19.07.2004 · In seinem ersten Interview seit der Freilassung aus italienischer Haft hat Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel den Vorwurf zurückgewiesen, illegale Einreise nach Europa befördert zu haben.
Der Leiter der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel, hat den Vorwurf zurückgewiesen, mit der umstrittenen Rettungsaktion im Mittelmeer der illegalen Einreise nach Europa Vorschub geleistet zu haben.
Die Idee, daß ein Rettungsschiff Flüchtlinge anlocke, sei absurd, sagte Bierdel am Montag in seinem ersten Interview seit der Freilassung aus italienischer Haft im Deutschlandfunk.
„Seniler Zynismus“
Bierdel wies in diesem Zusammenhang die Vorwürfe von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) ebenso zurück wie die seines Vorgängers, des Cap-Anamur-Gründers Rupert Neudeck. Sollten Neudecks Äußerungen zu der Rettungsaktion, die verschiedene Medien veröffentlicht hatten, tatsächlich zutreffen, sei dies ein bizarrer Fall von senilem Zynismus, sagte Bierdel.
Neudeck hatte schwere Vorwürfe gegen die Schiffsbesatzung erhoben, die Flüchtlinge aufgenommen hatte, um sie nach Italien zu bringen. „Die Crew schipperte sechs Tage ohne Not mit Flüchtlingen an Bord durchs Meer, damit ihr Chef Bierdel mit Kamerateams dazustoßen konnte", sagte Neudeck der Zeitung „Welt am Sonntag“.
Gewiß habe seine Organisation Fehler gemacht, gestand Bierdel nun ein. Allerdings hätten die Besatzung der „Cap Anamur“ und er selbst vor dem Einlaufen in den italienischen Hafen Porto Empedocle alle notwendigen Angaben ordnungsgemäß gemacht. Die Genehmigung der Hafenbehörden sei buchstäblich in letzter Sekunde auf höchstes Geheiß aus Rom widerrufen worden, sagte Bierdel.
Italienische Justiz: zur kriminellen Einwanderunng
Bierdel war am Freitag nach vier Tagen aus italienischer Haft entlassen worden. Die „Cap Anamur“ hatte Ende Juni 37 afrikanische Flüchtlinge im Mittelmeer aufgegriffen und bis vergangenen Montag vor Sizilien geankert, weil die Hafenbehörden die Einfahrt zunächst verweigerten. Nach der wochenlangen Mittelmeer-Fahrt ist die Besatzung des Flüchtlingsschiffes am Wochenende nach Deutschland zurückgekehrt.
Die italienischen Justizbehörden halten ihren Vorwurf gegen Bierdel aufrecht, es habe sich dabei um Beihilfe zur kriminellen Einwanderung gehandelt. Der Untersuchungsrichter bestätigte den Haftgrund, ordnete jedoch die Freilassung an, weil angesichts "einer unzweifelhaften moralischen Motivation trotz des Publizitätswillens" keine Fluchtgefahr bestehe.