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ARD-Sommerinterview : SPD-Kanzlerkandidat Schulz greift Amtsinhaberin Merkel frontal an

  • Aktualisiert am

Martin Schulz, der Kanzlerkandidat der SPD, posiert für das ARD-Sommerinterview im roten Chefsessel vor dem Bundestag in Berlin. Bild: BECHER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Angriffslustig gegenüber Rivalin Merkel, aber inhaltsleer in eigener Sache. So tritt SPD-Kanzlerkandidat Schulz im ARD-Sommerinterview auf. Im Wahlkampfendspurt will er „an die vielen Unentschiedenen ran“.

          Einen Monat vor der Bundestagswahl schaltet Martin Schulz auf Attacke: Der SPD-Kanzlerkandidat warf Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) wegen der Wahlkampfführung ihrer Partei abgehobenes Verhalten vor. Schulz zog dabei eine Parallele zum Ende der Ära des früheren Kanzlers Helmut Kohl in den 90er Jahren.

          Der SPD-Chef warf Merkel am Sonntag im ARD-Sommerinterview vor, die Flugbereitschaft der Bundeswehr zu benutzen, um sich für einen „Spottpreis“ zu Wahlkampfterminen bringen zu lassen. Dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zufolge zahlt die CDU bei den Wahlkampfreisen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten für die Bereitstellung von Helikoptern und Flugzeugen.

          Demnach stellen Bundeswehr und Bundespolizei der CDU bei diesen Flügen für die Kanzlerin und ihre Mitarbeiter lediglich den Preis eines Business-Class-Tickets der Lufthansa für die Strecke in Rechnung. Für eine Einzelstrecke seien das maximal rund 500 Euro.

          Schulz empörte sich auch über die Nebenjobs von Mitarbeitern des Kanzleramtes in der CDU-Wahlkampfzentrale. Es gebe „eine ganze Reihe von Punkten, wo die Leute das Gefühl haben, dass Angela Merkel entrückt ist“, sagte er. Immer mehr Menschen würden merken, „wie abgehoben“ die Kanzlerin sei.

          „Sehr differenziertes Programm“ der SPD

          Während die SPD ein „sehr differenziertes Programm“ vorgelegt habe, begnüge sich die Union mit der Aussage: „Wir haben Angela Merkel, und das reicht für die Zukunft“. Das erinnere ihn an die Wahlperiode von 1994 bis 1998. „Die letzten vier der 16 Kohl-Jahre waren die Jahre der Stagnation und der politischen Agonie. Das möchte ich Deutschland ersparen.“

          Im Umgang mit der Dieselaffäre warf Schulz der Kanzlerin vor, „keinen Plan“ zu haben. Einmal habe Merkel eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 vorgeschlagen, dann wieder dieses Ziel „ganz schnell abgeräumt“. In einem anderen Interview habe sie das Ende von Diesel- und Benzinautos angekündigt, bis es Gegenwind von CSU-Chef Horst Seehofer gegeben habe. „Da ist sie jetzt wieder umgefallen.“

          Merkel reagierte zurückhaltend auf die Kritik ihres Herausforderers. Im ZDF erinnerte die Kanzlerin am Sonntag an den von ihr geleisteten Amtseid, dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen. Diesem Eid wolle sie gerecht werden. Im übrigen freue sie sich auf das TV-Duell mit Schulz am kommenden Sonntag.

          Schulz baut auf Unentschiedenheit der Wähler

          Trotz eines deutlichen Umfragerückstands der SPD auf Merkels Union gab sich Schulz optimistisch, was den Ausgang der Bundestagswahl anbelangt. Die Umfragen zeigten auch, dass noch fast jeder zweite Wähler unentschieden sei, sagte er. „An die Unentschiedenen will ich ran. Und wenn ich die bekomme, dann kann ich auch die Bundestagswahl gewinnen.“

          Die Sozialdemokraten wollen in der nächsten Zeit verstärkt auf Bildungsthemen setzen. Am Montag stellt Schulz im Willy-Brandt-Haus ein Eckpunktepapier zur Bildungspolitik vor, das er zusammen mit den sieben SPD-Ministerpräsidenten erarbeitet hat. Damit wolle er „Chancengleichheit, die es in diesem Lande in der Bildungspolitik nicht gibt, auf die Tagesordnung setzen“, sagte der SPD-Chef.

          Schulz will unter anderem zwölf Milliarden Euro in das Schulsystem investieren. Dazu plant er ein Ende des sogenannten Kooperationsverbotes, das eine finanzielle Unterstützung des Bundes für Kommunen und Länder im Bildungsbereich untersagt. Außerdem sollen die Bildungsstandards in den Bundesländern vereinheitlicht werden.

          Quelle: AFP

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