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Im Wahlkampf : Merkels dunkles Deutschland

  • -Aktualisiert am

Demonstranten bei Merkels Wahlkampfkundgebung in Finsterwalde am Mittwoch Bild: TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Rathenow, Torgau, Bitterfeld - Bundeskanzlerin Angela Merkel tourt im Wahlkampf durch ostdeutsche Kleinstädte. Dabei schlägt ihr oft Hass entgegen. Wie konnte es so weit kommen?

          Es könnte alles so schön sein in diesem spätsommerlichen Wahlkampf von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Malerisch herausgeputzte Innenstädte, interessierte Wähler und begeisterte Ortsvereinsmitglieder, die mit bunten Klatschpappen ihrer Parteivorsitzenden zujubeln. Bürger, die in ihrem Deutschland gut und gerne leben. Die Realität sieht anders aus. Statt von begeisterten Anhängern wird die Kanzlerin vielerorts auch von lärmenden Gegendemonstranten empfangen. So zuletzt auch im brandenburgischen Finsterwalde.

          Dort störten am Mittwochabend circa 100 Demonstranten eine Wahlkampfkundgebung der CDU immer wieder mit „Merkel-muss-weg“ und „Hau-ab“-Rufe gestört. Mit Trillerpfeifen und Gebrüll sorgten sie dafür, dass die Kanzlerin kaum zu verstehen war. Merkel ging in ihrer Rede nur am Rande darauf ein, spulte sonst ihr normales Programm ab. Erst einen Tag später sagte sie den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“, dass sie Protesten bei ihren Auftritten weiter trotzen wolle: „Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifen-Konzerten und den Sprechchören nicht anschließen, brauchen Ermutigung dafür, weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten.“

          Einer, der den Störern direkt gegenüberstand, ist der Landesvorsitzende der Jungen Union Brandenburg, Julian Brüning. „Zwischenzeitlich war es so laut, dass man die Rede der Kanzlerin kaum noch verstehen konnte“, erinnert er sich. Gemeinsam mit einigen Parteifreunden war Brüning, der im 40 Kilometer entfernten Drebkau aufgewachsen ist, bei der Veranstaltung in Finsterwalde als Helfer eingeteilt. Für gute Stimmung sorgen, das ist die Aufgabe, die Parteien ihren Jugendorganisationen bei solchen Veranstaltungen in der Regel geben. Am Mittwoch war das keine dankbare Tätigkeit. Das Wetter war schlecht, dementsprechend wenig Besucher hatten sich eine Stunde vor der Veranstaltung auf dem Marktplatz versammelt. Mit dem Beginn des Auftritts der Kanzlerin begann dann ein gellendes Pfeifkonzert. „Das Verhalten der Demonstranten hat viele Passanten, die einfach gekommen waren, um der Kanzlerin zuzuhören, vertrieben“, sagt Brüning. Er habe daraufhin versucht, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen: „Doch da waren keine Argumente, nichts.“

          Wahlkampf : Merkel trotzt den Störern

          Frust über Flüchtlinge, Rente, Arbeitsmarkt

          Brüning ist als Wahlkämpfer der brandenburgischen Union Kummer gewohnt. Mit seinen knapp 6000 Mitgliedern ist der Landesverband der drittkleinste der CDU in Deutschland und schwankt bei Landtagswahlen immer um die 20-Prozent-Marke. Umso erstaunlicher war, dass die CDU bei der vergangenen Bundestagswahl bis auf eines alle Direktmandate im traditionell SPD-roten Brandenburg gewonnen hat. Dieses Ergebnis wollen die Christdemokraten dieses Jahr verteidigen und setzen dabei außer auf Angela Merkel voll auf den Haustürwahlkampf. Dabei macht Julian Brüning eine ähnliche Erfahrung wie am Mittwoch in Finsterwalde: „Die Menschen wollen häufig gar nicht mehr über ihre Probleme sprechen. Es gibt keine Diskussionen mehr.“ Bei den vergangenen Wahlkämpfen sei das noch anders gewesen. Die Flüchtlingspolitik ist dabei laut Brüning aber nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. „Eigentlich haben die Menschen ganz andere Probleme“, sagt er und spricht von niedrigen Renten und Problemen auf dem Arbeitsmarkt.

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