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Ochsentour für den Bundestag : Und trotzdem lacht er

  • -Aktualisiert am

„Guten Tag, mein Name ist Oliver Strank und ich würde Sie gerne im Bundestag vertreten!“ Bild: Maria Klenner

Was tun Kandidaten, die auf direktem Wege in den Bundestag gelangen wollen? Ihr Letztes geben. So wie Oliver Strank.

          Was würden Sie für einen guten Job tun? Sich bewerben, klar, vielleicht etwas Geld in eine hübsche Bewerbungsmappe stecken. Dann noch etwas Zeit investieren, um etwas über den Arbeitgeber herauszufinden.

          Würden Sie sich um ein Direktmandat für den Deutschen Bundestag bewerben, dann würde das nicht reichen. 299 Wahlkreise hat die Bundesrepublik und in allen findet ein kleiner Wahlkampf statt, von dem die meisten Menschen bestenfalls am Rande Notiz nehmen. Tausende Bürger kämpfen alle vier Jahre um eines dieser Direktmandate, mit allem was sie haben, sie investieren ihr Privatvermögen und ihren Jahresurlaub, sie stehen im Hochsommer in deutschen Fußgängerzonen und verteilen Flyer und sie stehen um 6.30 Uhr auf, um eine Pressemitteilung zu schreiben.

          Das hier ist nicht die Geschichte eines angehenden Ministers, oder eines Fraktionsvorsitzenden. Das hier ist die Geschichte von einem Mann, den jenseits von Frankfurt kein Mensch kennt. Sein Name ist Oliver Strank, ein politischer Newcomer. Er war einige Jahre im Ortsbeirat von Frankfurt, bevor er sich im letzten Jahr als Außenseiter parteiintern durchgesetzt hat, um für die SPD den Wahlkreis 182 von der CDU zurückzuerobern, den Frankfurter Nordwesten.

          Gesicht schlägt Inhalt

          Noch ist Hochsommer in Deutschland, als der Wahlkampf so langsam an Fahrt aufnimmt. Oliver Strank sitzt im Konferenzraum einer Anwaltskanzlei, im obersten Stock. Direkt unter dem Dach drückt die Hitze. Strank und sein Team teilen sich die Räume mit den Anwälten, die Büros sind eng, überall liegt Wahlkampfmaterial in der Ecke: Chaos. „Kreatives Chaos“, verbessert Strank und lacht.

          Dass Strank lacht, lächelt, schmunzelt, grinst oder amüsiert schaut, ist nichts Ungewöhnliches. Wahrscheinlich sollte ein Wahlkämpfer grundsätzlich gute Laune ausstrahlen. Doch während Merkel es sich erlauben kann, gelangweilt zu wirken und Steinbrück im Wahlkampf zuweilen unwirsch wird, muss Strank bei seiner Feel-Good-Rolle bleiben.

          SPD-Kandidat Oliver Strank

          Die Leute, da macht Strank kein Geheimnis draus, wählen ihn nicht nur wegen seiner Inhalte. Vor allem verkauft er sich als Mensch. Wer einen Wahlkreis holen will, der wird sich mit vielen Wählern unterhalten müssen und unzählige Hände schütteln.

          „Jung und dynamisch“, das soll seine Marke sein. Willy Brandt und John F. Kennedy zitiert er gerne. Dann das obligatorische Lächeln. Phänotyp Christian Lindner. Also, das würden jetzt einige andere über ihn sagen, schiebt er lieber noch nach, denn Lindner sei ja in der falschen Partei. Aber ein guter Vergleich ist es trotzdem: Strank ist ein gutaussehender Mann, er trägt eng geschnittene Sakkos, meistens in dunkelblau, das hat er sich schon zum Markenzeichen gemacht. Er kann nicht nur gute Laune, er kann auch konzentriert. Dann redet er schnell, macht Aufzählungen, die er an seiner linken Hand im Stakkato-Ton abzählt. Strank spricht von Politik als seiner „große Leidenschaft“, und es fällt nicht schwer, ihm das glauben. Wenn man ihm eine Frage stellt, dann beginnt er mit seiner Antwort manchmal schon, bevor die Frage zu Ende ist.

          Er ist schon seit Ende Mai in den Fußgängerzonen unterwegs. Es ist nicht immer ganz einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Nicht alle verstehen so richtig, dass er Bundespolitiker werden will und sprechen ihn auf kommunale Probleme an. „Ja dafür kann ich mich in Berlin stark machen, aber wenden Sie sich damit besser an die Stadtverordneten, ich habe da einen Kontakt“, sagt er ihnen dann. Und dann erst das komplizierte deutsche Wahlsystem. „Ich glaube, das versteht weniger als die Hälfte der Deutschen“, sagt er, „aber ich will den Anhängern von Linken, Grünen und FDP sagen, dass jede Stimme für den Direktkandidaten ihrer Partei eigentlich an die CDU geht.“

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