In der 2. Etage des Konrad-Adenauer-Hauses, der „Arena 02“, werden ab sofort die Pläne für die Rückkehr der CDU in die Regierungsverantwortung im Herbst 2002 geschmiedet. „Wir wollen unser eigenes Ding machen“, erklärte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer am Donnerstag, als die Kampagnenzentrale vorgestellt wurde. Mit dem „eigenen Ding“ meint er Abgrenzung von der SPD, die wie schon im letzten Bundestags-Wahlkampf Koordinationszentrale „Kampa“ ausgelagert hat. Dafür hat der CDU-General nur Spott übrig. Die SPD habe ihre Wahlkampfzentrale nur ausgegliedert, „weil sie dem eigenen Haus nichts zutraut.“
Ganz so viel traut Meyer dem eigenen Haus dann offenbar auch wieder nicht zu, hat er doch die Werbeagentur McCann-Erickson, die den CDU-Wahlkampf betreut, in die 2. Etage integriert. Was die neuen PR-Strategen für die CDU ausgeheckt haben, will Meyer indes noch nicht verraten. Immerhin verspricht er den Journalisten, sie müssten „noch auf die eine oder andere Überraschung gefasst“ sein.
Unabhängige Struktur
Die letzte Überraschung Meyers ist hingegen deutlich misslungen. Die CDU wollte gegen Gerhard Schröder mit Plakaten zu Felde ziehen, die den Bundeskanzler wie auf einem Foto aus der Verbrecherkartei zeigten. Die Aktion wurde jedoch schnell abgebrochen. Derzeit hat es die CDU auf die „ruhige Hand“ des Kanzlers abgesehen. Dem stellt sie ihr „Zuhören, nachdenken, bewegen“ entgegen.
Auch wenn die CDU die Zahl ihrer Mitarbeiter im Adenauer-Haus auf derzeit etwa 110 reduzierte, sollen für den Wahlkampf zusätzlich 50 bis 60 Leute eingestellt werden. Mit der Redimensionierung wurde auch die hausinterne Struktur geändert. Allerdings seien die Struktur und die derzeitige Besetzung unabhängig von der Person des Kanzlerkandidaten, versicherte Meyer. Alles sei mit CSU-Generalsekretär Thomas Goppel am letzten Freitag besprochen worden.
„Drei Jahre gepennt“
Für die mögliche CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist diese Konstellation in der Tat optimal. Bei einem Kandidaten Edmund Stoiber dürfte hingegen die „Arena 02“ zur Außenstelle der bayrischen Staatskanzlei mutieren, genauso wie über der aktuellen SPD-Kampa noch das Bundeskanzleramt steht. Zudem hat Stoiber vor wenigen Monaten eine Dependance der CSU in Berlin etabliert, die im Moment nicht allzu viel zu tun hat.
Für den Wahlkampf sieht Meyer die Partei gut gerüstet. In allen relevanten Bereichen habe die CDU in den letzten Umfragen deutlich an Kompetenzwerten zugelegt. Auch habe die Versuchung bei den Parteimitgliedern „nachgelassen, über die Medien Ratschläge zu erteilen“. Vor allem vom Thema innere Sicherheit verspricht sich die CDU offenbar einen weiteren Aufschwung. Bei diesem Thema habe die Regierung „drei Jahre gepennt“, verkündete Meyer. Insbesondere Innenminister Otto Schily (SPD) habe nichts getan und tue jetzt so, als ob er das Pulver erfunden habe. Den Vorschlag, die Erteilung von Visa aus bestimmten Ländern mit der Abgabe eines Fingerabdruckes zu koppeln, habe die CDU schon vor Jahren vorgelegt.
Weißer Fleck im Osten
Immer wieder machte Meyer an diesem Tag deutlich, was auch schon Ex-Kanzler Helmut Kohl im Spenden-Untersuchungsausschuss immer wieder betont hatte, dass nämlich die CDU im Vergleich zur SPD finanziell und personell im Nachteil sei. Die 40 Millionen Mark Wahlkampfetat sind laut Meyer nur die Hälfte dessen, was die SPD ausgeben könne. Personell verfüge man etwa über ein Drittel der Mitarbeiter des Willy-Brandt-Hauses.
Um die Finanzen zu verbessern gehört zur „Arena 02“ auch eine Spendensammelstelle, die im englischsprachigen Zeitalter natürlich Abteilung „Fundraising“ heißt. Schwarze Köfferchen sucht man in diesem Büro allerdings vergeblich. Ein großer Teil der Spenden soll übers Internet gesammelt werden. An der Wand hängt jedenfalls schon einmal eine Karte, die die Spendendichte aufzeigt. Der Osten stellt dabei einen einzigen großen weißen Fleck dar mit zwei kleinen Ausnahmen in Mecklenburg-Vorpommern: Stralsund, dem Wahlkreis Merkels, und der Gegend um Neubrandenburg, der Heimat der Eisprinzessin Katharina Witt. Auf Nachfrage wird jedoch erläutert, dass es sich bei dieser Karte nicht um den Ist-Zustand handelt, sondern um eine Prognose. Nach welchen Kriterien die zustandegekommen ist, konnte - oder wollte - der „Arena“-Mitarbeiter nicht erklären.