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Bush gegen Kerry Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluß

02.11.2004 ·  Auch mit Beginn der Präsidentenwahl am Dienstag bleibt der Ausgang noch völlig offen. Die letzten Umfragen deuten auf eine knappe Entscheidung zwischen Amtsinhaber George W. Bush und seinem Herausforderer John Kerry.

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Auch mit Beginn der Präsidentenwahl am Dienstag bleibt der Ausgang noch völlig offen. Auch die letzten Umfragen deuten auf eine knappe Entscheidung zwischen dem republikanischen Amtsinhaber George W. Bush und seinem Herausforderer John Kerry.

In Umfragen von CNN und „USA Today“ lagen der Präsident und sein demokratischer Herausforderer John Kerry jeweils bei 49 Prozent, mit einem Anteil von einem Prozent für den parteilosen Kandidaten Ralph Nader. Das bis zum Schluß spannende Rennen führte schon bei Öffnung der Wahllokale zu einem Ansturm der Wähler.

Auch Wahlbeteiligung entscheidet

Die Demoskopen erwarteten eine für die Vereinigten Staaten ungewöhnlich hohe Beteiligung von bis zu 60 Prozent. Als entscheidend gilt der Ausgang in den so genannten Swing States wie Florida, Ohio und Pennsylvania, wo sich bislang keine klare Mehrheit für Bush oder Kerry abzeichnete. Die Schlachtfeldstaaten im amerikanischen Wahlkampf

Wahl in Amerika: Symbolischer Sieg für Bush

Angesichts der knappen Umfragenwerte kommt der Wahlbeteiligung eine besondere Bedeutung zu. Nach Schätzungen des Komitees zum Studium der Amerikanischen Wählerschaft (Committee for the Study of the American Electorate) sollten 117,5 bis 121 Millionen Menschen ihre Stimme abgeben, das sind 58 bis 60 Prozent der Wahlberechtigten.

Bereits vor Dienstag hatten mehrere Millionen Bürger in 32 Staaten vorzeitig gewählt, darunter allein in Florida mehr als 1,8 Millionen Menschen.

Wahlkampf bis kurz vor der Urne

Die ersten Wahllokale öffneten um 12 Uhr (MEZ) an der Ostküste. Wegen der Zeitverschiebung schließen die ersten Wahllokale erst um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit. Mit ersten aussagekräftigen Prognosen und Auszählungsergebnissen ist frühestens ab Mittwochnacht um 1.30 Uhr zu rechnen.

In mehreren Regionen trotzten die Wähler Regen und Schnee. Angesichts der zu erwartenden Klagen gegen einzelne knappe Entscheidungen schickten beide Lager tausende Anwälte zur Beobachtung der Wahllokale. „Jetzt ist die Zeit für das Volk gekommen, seinen Willen zu erklären“, sagte Präsident Bush bei der Abgabe seiner Stimme in Crawford in Texas. Sein Herausforderer Kerry wollte in Boston wählen.

Er versicherte, seine Regierung werde im Falle eines Sieges „Amerika zu einem besseren Ort machen“. „Wir werden gesunden Menschenverstand und Ehrlichkeit zurück in die Entscheidungen dieser Nation bringen.“ Beide Seiten mobilisierten ihre Wähler noch unmittelbar vor der Wahl mit E-Mail-Aufrufen zum Urnengang.

Wahlkampf-Finale

Die Verkündung des Siegers kann sich dann aber noch Stunden hinziehen. Möglich ist auch ein ähnlicher Streit um das Ergebnis wie in Florida vor vier Jahren, so daß am Ende der Wahlnacht vielleicht noch kein Sieger feststeht.

In einem der längsten, erbittertsten und teuersten Wahlkämpfe in der Geschichte des Landes haben Bush und Kerry bis zur letzten Minute versucht, Wähler für sich zu mobilisieren. Der Wahllampf verschlang fast 4 Milliarden Dollar. Nach einer Blitztour durch die Staaten sind beide Kandidaten zur Stimmabgabe nach Hause zurückgekehrt: Kerry nach Boston (Massachusetts) und Bush auf seine Ferienranch nach Crawford (Texas).

Umkämpfte „Schlachtfeldstaaten“

Für den Einzug ins Weiße Haus sind die Stimmen von mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlleute erforderlich. Das Augenmerk gilt vor allem denjenigen Staaten, in denen sich ein knappes Ergebnis abzeichnete. Die wichtigsten dieser „battleground states“ waren Florida, Pennsylvania und Ohio. Der amerikanische Präsident wird nicht direkt vom Volk, sondern von einem Wahlmännergremium gewählt, in das die Bundesstaaten je nach ihrer Bevölkerungszahl Delegierte entsenden.

Zur Wahl stehen auch 34 der 100 Senats- sowie alle 435 Sitze des Abgeordnetenhauses. In beiden Häusern des Kongresses haben die Republikaner derzeit die Mehrheit. Die Revolution findet nicht statt

Auch die Parlamente der Einzelstaaten werden neu gewählt, außerdem gab es in mehreren Staaten auch noch Volksabstimmungen zu unterschiedlichen Fragen wie der Zulassung der Eheschließung für Homosexuelle.In elf Bundesstaaten steht außerdem die Wahl des Gouverneurs an.

„Die Welt an die Seite Amerikas zurückführen“

In ihren letzten Wahlkampfauftritten bemühten sich Bush und Kerry noch einmal darum, ihre persönliche Führungsstärke in den Vordergrund zu stellen. Amerika brauche einen Präsidenten, der einen effektiven Kampf gegen den Terror führen und das Land sicherer machen könne, erklärte Kerry am Montag abend. „Ich glaube, wir können die Welt an die Seite Amerikas zurückführen“, sagte er in Florida mit Blick auf die internationale Kritik am amerikanischen Vorgehen im Irak.

Bush betonte in Ohio, ein Präsident müsse auch harte Entscheidungen treffen können und zu ihnen stehen. Die Zeiten seien nicht einfach, aber „wir bewegen uns in die richtige Richtung“.

Symbolischer Sieg für Bush

Ein kleines Bergdorf in New Hampshire hat schon gewählt und ausgezählt: Auch bei den Einwohnern von Hart's Location, die am Dienstag schon kurz nach Mitternacht ihre Stimmen abgaben, lieferten sich die Konkurrenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Präsident Bush erhielt 16, Herausforderer John Kerry 14 Stimmen. Der parteilose Kandidat Ralph Nader bekam eine Stimme.

Die ungewöhnliche Zeit zum Wählen hat historische Gründe: In Hart's Location war 1948 fast jeder bei der Eisenbahn beschäftigt und mußte früh zur Arbeit.

Wenig später, 80 Kilometer weiter nördlich, folgte das Dorf Dixville Notch. Dort waren 26 Einwohner wahlberechtigt. Von ihnen entschieden sich 19 für Bush und 7 für Kerry. Die Bewohner der Ortschaft nahe der Grenze zu Kanada gehören traditionell zu den ersten, die bei einer Präsidentenwahl ihre Stimme abgeben. In Dixville Notch haben seit 1972 immer die republikanischen Kandidaten gewonnen. Kerry erhielt jedoch diesmal zwei Stimmen mehr als der demokratische Bewerber Al Gore vor vier Jahren.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters/AP/AFP
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