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Zweitstimmenkampagne : „Wer Merkel haben will, wählt FDP“

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FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle und der Parteivorsitzende Philipp Rösler stellen an diesem Montag das Plakat zur Zweitstimmenkampagne vor: „Jetzt geht’s ums Ganze“ Bild: dpa

Nach dem bayerischen Desaster wirbt die FDP-Führung offensiv um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager bei der Bundestagswahl. Der Union kommt das nicht gelegen. „Wir brauchen beide Stimmen“, sagt Fraktionschef Kauder. Ein mögliches Scheitern der Liberalen sei die Chance für „Rot-Grün“, glaubt SPD-Chef Gabriel.

          Die FDP wirbt nach ihrer Wahlniederlage in Bayern unverhohlen um Zweitstimmen von Unionsanhängern bei der Bundestagswahl. „Wer Merkel haben will, wählt FDP“, sagte der liberale Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Montag in Berlin. Nur die „Merkel-Stimme“ für die FDP sichere den Fortbestand des schwarz-gelben Regierungsbündnisses und verhindere, dass die Union eine große Koalition mit der SPD eingeht.

          Der FDP-Bundesvorsitzende Philipp Rösler kündigte an, die FDP werde in den letzten Tagen vor der Wahl „sehr konkret um die Zweitstimme kämpfen“. Die Parteiführung habe die Bundestagskandidaten angeschrieben und vorgeschlagen, dass diese vor Ort Absprachen mit dem jeweiligen Unionskandidaten treffen: Erststimme für die Union, Zweitstimme für die FDP.

          Westerwelles Absprache als Vorbild

          Eine entsprechende Absprache mit der CDU im Bonner Wahlkreis von  Bundesaußenminister Guido Westerwelle könne als „Beispiel“ für die ganze Partei dienen sagte Rösler. Die Entscheidung über solche Absprachen liege bei den Kandidaten vor Ort im Wahlkreis. „Wir werben selbstbewusst um die Zweitstimme“, kündigte Rösler an.

          Die Großplakate der FDP würden mit einem entsprechenden Aufruf überklebt: „Jetzt geht’s ums Ganze -  Zweistimme FDP“, lautet der Text. Das FDP-Duo wies Kritik aus der Union an der Zweistimmenkampagne  zurück. „Ein gesplittetes Wahlverhalten ist nichts Neues“, sagte  Brüderle. Rösler versicherte, die Kampagne werde „sportlich fair“  verlaufen.

          Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring hatte am Morgen um Zweitstimmen aus dem bürgerlichen Lager geworben. Es könne „sehr klug sein“, dass Wähler am kommenden Sonntag die schwarz-gelbe Koalition unterstützen, „indem sie einen starken Kandidaten vor Ort von der Union unterstützen und mit der Zweitstimme die FDP wählen.“ Döring fügte hinzu: „Kräfte bündeln und gemeinsam agieren - das ist nichts Neues.“

          Bahr: „Es geht um die Existenz“

          Die FDP war bei der Abstimmung in Bayern am Sonntag mit nur rund drei Prozent klar unter der Fünfprozenthürde geblieben und hat damit nach fünf Jahren in der Regierung Seehofer den Einzug in das bayerische Parlament verpasst. Rösler hatte schon am Sonntag eine „schwere Niederlage“ eingestanden.

          Lange Gesichter bei der FDP: Außenminister Guido Westerwelle, Gesundheitsminister Daniel Bahr
          Lange Gesichter bei der FDP: Außenminister Guido Westerwelle, Gesundheitsminister Daniel Bahr : Bild: dpa

          Aus Sicht des Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr geht es für die FDP bei der Wahl am 22. September „ums Ganze, es geht auch um die Existenz einer freiheitlichen Partei“, sagte der Bundesgesundheitsminister der Zeitung „Tagesspiegel“. Es drohe eine rot-rot-grüne Mehrheit.

          Union: „Zweitstimme ist Merkel-Stimme“

          CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe betonte dagegen im Deutschlandfunk, dass nicht Koalitionen, sondern Parteien gewählt würden: „Zweitstimme ist Merkel-Stimme“, sagte er. Auch der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Volker Kauder (CDU), erteilte einer Zweitstimmenkampagne zugunsten der FDP eine Absage. „Wir brauchen beide Stimmen“, sagte Kauder im ZDF. Wer Angela Merkel als Bundeskanzlerin behalten wolle, werde „auch die Zweitstimme der CDU geben müssen“, sagte Kauder.

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