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Nur noch Politik für Rentner? : Warum den Parteien junge Wähler nicht so wichtig sind

Die Jusos (Jungsozialisten) erhielten großen Zulauf nach Martin Schulz Kandidatur. Doch Einfluss auf das Wahlprogramm scheinen sie kaum zu haben. Bild: dpa

Die Gruppe der Wahlberechtigten über 50 ist bei dieser Bundestagswahl am stärksten vertreten. Welche Folgen hat das? Fallen die Themen der Jüngeren unter den Tisch?

          Noch nie war das Alter der Wahlberechtigten bei einer Bundestagswahl so hoch wie in diesem Jahr. Jeder zweite Wähler ist älter als 52 Jahre. Anfang der neunziger Jahre lag dieses sogenannte Medianalter noch bei etwa 46 Jahren. Ältere Wähler hatten in jüngster Zeit keinen sonderlich guten Ruf: Sie haben mehrheitlich Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten und Großbritannien aus der EU gewählt.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Für die Bundestagswahl bedeutet das höhere Alter vieler Wähler erst einmal, dass die Wahlbeteiligung im Vergleich zu früheren Bundestagswahlen womöglich steigen wird. Denn die Wählergruppe zwischen 60 und 69 Jahren ist die fleißigste, vier von fünf gehen von ihnen zur Wahl. Das war schon bei den vergangenen Landtagswahlen zu beobachten. Besonders freuen dürfen sich die Volksparteien über den wachsenden Anteil älterer Wähler: Wahlforscher haben über Jahrzehnte festgestellt, dass sie eher CDU, CSU und SPD wählen als eine der kleineren Parteien.

          Für die entscheiden sich oft jüngere Wähler, nur sind die demographisch in der deutlichen Minderheit; die jünger sind als 30 Jahre, machen nur 16 Prozent der Wähler aus. Außerdem gehen sie seltener wählen; bei der vergangenen Bundestagswahl lag die Wahlbeteiligung derer, die 21 bis 25 Jahre alt sind, bei nur 60,3 Prozent. Mit den Stimmen junger Wähler werden keine Wahlen gewonnen. Die vielbeschworene Mitte der Gesellschaft baut nicht gerade ein Haus, sondern gehört zu den Babyboomern und geht bald in Rente.

          Einfluss der Jüngeren bleibt gering

          Wie reagieren die Parteien auf diesen Umstand? Da es viele ältere Wähler gibt, die Nachfrage bei dieser Altersgruppe nach Politikinhalten also besonders groß ist, wäre es nachvollziehbar, wenn die Parteien sich darauf einstellten und ihre Programme auf diese Wählergruppe zuschnitten. Schließlich verspricht das den größten Erfolg am Wahlabend. Wer dafür Belege in den Wahlprogrammen der Parteien sucht, der wird sie finden.

          Bei der SPD etwa folgt auf den Punkt „Politik für junge Menschen“ sogleich „Gut leben im Alter“. Seit Martin Schulz im Januar SPD-Kanzlerkandidat wurde, sind rund 16.000 Personen in die Partei eingetreten – viele von ihnen sind jung und bei den Jusos. Aber der Einfluss der jüngeren Parteimitglieder auf das Wahlprogramm blieb offenbar gering.

          Für Parteien, die den Anspruch haben, möglichst viele Gesellschaftsgruppen zu vertreten und anzusprechen, kann das zum Problem werden – vor allem für die Volksparteien. Laut einer Umfrage des Verbandes „Die jungen Unternehmer“ sind 57 Prozent der Leute in diesem Land der Meinung, dass die Interessen der jungen Generation in den Wahlprogrammen zu wenig berücksichtigt werden. Ein Teufelskreis: Die Jungen sind eine kleine Gruppe von Wählern, die von den Parteien nicht sonderlich beachtet wird, deswegen gehen die Jungen nicht zur Wahl, weswegen die Parteien sie noch weniger beachten.

          Andere Themen polarisieren mehr

          Aber ganz so eindeutig ist es nicht. Die Parteien haben das Problem durchaus erkannt und versuchen, den Teufelskreis erst gar nicht entstehen zu lassen. Junge Familien und Kinder kommen ständig in den Wahlkampfreden vor, ein Wahlwerbespot der SPD zeigt lachende Kinder, einer der CDU einen Fötus im Mutterleib. Familien sollen steuerlich entlastet und darin unterstützt werden, Beruf und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können; das versprechen nahezu alle Parteien.

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