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Zwei Jahre Haft : Menschenrechtsanwalt in China verurteilt

  • Aktualisiert am

Der chinesische Anwalt Jiang Tianyong muss für zwei Jahre in Haft. Bild: AFP

Wegen „Subversion“ gegen die Staatsgewalt muss der chinesische Menschenrechtler Jiang Tianyong zwei Jahre ins Gefängnis. Er hatte sich als Anwalt unter anderem für Tibeter eingesetzt.

          Der prominente chinesische Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong ist zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Changsha befand den 46 Jahre alten Tianyong am Dienstag der „Subversion“ gegen die Staatsgewalt schuldig. Zugleich entzog das Gericht Jiang für eine Dauer von drei Jahren sämtliche politischen Rechte.

          Jiang war bei der Urteilsverkündung im Volksgericht von Changsha anwesend. Neben ihm saßen zwei Polizisten, wie auf Video-Aufnahmen in sozialen Internet-Netzwerken zu erkennen war. Der Menschenrechtsanwalt ist in China weithin bekannt. Er vertrat in Prozessen unter anderem Mandanten aus Tibet, Opfer eines Skandals um verseuchtes Milchpulver und Anhänger der religiösen Falun-Gong-Bewegung.

          In dem Prozess vor dem Volksgericht in Changsha wurde Jiang zur Last gelegt, er habe zur „Subversion gegen die Staatsgewalt“ aufgerufen. Der Richter sagte bei der Urteilsverkündung, Jiang sei über lange Zeit von „anti-chinesischen Kräften“ beeinflusst worden. Unter diesem Eindruck habe er „die Vorstellung entwickelt, das bestehende politische System zu kippen“. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte den Prozess als „heuchlerisch“.

          Jiang war vor einem Jahr festgenommen worden, als er sich von Peking nach Changsha begab. Er wollte sich dort um den bereits zuvor festgenommenen Menschenrechtsanwalt Xie Yang kümmern. Vor seiner Festnahme hatte Jiang wiederholt hochrangige Vertreter ausländischer Staaten getroffen.

          Jiang sagte in dem Prozess in Changsha im August aus, er bedaure es, zur „Subversion“ aufgefordert zu haben. Amnesty bezeichnete den Prozess als „politisches Theater“ und erklärte, das Schuldeingeständnis des Angeklagten sei „höchstwahrscheinlich unter Zwang“ zustande gekommen. Seitdem der aktuelle Staatspräsident Xi Jinping 2012 ins Amt gelangte, gab es zunehmend Berichte über Schuldeingeständnisse von Regierungskritikern und Menschenrechtlern.

          Quelle: AFP

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