11.09.2002 · Die 15 in die deutsche Botschaftsschule in Peking geflüchteten Nordkoreaner reisten am Mittwoch in ein Drittland. Vermutetes Ziel der Reise: Südkorea.
Mehr als eine Woche nach ihrer spektakulären Flucht in die deutsche Botschaftsschule haben die 15 Nordkoreaner am Mittwochmorgen Peking verlassen, teilte ein Vertreter der deutschen Botschaft in der chinesischen Hauptstadt mit. Nach seinen Angaben sind die Flüchtlinge bereits unterwegs in ein Drittland; von dort aus werden sie dann vermutlich nach Südkorea weiterreisen. Über welches Land sie reisten, ließ der Sprecher offen. 21 weitere nordkoreanische Flüchtlinge, die seit Tagen im südkoreanischen Konsulat ausharren, sollten nach Angaben eines dortigen Sprechers ebenfalls noch am Mittwoch ausreisen.
Die 15 Nordkoreaner waren am vergangenen Dienstag über die Außenmauer auf das Gelände der Schule geklettert. Sie wurden dann in einem Umkleideraum im Untergeschoss der Schule untergebracht. Als die Nordkoreaner in die Schule flüchteten, war die chinesische Polizei nicht auf das Gelände eingedrungen.
Nordkoreaner flüchten häufig über China
Zwei Tage später einigten sich Berlin und Peking über das Schicksal der Flüchtlinge. Über den Inhalt der Vereinbarung schwiegen sich die Regierungen zunächst aus, allgemein wurde jedoch damit gerechnet, dass die Flüchtlinge bald über ein Drittland nach Südkorea ausreisen dürfen. Die Ausreise verzögerte sich jedoch weiter.
Am Dienstag hatte dazu ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums erklärt, dass die Formalitäten für die insgesamt 36 nordkoreanischen Asylsuchenden nahezu abgeschlossen seien. Mehr als 80 Nordkoreaner haben in diesem Jahr China verlassen, nachdem sie auf exterritoriales Gelände eingedrungen waren. Beobachter gehen davon aus, dass mehr als 150.000 Nordkoreaner illegal in China leben, um Hunger und Verfolgung in ihrer Heimat zu entkommen. Nordkoreaner werden von Peking nicht als Flüchtlinge anerkannt und müssen damit rechnen, in ihre Heimat abgeschoben zu werden. Die Flüchtlinge reisen normalerweise über ein Drittland aus, um Nordkorea als traditionellen Verbündeten Chinas nicht zu verärgern.