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TV-Duell Merkel gegen Schulz : Wird die Rente wie die Maut?

Bild: dpa

Endlich trafen Bundeskanzlerin Merkel und Herausforderer Schulz direkt aufeinander. Der SPD-Mann attackiert, Merkel lächelt. Doch Schulz bringt die Kanzlerin auch in Bedrängnis.

          Martin Schulz hat das erste Wort. Er, der Herausforderer, der vierte Sozialdemokrat, der sich anschickt, Angela Merkel in einem Bundestagswahlkampf zu besiegen, hat als Erster die Gelegenheit an diesem Abend, einen guten Eindruck zu machen, die eigene Anspannung zu bewältigen und die politische Gegnerin zu bedrängen.

          Günter Bannas

          Leiter der politischen Redaktion in Berlin.

          Er wolle, hatte Schulz in den vergangenen Tagen versichert, Merkel, die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende, nicht „persönlich attackieren“. Zwei Gründe hatte er angeführt. Er respektiere Merkel, war der eine. Er habe mit ihr in seiner Zeit als Präsident des Europäischen Parlaments gut zusammengearbeitet, war der zweite. Schulz weiß überdies, dass die Zeiten sich geändert haben. Nicht mehr die Formen der politisch polarisierten und der persönlichen Angriffe sind gefragt - wie sie zu Zeiten des Sozialdemokraten Helmut Schmidt (gegen Franz Josef Strauß zum Beispiel) oder des CDU-Politikers Helmut Kohl (gegen Oskar Lafontaine) Gang und Gäbe waren. Der letzte Kanzler, der damit Erfolg hatte, war Gerhard Schröder gewesen. Seit Merkel regiert, kommen nicht Holzhammer oder Säbel in der Auseinandersetzung gut an. Florett ist gefragt. Schulz lässt sich darauf ein.

          Zu den Besonderheiten des  Tages gehörte die ziemlich vorzeitige Freischaltung einer Anzeige der SPD bei Google. „TV-Duell: Merkel verliert - klar gegen Martin Schulz - spd.de“ war zu lesen. Von Sonntag um null Uhr bis sieben Uhr morgens. Der SPD-Vorstand entschuldigte sich – für die Panne eines sogenannten Dienstleisters. „Nicht unser Stil. Verwirrung bitten wir zu entschuldigen.“ Eine peinliche Panne. Die CDU-Leute höhnten. Auffällig war an diesem Abend: Schulz hatte die Panne weggesteckt.

          Schulz, der per Losverfahren das Recht auf die erste Antwort bei diesem Duell erhielt. Aufstieg und Absturz - woran lag es. Über die verlorenen Landtagswahlen redet er. Jetzt aber seien noch mehr als die Hälfte der Wähler unentschlossen. Ob Merkels Politikstil dem Land und der Demokratie schade, wird er gefragt – nach einem eigenen Zitat also. Unter Merkel, sagt er, sei der politische Diskurs, sei die kontroverse Debatte untergegangen, bemerkt er. Das Salz in der Suppe fehle. In dieser Schärfe aber werde er es nicht noch einmal sagen, versichert Schulz. Merkel lächelt. Einige Freunde von Schulz im Nebensaal des Studios klatschen.

          „Sie kennen mich“

          Angela Merkel darf als zweite erwidern. Wie Schulz hatte sie sich wohl vorbereitet. Zwar hat sie - eigenen Aussagen zufolge - ihre früheren Fernsehduelle mit Schröder und zwei weiteren Sozialdemokraten, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, nachträglich nicht noch einmal angeschaut. Mit dem kanzlertauglichen Hinweis, dafür fehle ihr die Zeit. Nachgelesen aber habe sie schon einiges. Den damals wählerwirksamen Satz „Sie kennen mich“ gewiss auch. Aber auch jenen, der ihr bis heute anhängt. „Mit mir wird es keine Maut geben“ – gesagt vor vier Jahren. Die Maut kam doch, und Merkel hatte ihre Versicherung neu zu interpretieren. Keine zusätzliche Belastung für die deutschen Autofahrer durch eine Pkw-Maut werde es geben, habe sie gemeint, und sie habe nicht geglaubt, dass ein solches Vorhaben gelingen könne.



          Merkel also wird gefragt, ob es zwei Angela Merkels gebe – eine den Flüchtlingen gegenüber freundliche und eine unfreundliche, eine für den Diesel und eine Diesel-skeptische. Jeder Mensch ändere sich, sagt sie. Sie stehe für Maß und Mitte. Von nachhaltigen Lösungen redet sie. Immer gebe es neue Aufgaben. Und stets sei die SPD ein kontroverser Koalitionspartner gewesen. Und: Sie mache keine Prognosen über den Wahlausgang. Den Vorwurf, sie habe zugunsten der AfD rechts der Union Platz gelassen, weist sie zurück.

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