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Bundeswehr Einsatz in Aceh

03.01.2005 ·  Wenn die Lage vor Ort analysiert ist, dann geht es los: Die Bundeswehr bereitet sich auf umfassende medizinische Hilfeleistungen auf Sumatra vor.

Von Stephan Löwenstein
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Schon am vergangenen Donnerstag hatte die Bundeswehr einen ersten Hilfseinsatz für Opfer der Flutwelle. An diesem Tag wurde die Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" vor dem Horn von Afrika um Hilfe für sieben gestrandete somalische Fischer gebeten. Die Welle hatte sie auf eine kleine Insel geworfen, fünftausend Seemeilen vom Epizentrum des Seebebens entfernt.

Die Fregatte, die im Rahmen der Anti-Terror-Operation Enduring Freedom zusammen mit Seefernaufklärern der Deutschen Marine am Horn von Afrika den Seeraum überwacht, versorgte mit ihrem Bordhubschrauber die Gestrandeten mit Wasser und Verpflegung.

Hilfe per Schiff

Das war ein eher zufälliger Einsatz auf einem Nebenschauplatz. Doch sollen die Fähigkeiten der Bundeswehr auch zur Hilfe in den schwer heimgesuchten Katastrophengebieten in Südostasien selbst genutzt werden. Dabei konzentrieren sich die Bemühungen auf die Provinz Aceh im Norden der Insel Sumatra.

Zum Einsatzverband am Horn von Afrika gehörte auch das Versorgungsschiff "Berlin". Am vergangenen Freitag wurde es in Richtung Sumatra beordert. Anfang nächster Woche kann es frühestens dort sein. Dann wird auch geklärt worden sein, wo genau es eingesetzt werden soll. Der Einsatzgruppenversorger, das größte Schiff der Bundeswehr, trägt an Bord ein kleines Krankenhaus mit 45 Betten, davon vier Intensivbetten, und zwei Operationssälen. Bis zu hundert Leichtverletzte könnten überdies an Bord versorgt werden. Zwei Wasseraufbereitungsanlagen können pro Tag etwa 25 Kubikmeter Trinkwasser herstellen.

Zusammenarbeit mit Australien

Wichtig im Einsatzgebiet werden wohl die beiden Bordhubschrauber vom Typ Sea King werden. Sie sind nicht nur Spezialisten für den sogenannten Such- und Rettungseinsatz, für den sie in den meisten Fällen wohl zu spät kommen werden. Doch können sie bis zu drei Tonnen Gewicht von Passagieren oder Material tragen, auch Verletzte können mit ihnen transportiert werden. Und sie sind die einzigen Hubschrauber, die die Bundeswehr auf absehbare Zeit dort haben wird. Über Hubschrauberträger, wie sie etwa die Vereinigten Staaten und Frankreich sogleich in die Region geschickt haben, verfügt die Deutsche Marine nicht, von einem Flugzeugträger zu schweigen.

Um so wichtiger wird für die Bundeswehr die Zusammenarbeit mit australischen Kräften werden, die auf Sumatra eine Art Führungsfunktion der um Hilfe gebetenen ausländischen Militärkräfte einnehmen. Australien, weit näher am Schauplatz gelegen und daher besser in der Lage, Gerät heranzuschaffen, hilft schon jetzt mit Hubschraubern. Es könnte durchaus eine auch organisatorisch gemeinsame Aktion der deutschen und australischen Streitkräfte werden. Neben dieser Frage wird Verteidigungsminister Struck auch prüfen müssen, ob wegen des Bürgerkriegs in der Provinz Aceh nicht eine Sicherungskomponente notwendig wird - und inwieweit das andererseits politisch geboten ist.

Ein Kreiskrankenhaus auf der Wiese

Struck liegen erste Einschätzungen des Erkundungsteams vor, das prüft, wo im Norden Sumatras und mit welchen Komponenten ein Lazarett der Bundeswehr eingerichtet werden kann, wie es am Wochenende beschlossen wurde. Das mobile Rettungszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr kann je nach Bedarf aus verschiedenen Modulen zusammengestellt werden. In seiner Basiszusammenstellung als "Luftlanderettungszentrum" hat es etwa zwanzig Pflegebetten und einige Intensivbetten und kann in zwei Stunden arbeitsbereit gemacht werden.

Doch wird für diesen Einsatz eine umfangreichere Konfiguration zusammengestellt werden, so daß schließlich ein kleines Kreiskrankenhaus auf der Wiese "entfaltet" werden kann. Auftrag der neun Erkunder war es etwa, zu prüfen, ob mehr mobile kleine Einheiten auf mehrere Standorte verteilt werden sollten, ob ein Schwerpunkt auf Seuchenhygiene gebildet werden solle, ob mehr ambulante Behandlung oder stationäre Versorgung notwendig ist. Wenn über all das entschieden ist, wird das Lazarett nach Einschätzungen im Verteidigungsministerium erst in etwa einer Woche einsatzbereit sein.

Heim mit dem MedEvac

Startklar ist jedenfalls die Einheit, wie das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst am Montag meldete. Ein Vorauskommando mit rund 50 Soldaten werde voraussichtlich noch Mitte dieser Woche aufbrechen, sagte der stellvertretende Kommandeur der Einheit, Generalstabsarzt Hartmut Siebertz, am Montag im friesischen Varel. Insgesamt stünden für den Einsatz rund 120 Soldaten bereit. Das Material für vierzig Zelte sei verladen und abflugbereit. Es solle mit gemieteten Flugzeugen von Köln/Bonn aus nach Indonesien gebracht werden. Am Einsatz nähmen drei Chirurgen, drei Allgemeinmediziner und fünf Anästhesisten teil.

Sollen diese medizinischen Einrichtungen vor allem der Versorgung der einheimischen Opfer dienen, so ist die Heimholung der deutschen Überlebenden schon weit gediehen. Hier kam vor allem ein Gerät zum Einsatz, das in der Bundeswehr stolz als einmalig in dieser Qualität (und im Komfort) gelobt wird, das Sanitätsflugzeug MedEvac. Nicht ohne Grund kommt es stets zum Einsatz, wenn Deutschland seine speziellen Fähigkeiten in einem Hilfseinsatz anbietet. Der MedEvac ist ein gewöhnlicher Airbus der Bundeswehr, der mit eigens konstruierten Komponenten zu einer "fliegenden Intensivstation" ausgerüstet werden kann. Am Montag flog er zum dritten Mal in die Region, um verletzte europäische Touristen nach Hause zu bringen; an diesem Dienstag soll ein weiterer MedEvac ausgerüstet sein und eingesetzt werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2005, Nr. 2
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Jahrgang 1968, politischer Korrespondent in Berlin.

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