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FAZ.NET-Countdown : Hinterher ist man immer schlauer

Treffen am Sonntag beim TV-Duell aufeinander: Martin Schulz und Angela Merkel Bild: dpa

Wird das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz wirklich wahlentscheidend? Was hat Gauland mit Trump gemein? Und woher wissen Wahlkämpfer, wo die Mitte liegt? Vom Sieger! Also immer erst hinterher. Der FAZ.NET-Countdown.

          Obwohl es vor Tagen noch hieß, noch nie seien so viele Wähler unentschieden, wen sie bei einer Bundestagswahl wählen sollen, sind sich die Umfrage-Institute über den Wahlausgang doch recht sicher. Es ist ja auch nur relativ „unentschieden“, ob jemand, zum Beispiel, noch nicht weiß, ob er nun CDU oder FDP wählen soll. Die einen greifen also seit gestern zum Wahl-o-Mat, die anderen fiebern dem Sonntag entgegen, dem TV-Duell zwischen Martin Schulz und Angela Merkel. Jeder zweite Wahlberechtigte soll laut Forsa die Absicht haben, die Sendung zu sehen. Jeder Fünfte, der einschalten will, gab an, dass er seine Wahlentscheidung vom Verlauf des Duells abhängig mache. Aber unter uns: Neues ist nicht zu erwarten, beide Personen sind bekannt, Überraschungen so gut wie ausgeschlossen. Es wäre eines der wenigen TV-Duelle in der Geschichte der Wahlkämpfe, die wirklich wahlentscheidend sind.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Wo, warum und wie Wahlentscheidungen getroffen werden, wer weiß das schon? Vor Beginn des Wahlkampfs war viel von Polarisierung in Deutschland die Rede, und davon, dass die Welt der Bürger nicht mehr unbedingt die Welt der Politiker und der Medien sei – die Wirklichkeit der einen komme nicht mehr in den Programmen und Informationen der anderen vor. Wir haben deshalb eine Serie erfunden, die eigentlich einen populistischen Wahlspruch aufgreift: „Aufs Maul geschaut“. Das ist gar nicht so einfach, denn sobald man aufs Maul schaut, sagt es nicht mehr unbedingt, was der Mensch dahinter wirklich denkt. Miriam Benhadid hat sich in einer Marburger Studentenkneipe umgesehen.

          Bislang war dieser Wahlkampf nicht gerade ein Aufreger. Wenn dann doch einmal Aufregung entsteht, wundert man sich immer wieder, worüber. Den autoritären Charakter Alexander Gaulands hätte man schon früher erkennen können, auch den der AfD, in dessen Namen der Politiker die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, vor die deutsche Tür setzen will, nur weil sie anderer Meinung ist als er. Aber es gibt für die deutsche Kultur offenbar kein schöneres Thema als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was deutsche Kultur sei. Besser gesagt: Leitkultur. Denn darum geht es beim Streit um einen Satz von Özuguz, eine deutsche Kultur sei nicht weiter identifizierbar, außer durch die deutsche Sprache. Mona Jaeger hat sich näher damit befasst, was Aydan Özoguz damit gemeint haben könnte.

          Was sonst noch wichtig ist

          Wenigstens hat die Episode die deutsche Kultur Alexander Gaulands offenbart. Und da hat Özuguz zweifellos recht: Sie ist nicht weiter identifizierbar. Womit wir (schon wieder!) bei Donald Trump wären. Er war einmal der Obama der AfD, jetzt ist er für den deutschen Wahlkampf so etwas wie die Spaßbremse der Populisten. Denn ihm ist auf die Stirn geschrieben: Er kann es nicht. Er muss es aber – irgendwann einmal und ausgerechnet gegenüber der unberechenbaren Atommacht Nordkorea. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hat den Abschuss einer Rakete über Japan hinweg nur als einen „Auftakt“ für weitere „Tests“ bezeichnet. Amerika antwortet jetzt mit dem Abschuss einer Testrakete, aber Trump macht nicht den Eindruck, das sei schon alles gewesen. Was kommt als nächstes?

          Zur deutschen Kultur gehört es, bei solchen Gelegenheiten an das Jahr 1945 zu denken. Zumindest die Frankfurter haben dazu am Wochenende ausgiebig Gelegenheit. Am Sonntag müssen 70.000 Bewohner der Stadt in Sicherheit gebracht werden, weil ein Blindgänger aus den Luftangriffen auf die Stadt auf einer Baustelle im Westend gesichtet wurde. Zum TV-Duell zwischen Merkel und Schulz müssten sie aber alle schon wieder zuhause sein.

          Wo ist die Mitte?

          Zurück zum Wahlkampf. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Wahlen werden in Deutschland in der Mitte gewonnen. Und was könnte deshalb größer sein als die Mitte?! Dennoch: Die Idee der Mitte, für den Präsident des Bundesverfassungsgerichts die „DNA des Grundgesetzes“, ist schwer zu fassen und deshalb für die Parteien und Wahlkämpfer immer wieder ein Phänomen, von dem man meist erst hinterher weiß, wo sie war – beim Wahlsieger. Helene Bubrowski hat sich auf die Suche begeben und Staatsrechtler nach dem Weg zur Mitte befragt.

          Quelle: FAZ.NET

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