19.07.2010 · Auch nach Ole von Beusts Rücktritt spricht nichts dafür, dass es für den Rückzug einer ganzen Generation führender CDU-Landespolitiker ein verbindendes Motiv gäbe. Und wenn doch, dann wäre es unpolitisch: Keiner hatte offensichtlich Lust, für sein Amt bis zum letzten Atemzug zu kämpfen.
Von Günther NonnenmacherJe nach Zählweise ist Ole von Beust der fünfte, sechste oder siebente führende Politiker und Amtsinhaber, der der CDU abhandenkommt; auf das Maximum ausgedehnt, reicht die Reihe von Althaus über Oettinger, Koch, Köhler, Wulff, Rüttgers bis von Beust. Die Abfolge weckt den Verdacht, diese Abgänge hätten eine gemeinsame Ursache. Damit ist man bei der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden angekommen: Frau Merkel, so die Legende, habe ihre Konkurrenten der Reihe nach „ausgeschaltet“.
Dass dies blanker Unsinn ist, ist nicht schwer zu erkennen. Von „Konkurrenten Merkels“ lässt sich ernsthaft nur in den Fällen Koch, Wulff und Rüttgers reden. Letzterer ist abgewählt worden, wofür Frau Merkel nichts kann. Wulff hat sich schon seit geraumer Zeit mit einer präsidialen Aura umgeben; seine Wahl zum Bundespräsidenten war folgerichtig. Einzig Koch mag auch deshalb resigniert haben, weil nach zwei schwachen Wahlergebnissen in Hessen nicht mehr an einen fulminanten Aufstieg in der Bundespolitik zu denken war.
Hedonismus der modernen Gesellschaft
Oettinger hatte in Baden-Württemberg wenig Fortüne; der Wechsel nach Brüssel erlaubte es ihm, auch privat einen neuen Lebensabschnitt ohne permanente Beobachtung zu beginnen. Der Rücktritt des Bundespräsidenten Köhler gibt nach wie vor Rätsel auf. Ole von Beust hat von seiner Amtsmüdigkeit seit Monaten kein Geheimnis gemacht. Der Fall Althaus fällt ohnehin aus dem Rahmen. Nichts spricht dafür, dass es für den Rückzug einer ganzen Generation führender Landespolitiker ein verbindendes Motiv gäbe. Und wenn doch, wäre es unpolitisch: Keiner der Genannten hatte offensichtlich Lust, für sein Amt bis zum letzten Atemzug zu kämpfen. Der oft beklagte Hedonismus der modernen Gesellschaft scheint auch Politikern nicht ganz fremd zu sein.
Für die CDU ist die Verlustbilanz dennoch betrüblich: Von vier stellvertretenden Parteivorsitzenden ist noch eine (Frau Schavan) übrig; die Nachrücker sind überregional wenig bekannt und haben deshalb auch noch kein eigenständiges politisches Profil gewonnen. Dafür hatten sie allerdings schlicht und einfach noch nicht die Zeit. Schon deshalb ist die Rede von „Auflösungserscheinungen“ in der CDU-Spitze voreilig. Dennoch wäre die Vorsitzende Merkel gut beraten, zügig ein Personaltableau zu entwickeln, um dem öffentlichen Eindruck der Schwächung entgegenzuwirken.
Selbstverständlich "kann Merkel dafür etwas":
Detlef Stark (wool-web)
- 19.07.2010, 23:20 Uhr
Zu satt
Paul Fischer (HHeureka)
- 20.07.2010, 00:26 Uhr
Merkel - die Rache von E.H.
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 20.07.2010, 01:20 Uhr
Die Fakten sehen
Dieter Weitzel (DieterWeitzel)
- 20.07.2010, 08:42 Uhr
Wenn man weich faellt...
Christian Roigk (Dubai1)
- 20.07.2010, 09:02 Uhr