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Hype um SPD-Kanzlerkandidaten : Martin!

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Schulz und Ich: „Dann meine „Vorwärts“. Ich sage: „Für Friederike, bitte“. Schulz schreibt, hält inne, fragt mich: „Vorne i, e oder ie?“ Ich bin schon wieder gerührt!“ Bild: Frank Röth

Wie kommt man in den Schulz-Rausch? Ich versuche es so: Schulz sehen, Autogramm holen, in Ohnmacht fallen. Ein Selbstversuch.

          Seit Wochen wird über Martin Schulz gesprochen und geschrieben, als sei er eine Droge. Und ich darf sie ausprobieren! Jeden Tag habe ich in der Redaktion davon geträumt: Schulz sehen! Aber nicht mit dem Notizblock am Rand stehen und Jusos fragen, wie die Stimmung ist. Ich geh ja auch nicht in die Kneipe und frage dann nur, ob das Bier schmeckt. Ich will den Schulz-Rausch selbst erleben! Jetzt hat mein Chef es erlaubt, eigentlich sogar selbst vorgeschlagen, wohl, weil er mein Sehnen erkannte. Unter zwei Bedingungen darf ich fahren: Ich soll ein Autogramm holen. Und wenigstens einmal kurz besinnungslos werden. Ich verspreche, mein Möglichstes zu tun.

          Geschehen soll es in Kamen. Dort in der Stadthalle. Am Sonntagmorgen um zehn. Kamen liegt in Nordrhein-Westfalen, ist für sein Autobahnkreuz berühmt und, was damit zusammenhängt, nicht für seine Zuganbindung. Ich will aber, wegen Rausch, nicht Auto fahren. Also reise ich am Samstagabend schon nach Köln, um da mit Schulz-Videos und Liedern vorzuglühen. Am nächsten Morgen dann weiter nach Kamen. Ich hasse es, früh aufzustehen, denke aber an Willy Brandts Worte: „Ich muss immer ein bisschen müde sein, um etwas Gutes machen zu können.“ Also sehr müde, um etwas sehr Gutes machen zu können.

          Ein Lied für Martin Schulz

          In Köln gehe ich abends in ein Brauhaus. An der Theke schaue ich ein Youtube-Video, das ich schon im Büro manchmal heimlich angesehen habe. Allerdings immer nur eine Stelle. Das Video ist von 2014. Martin Schulz sitzt im Auto mit einem Fernsehmoderator. Der reicht Schulz ein iPad: „Ich habe Ihnen ein Karnevalslied mitgebracht.“ Es ist von den Bläck Fööss und heißt „En unserem Veedel“. Der Text besagt, dass die Leute in einem Stadtviertel zusammenhalten. Martin Schulz spielt das Lied ab und singt laut mit. An der Bar schauen jetzt ein paar Männer anerkennend rüber; ist das schon der Schulz-Effekt? Ich habe Schulz’ Gesang sehr laut abspielen müssen, denn im Brauhaus ist es auch sehr laut. „Martin Schulz!“, sage ich, schon leicht angeschulzt, zu zwei Männern neben mir. Die lachen. Warum, ist mir schleierhaft. Vielleicht schämen sie sich ihrer Gefühle. Als Schulz fertig gesungen hat, fragt ihn der Moderator, ob er ein Gemütsmensch sei: „Ja! Ja, da könnt ich heulen.“ Auch ich bin gerührt. Dann noch mal gerührt von meiner Rührung. Die Droge Schulz, falls sie denn berauscht, rauscht warm. Bier ist nichts dagegen. Die Kölsch-Gläser der Männer leuchten wie Gaslaternen am Beginn einer kalten Nacht, in der mancher erfrieren wird. Ich gehe in mein Hotel.

          Am nächsten Morgen stehe ich um sechs auf. Während ich mich ankleide, spiele ich auf meinem Handy ein Lied ab: das „Schulzzuglied“ der Gruppe „Schulzenbrothers“. Es wurde extra für Martin Schulz geschrieben. Ich will es so oft mitsingen, bis ich alle drei Strophen auswendig kann. Die Melodie des Steigermarsches erklingt, dann eine Männerstimme: „Glück auf, Glück auf! Der Schulzzug rollt! Und er hat keine Bremsen, fährt mit voller Kraft, und er hat keine Bremsen, fährt mit voller Kraft ins Kaaaanz-laaa-a-ha-hamt, ins Kaaanz-laaa-aaamt!“ Ich finde meinen Gesang inbrünstig, voller Gefühl. Viermal, fünfmal habe ich die Strophen durch, da hämmert jemand an die Tür. Es dröhnt, denn die Tür ist sehr dünn. Die Wände sind es leider auch. Ich habe ein Billighotel gebucht; meine niedrigen Reisekosten sollen meinen Chef milde stimmen, falls das mit dem Besinnungsloswerden nicht klappt. Vom Flur brüllt einer heiser: „Geht auch bisschen leiser, wa!“ Ich will ihn einladen, mitzusingen, doch als ich öffne, ist der Flur leer.

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