Home
http://www.faz.net/-hpp-7hjrq
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Zweitstimmenkampagne „Wer Merkel haben will, wählt FDP“

Nach dem bayerischen Desaster wirbt die FDP-Führung offensiv um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager bei der Bundestagswahl. Der Union kommt das nicht gelegen. „Wir brauchen beide Stimmen“, sagt Fraktionschef Kauder. Ein mögliches Scheitern der Liberalen sei die Chance für „Rot-Grün“, glaubt SPD-Chef Gabriel.

© dpa Vergrößern FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle und der Parteivorsitzende Philipp Rösler stellen an diesem Montag das Plakat zur Zweitstimmenkampagne vor: „Jetzt geht’s ums Ganze“

Die FDP wirbt nach ihrer Wahlniederlage in Bayern unverhohlen um Zweitstimmen von Unionsanhängern bei der Bundestagswahl. „Wer Merkel haben will, wählt FDP“, sagte der liberale Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Montag in Berlin. Nur die „Merkel-Stimme“ für die FDP sichere den Fortbestand des schwarz-gelben Regierungsbündnisses und verhindere, dass die Union eine große Koalition mit der SPD eingeht.

Der FDP-Bundesvorsitzende Philipp Rösler kündigte an, die FDP werde in den letzten Tagen vor der Wahl „sehr konkret um die Zweitstimme kämpfen“. Die Parteiführung habe die Bundestagskandidaten angeschrieben und vorgeschlagen, dass diese vor Ort Absprachen mit dem jeweiligen Unionskandidaten treffen: Erststimme für die Union, Zweitstimme für die FDP.

Westerwelles Absprache als Vorbild

Eine entsprechende Absprache mit der CDU im Bonner Wahlkreis von  Bundesaußenminister Guido Westerwelle könne als „Beispiel“ für die ganze Partei dienen sagte Rösler. Die Entscheidung über solche Absprachen liege bei den Kandidaten vor Ort im Wahlkreis. „Wir werben selbstbewusst um die Zweitstimme“, kündigte Rösler an.

Die Großplakate der FDP würden mit einem entsprechenden Aufruf überklebt: „Jetzt geht’s ums Ganze -  Zweistimme FDP“, lautet der Text. Das FDP-Duo wies Kritik aus der Union an der Zweistimmenkampagne  zurück. „Ein gesplittetes Wahlverhalten ist nichts Neues“, sagte  Brüderle. Rösler versicherte, die Kampagne werde „sportlich fair“  verlaufen.

Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring hatte am Morgen um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager geworben. Es könne „sehr klug sein“, dass Wähler am kommenden Sonntag die schwarz-gelbe Koalition unterstützen, „indem sie einen starken Kandidaten vor Ort von der Union unterstützen und mit der Zweitstimme die FDP wählen.“ Döring fügte hinzu: „Kräfte bündeln und gemeinsam agieren - das ist nichts Neues.“

Bahr: „Es geht um die Existenz“

Die FDP war bei der Abstimmung in Bayern am Sonntag mit nur rund drei Prozent klar unter der Fünfprozenthürde geblieben und hat damit nach fünf Jahren in der Regierung Seehofer den Einzug in das bayerische Parlament verpasst. Rösler hatte schon am Sonntag eine „schwere Niederlage“ eingestanden.

Landtagswahl Bayern ? Wahlabend FDP © dpa Vergrößern Lange Gesichter bei der FDP: Außenminister Guido Westerwelle, Gesundheitsminister Daniel Bahr

Aus Sicht des Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr geht es für die FDP bei der Wahl am 22. September „ums Ganze, es geht auch um die Existenz einer freiheitlichen Partei“, sagte der Bundesgesundheitsminister der Zeitung „Tagesspiegel“. Es drohe eine rot-rot-grüne Mehrheit.

Union: „Zweitstimme ist Merkel-Stimme“

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe betonte dagegen im Deutschlandfunk, dass nicht Koalitionen, sondern Parteien gewählt würden: „Zweitstimme ist Merkel-Stimme“, sagte er. Auch der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), erteilte einer Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP eine Absage. „Wir brauchen beide Stimmen“, sagte Kauder im ZDF. Wer Angela Merkel als Bundeskanzlerin behalten wolle, werde „auch die Zweitstimme der CDU geben müssen“, sagte Kauder.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Berlin Große Koalition streitet weiter

Bayerns Finanzminister Markus Söder fordert angesichts der schlechten konjunkturellen Lage, Pläne wie die Rente ab 63 und die Pflegeauszeit zu verschieben. Auch anderswo schwelt der Streit in der Berliner Koalition weiter. Mehr

19.10.2014, 15:54 Uhr | Politik
Merkel mischt mit

Am 25. Mai wählt Europa das neue Parlament der Europäischen Union. In Bremerhaven unterstützte nun Bundeskanzlerin Angela Merkel den CDU-Spitzenkandidaten David McAllister. Mehr

29.04.2014, 21:16 Uhr | Politik
Düstere Wachstumsprognose Die Rückkehr der Krisenkanzlerin

Der wirtschaftliche Einbruch verändert die Geschäftsgrundlage der großen Koalition. Die Zeit des munteren Geldverteilens ist vorbei. Trotzdem werden Forderungen nach größerer Investitionsbereitschaft laut. Mehr Von Ralph Bollmann

19.10.2014, 10:06 Uhr | Wirtschaft
Schweden steht vor Regierungswechsel

Bei der Wahl am Sonntag kamen die drei Mitte-Links-Parteien der Opposition Hochrechnungen zufolge auf zusammen über 43 Prozent der Stimmen. Die konservative Koalition von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt gestand noch am Abend ihre Niederlage ein. Mehr

15.09.2014, 12:15 Uhr | Politik
Rot-Rot-Grün in Thüringen? Hoffentlich stoppt die SPD-Basis diesen Irrweg

Die Union gibt sich Mühe, die große Koalition nicht mit Kritik an den rot-rot-grünen Plänen in Thüringen zu belasten. Allein Michael Grosse-Brömer sprach aus, was viele dachten: Für all jene Thüringer, die vor 25 Jahren auf die Straße gegangen sind, ist das ein Schlag ins Gesicht. Mehr Von Günter Bannas, Berlin

21.10.2014, 21:33 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.09.2013, 15:07 Uhr