20.01.2007 · Ein Erkundungsteam der Bundeswehr ist nach Afghanistan geflogen, um einen möglichen Einsatz von Aufklärungs-Tornados im Süden des Landes auszuloten. Die Bundeswehr befürchtet wohl weiteren Druck der Nato-Verbündeten mit dem Ziel, den deutschen Einsatz auszuweiten.
Ein Erkundungsteam der Bundeswehr ist am Samstag nach Afghanistan geflogen, um einen möglichen Einsatz von Tornado-Aufklärungsflugzeugen im umkämpften Süden des Landes auszuloten. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums betonte, dass damit keine politische Entscheidung vorweggenommen werde. Für den Fall, dass Tornados entsandt werden, befürchtet die Bundeswehr offenbar weiteren Druck der Nato-Verbündeten mit dem Ziel, den deutschen Afghanistan-Einsatz auszuweiten.
Die Gruppe von zehn bis 15 Soldaten soll nach Auskunft des Sprechers Standorte und Rahmenbedingungen für die Tornado-Stationierung auskundschaften und eine Kostenrechnung erstellen. Die Mission stehe unter „hohem Zeitdruck“, da das Team bis Ende Januar ein Ergebnis vorlegen solle.
Bundeswehr will Nato-Anfrage wohl entgegenkommen
Die Bundeswehr ist offenbar bereit, der Nato-Anfrage nach Aufklärungsflugzeugen entgegenzukommen und sechs Tornados für den Einsatz im Süden abzustellen. Darüber soll beim Nato-Rat am 26. Januar gesprochen werden. Anschließend soll im Kabinett eine Entscheidung fallen, über die der Bundestag dann gegebenenfalls abstimmen müsste.
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz, sagte in der Chemnitzer „Freien Presse“ (Samstagausgabe), die Bundesregierung solle ihre Zustimmung zu einer Entsendung der Tornados an eine Strategieänderung der Nato in Afghanistan binden. So müssten die Wiederaufbaumaßnahmen ausgeweitet und die Zivilbevölkerung geschont werden. Die hohe Zahl an Opfern in der afghanischen Bevölkerung sei nicht mehr zu vertreten.
„Signal der Öffnung“
Die Zeitschrift „Spiegel“ berichtete, im Kanzleramt werde befürchtet, dass die Entsendung von sechs Tornados von den Nato-Partnern als ein „Signal der Öffnung“ für eine Ausdehnung des deutschen Einsatzes in Afghanistan gewertet werden könnte. Die Nato-Partner sähen womöglich die Chance, einen ganzen Wunschzettel an Forderungen, etwa nach neuen Truppen, vorzulegen. Steinmeier solle solche Wünsche beim Nato-Rat in Brüssel kommenden Freitag abwehren.
Der „Spiegel“ berichtete ferner ohne Angabe von Quellen, dass das Verteidigungsministerium eine Ausweitung der Obergrenze des Afghanistan-Einsatzes von 3000 auf 3200 Soldaten erwäge. Ein
Ministeriumssprecher sagte dazu am Samstag auf Anfrage, es gebe zur Zukunft des Afghanistan-Einsatzes noch keine politische Entscheidung, „auch nicht zur Obergrenze“. Zunächst solle die Tagung des NATO-Rats
abgewartet werden.
Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes
G. Ulrich Steinmann (Sekijin)
- 20.01.2007, 17:01 Uhr
Deutschland sollte Militär aus Afghanistan abziehen
Ahmet Balkaya (maide4)
- 20.01.2007, 20:56 Uhr
Nato-Wünsche sind Befehl!
Harald Obloch (germanlibre)
- 20.01.2007, 20:58 Uhr
Aussichtsloser Krieg
G. Ulrich Steinmann (Sekijin)
- 21.01.2007, 15:30 Uhr