12.10.2008 · Die Trennung von Amt und Mandat gilt bei den baden-württembergischen Grünen noch immer - und hat nun wieder ein prominentes Opfer gefordert: Cem Özdemir, der designierte Kandidat für den Bundesvorsitz, wurde politisch hingerichtet.
Von Stefan DietrichSo bunt sind die Grünen: In Hessen darf ihr Landesvorsitzender Al-Wazir zugleich Fraktionsvorsitzender im Landtag sein. In Baden-Württemberg wollen sie nicht einmal einen designierten Bundesvorsitzenden mit einem Bundestagsmandat ausstatten. Für Bundespolitiker der Grünen ist die Trennung von Amt und Mandat zwar vor fünf Jahren gelockert worden, im Ländle besteht dieses Gebot aber noch fort - und hat nun wieder ein prominentes Opfer gefordert: Cem Özdemir, der einzige Kandidat für die männliche Parteispitze, wurde schon vor dem Wahltag von den Seinen politisch hingerichtet.
Seinen Sitz im Europaparlament ist er los, ein Bundestagsmandat soll er nicht bekommen. Soll er nur den Watschenmann auf einem einflusslosen Posten spielen? So hat sich Özdemir sein politisches Comeback wohl nicht vorgestellt. Gut möglich, dass sich die Partei dafür jetzt einen anderen Dummen suchen muss. Wie wäre es mit Hans-Christian Ströbele, dem unermüdlichen Kämpfer für die Beibehaltung der Trennung von Amt und Mandat? Nach vier Legislaturperioden könnte er einmal Platz machen.