lokomotive der Weltwirtschaft beschworen, wenn nicht angehimmelt wird. Und jetzt hat es Japan überholt: China, Schwellenland und Großmacht zugleich, ist der neue Verfolger der Vereinigten Staaten, was die Wirtschaftsleistung anbelangt. Nur was die Wirtschaftsleistung anbelangt?

Zufall oder nicht: Kurz nach Bekanntgabe des chinesisch-japanischen Positionstauschs in der Disziplin Bruttoinlandsprodukt machte das amerikanische Verteidigungsministerium seine Sorgen angesichts der Aufrüstung der chinesischen Streitkräfte öffentlich: Pekings Verteidigungsausgaben wachsen in hohem Tempo; seine maritimen Fähigkeiten lassen immer raumgreifendere Operationen zu; die Raketenstreitkräfte werden unablässig modernisiert. Kurzum: Chinas Programm der militärischen Modernisierung entspricht dem Ehrgeiz einer aufstrebenden globalen Macht, was immer Peking an Beschwichtigungen dazu verlauten lässt.

Asiatische Staaten bemühen sich um gutes Verhältnis zu Indien

Das beeindruckende wirtschaftliche Leistungsvermögen, das viele Millionen Chinesen aus der Armut geführt hat und das auch die Hoffnungen der hiesigen Exportindustrie beflügelt, findet seine quasi natürliche Entsprechung in militärischer Stärke. Und die gibt den Machthabern immer mehr Optionen an die Hand, zum Beispiel gegenüber Taiwan, in der Regelung regionaler Territorialkonflikte zu eigenen Gunsten und mit Blick auf die Projektion militärischer Macht generell. Das hat Auswirkungen auf das regionale Gleichgewicht, auf das Verhältnis zu den asiatischen Nachbarn und auf die vielschichtigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, mit denen China durch seine Handels- und Kapitalströme fast symbiotisch verbunden ist.

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas überwindet alle ökologischen, sozialen und energiepolitischen Hürden und vollzieht sich scheinbar unaufhaltsam; so wird er jedenfalls wahrgenommen. Gemeinhin wird er auch begrüßt. Es sind nicht zuletzt die westlichen Länder und ihre Firmen, die in diesen Aufstieg investieren und sich da einen formidablen Wettbewerber heranziehen - schöne Grüße nach Japan! China ist schon heute ein ganz dicker Knoten im globalen Wirtschafts- und Finanzgeflecht, in Zukunft wird dieser Knoten noch dicker.

Dennoch ist das Frohlocken darüber nicht ungetrübt. Gerade in Ost- und Südostasien ist vielen schon mulmig angesichts einer chinesischen Präsenz, die immer sichtbarer und spürbarer wird. Zwar kann von Gegenmachtbildung nicht die Rede sein, dafür sind die Länder der Region viel zu sehr miteinander verflochten. Aber es fällt schon auf, dass sich nicht alle Staaten fröhlich um den chinesischen Pol gruppieren, sondern sich auch um ein gutes Verhältnis zu Indien, dem anderen asiatischen Star der Zukunft, bemühen.

Dass Indien eine immer engere Beziehung zu Japan pflegt, hat aus Tokioter Sicht nicht nur mit wirtschaftlichen Interessen auf dem Subkontinent zu tun. Vielmehr sind die meisten Staaten auch daran interessiert, dass Amerika als Macht des sicherheitspolitischen Gleichgewichts in der Region engagiert - das heißt auch militärisch präsent - bleibt. Man weiß ja nie. Das Scheitern des japanischen Ministerpräsidenten Hatoyama hat auch damit zu tun, dass er die sicherheitspolitische Bedeutung und Notwendigkeit der Allianz mit den Vereinigten Staaten in Zweifel zog.

Verloren ist der Westen nicht

Die Zweideutigkeiten und Unsicherheiten, welche die Außensicht auf China prägen - stellt sein Aufstieg eine Gefahr dar oder eine Chance? -, charakterisieren auch das amerikanisch-chinesische Verhältnis. Auf der einen Seite preisen amerikanische Politiker und Wirtschaftsleute möglichst enge Wirtschaftsbeziehungen. Bei Präsident Obama ging das so weit, dass er zunächst bei seinem Werben für einen "vorurteilsfreien Dialog" kontroverse Themen wie Menschenrechte, auf welche die chinesische Führung notorisch gereizt reagiert, gänzlich ausklammerte. Erst in jüngerer Zeit hat seine weniger zur Beschwichtigung neigende Außenministerin deutlichere Worte gefunden. Aber auch Frau Clinton hat an Peking appelliert, weiter amerikanische Schatzbriefe zu kaufen.

Auf der anderen Seite sieht natürlich auch die amerikanische Politik, dass der Weltmacht Amerika in China ein formidabler Konkurrent heranwächst, der seinen Aktionsradius ständig ausweitet. Beispiele hierfür sind die chinesische Rohstoffpolitik und ebendie Modernisierung seiner Streitkräfte. Washington betreibt keine offene Eindämmungspolitik, aber doch eine Bündnispolitik der Rückversicherung für den Fall, dass Chinas Aufstieg eines Tages eine weitaus ruppigere Seite zeigen könnte.

Im Moment überwiegt freilich die Faszination: China, der Wachstumsmotor, der durch die Weltwirtschaftskrise noch an Bedeutung gewonnen hat. Und in Zukunft? Im Jahr 2020 werden die vier größten Volkswirtschaften aus dem asiatisch-pazifischen Raum stammen: Amerika, China, Japan, Indien. Verloren ist der Westen also nicht, nur die Europäer rutschen ins Mittelfeld ab.

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