Lange war das an Bodenschätzen arme Ungarn stolz darauf, mit seinen Bauxitvorkommen und der Aluminiumerzeugung auch in der modernen Industriewelt bestehen zu können. Nun ist der einträgliche Erwerbszweig mit einem Schlag zur Katastrophe geworden.
In den neunziger Jahren haben frühere Zuständige aus dem Management und dem aufsichtsführenden Ministerium das einst staatliche Unternehmen erworben und es als „geschlossene Aktiengesellschaft“ geführt. Wie weit das neue Netzwerk der einstigen sozialistischen Staats- und Kombinatsfunktionäre reichte, ist noch unklar.
Jedenfalls hat die Staatsverwaltung unter der neuen Fidesz-Regierung noch vor wenigen Wochen das Auffangbecken mit dem giftigen Rotschlamm untersucht und nicht beanstandet; auch bei früheren Prüfungen durch UN-Sachverständige wurden die Gefahren nicht erkannt. In der Vorsorge waren alle Beteiligten schlechter als jetzt in der Katastrophenhilfe. Doch noch kann niemand die Spätschäden der ausgelaufenen Schlämme im Volumen von einer Million Kubikmeter einschätzen: weder die in der Natur noch jene in der Politik.
Katastrophen sind nie auszuschließen
Sven Weihusen (highlife)
- 08.10.2010, 11:43 Uhr