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SPD in der Krise : Wahlkrampf mit der Kampa

Hoffnungsträger der SPD: Was ist vom Hype um Martin Schulz übrig geblieben? Bild: Steffi Loos/CommonLens

Einst war die SPD-Wahlkampfzentrale ein moderner Kampagnenmotor voller Elan. Inzwischen werden nur noch Niederlagen organisiert. Es wird Zeit für einen Neuanfang.

          Am 21. Januar hat Sigmar Gabriel in einem Hotel in Montabaur der SPD abermals eine Wahlkampagne ruiniert. Statt wie erwartet selbst anzutreten, hängte Gabriel an diesem Wintertag alle Bürden Martin Schulz um den Hals: den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur. Der Europapolitiker, den viele deutsche Wähler kaum kannten, hatte zwar mit dem Gedanken gespielt. Seine Zeit in Brüssel war abgelaufen, er war auf Job-Suche. Aber Gabriel hatte auch ihm den Eindruck vermittelt, er werde Merkel selbst herausfordern. Außenminister, das wäre für Schulz eine Option gewesen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Schulz war überrascht, aber er freute sich auch. Was er nicht wusste: Für seine Kandidatur war zu diesem Zeitpunkt im Willy-Brandt-Haus zu wenig vorbereitet. Als er kurz darauf das sozialdemokratische Hauptquartier besichtigte, musste er sich fühlen wie ein Küchenchef, dem sein Vorgänger acht Minuten vor dem Eintreffen der Gäste lauter leere Töpfe hinterlassen hat. Noch wenige Monate bis zur Wahl, und es gab kein Programm, keine Mannschaft, keinen Plan für die Kampagne des Spitzenkandidaten. Gabriel hatte lediglich zwei Dinge bestimmt, die Schulz kaum ändern konnte: Als Werbeagentur hatte er im Dezember das Hamburger Büro KNSK engagiert, das auch früher schon für Sozialdemokraten gearbeitet hatte. Normalerweise, so beklagten andere Werbeexperten, bekomme eine Agentur rund zwei Jahre Zeit, einen bundesweiten Wahlfeldzug vorzubereiten. Diesmal war es weniger als halb so lange.

          Gabriels Personalentscheidungen

          Auch eine wesentliche Personalentscheidung hatte Gabriel bereits getroffen. Sein Sprecher, der ihm 2014 ins Wirtschaftsministerium gefolgt war, kehrte ins Willy-Brandt-Haus zurück, um dort „Leiter Kommunikation“ zu werden. Der Mann arbeitet seit zehn Jahren in Gabriels engster Umgebung und kann jedem plötzlichen Sinneswandel seines Chefs eine politisch fundierte Fassade herbeiquatschen. Er galt als die Vorhut der Gabriel-Kampagne. Als Schulz kam, brachte er nur einen engen Vertrauten mit, Markus Engels, der ihm als Stratege und politischer Alltagsberater in dem fremden Parteizentralen-Biotop zur Seite stand. Aber nicht als Pressesprecher. Dabei sollte Engels für Schulz sein, was für Gerhard Schröder einst Franz Müntefering war – der Mann für alle Fälle.

          Als Bundesgeschäftsführer der SPD hatte „Münte“ 1998 die später legendäre „Kampa“ der SPD eingerichtet, eine Wahlkampfzentrale nach amerikanischem Vorbild, die in bewusster Abgrenzung vom altbackenen Bonner Ollenhauer-Haus über Monate die Lage analysierte, Pläne schmiedete und die bevorstehende Auseinandersetzung mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl so gründlich vorbereitete wie nie zuvor eine Wahlkampfmannschaft der SPD. Bis zu hundert Leute arbeiteten in der Hochphase des Wahlkampfes im Kampa-Bienenstock. Sie sorgten für die richtigen Termine, gute Reden und zündende Plakate. Wo immer Kandidat Schröder aus dem Auto stieg, erwarteten ihn dieselben zuverlässigen Mitarbeiter und wichtige Kleinigkeiten wie ein frisches Hemd nach der schweißtreibenden Rede. Am Ende errangen Schröder und die SPD mit über vierzig Prozent einen gewaltigen Erfolg. Er war der richtige Kandidat zur richtigen Zeit. Aber auch die fast perfekt organisierte Wahlkampfführung trug zum Erfolg bei. Es passte im Großen wie im wichtigen Detail. Eine solche Organisation steht Martin Schulz nicht zur Verfügung. Es ist schwer genug, eine amtierende, weltweit anerkannte Bundeskanzlerin in einem wirtschaftlich erfolgreichen Land mit geringer Arbeitslosigkeit herauszufordern. Aber wenn noch Pech und Pannen im eigenen Lager die Kampagne begleiten, wird aus schwierigem Wahlkampf ein beinahe aussichtsloser. Juliane Seifert, die technische Wahlkampfleiterin, spricht gleichwohl von einer hoch motivierten und mobilisierten Partei, die jetzt stark auf Hausbesuche bei unentschlossenen Wählern setzt. Eine Millionen solcher Besuche hat es inzwischen gegeben, berichtet Seifert. Das läuft also gut.

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