Home
http://www.faz.net/-hpp-7gusc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Steinbrücks Stasi-Akte Harmlose Postings

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat seine Stasi-Akte veröffentlicht. Sie widerlegt Vorwürfe, er habe Kontakte zum Geheimdienst der DDR unterhalten. Die meisten Informationen geben Politiker heute freiwillig preis.

© dpa Vergrößern Öffentlichkeit lautet die Maxime: Autogrammkarten von Peer Steinbrück bei einem Wahlkampfauftritt in Holzminden

Das Ergebnis ist eindeutig: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat am Donnerstagabend seine Stasi-Akte veröffentlicht und damit Vorwürfe widerlegt, das Ministerium für Staatssicherheit habe ihn zur Zeit des Kalten Krieges als Spitzel für die DDR gewinnen wollen.

Lorenz Hemicker Folgen:    

„St. (Steinbrück, Anm. d. Red.) steht voll und ganz zur Politik des Bonner Staates“, heißt es in einem auf den 29. Januar 1981 datierten Auskunftsbericht des informellen Stasi-Mitarbeiters (IM) „Richard König“. Er halte sich zwar für einen Marxisten, sei aber eindeutig ein „Vertreter der Theorie des demokratisch-sozialistischen Sozialismus“, den der Stasi-Mitarbeiter klar vom „real demokratisch existierenden Sozialismus“ in der DDR trennt. Zwischen den Zeilen heißt das: Für die Stasi war Steinbrück ein Fehlgeleiteter. Als Spitzel unbrauchbar.

Dabei wäre der Mittdreißiger Anfang der 80er Jahre für die Stasi durchaus ein wertvoller Informant gewesen. Zum Zeitpunkt des Berichts arbeitete Steinbrück im Bundeskanzleramt in Bonn und befasste sich dort als Mitarbeiter mit Energiefragen.

Steinbrück gefiel die Langsamkeit in der DDR

Die übrigen Informationen der Stasi über Steinbrück muten aus heutiger Sicht harmlos, ja streckenweise banal an. Penibel wird in dem Bericht verzeichnet, wie häufig er die DDR aufsuchte (drei Mal bis 1981) und welche grundlegenden Überlegungen er anstellte. Steinbrück, der damals schon SPD. Mitglied ist, denkt darüber nach, ob er Politiker werden soll. Er schimpft über die konservativen Parteien in der Bundesrepublik. Und ihm gefällt die Langsamkeit, mit der das Leben in der DDR im Gegensatz zur BRD vonstatten geht – Informationen also, die Politiker heutzutage auch von sich aus in die Welt posten. Ob einen diese Erkenntnis beruhigt, hängt wohl vom Standpunkt ab.

Mehr zum Thema

Steinbrück selbst begründete die Veröffentlichung der Dokumente mit Vorwürfen der Zeitung „Welt am Sonntag“, die vor kurzem über seine Kontakte zur Stasi spekuliert hatte. Heikles, so der SPD-Kanzlerkandidat, könne er in dem Bericht nicht erkennen.

Davon ausgenommen dürfte die Identität des Spitzels gewesen sein, der ihn während seiner Besuche beschattete. Der IM „Richard König“ war der Mann einer Cousine, die Peer Steinbrück bei seinen Reisen in die DDR besuchte.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Innenminister de Maizière Keine Lust auf Spielchen

Flüchtlinge, G36, BND: Derzeit sind viele brisante Themen mit Thomas de Maizière verbunden. Für den Kanzler-Aspiranten ist das nicht immer von Vorteil. Ob es ihm aber schadet, ist offen. Mehr Von Eckart Lohse, Berlin

26.04.2015, 18:26 Uhr | Politik
Bonn DHL testet Paketkopter

In einem fünftägigen Testbetrieb können sich Post-Mitarbeiter am Standort Bonn Päckchen mit einer Drohne zustellen lassen. Ein regulärer Betrieb ist laut DHL aber noch nicht absehbar. Mehr

12.01.2015, 11:23 Uhr | Wirtschaft
Sturmgewehr G36 Das Ministerium und die Weiss-Nicht-So-Genau-Klage

Das Sturmgewehr G36 hat ein Präzisionsproblem – sagt das Verteidigungsministerium. Macht der Bendlerblock Schadenersatzansprüche geltend? Mehr

17.04.2015, 14:06 Uhr | Wirtschaft
Trailer V-Mann-Land: Spitzel im Staatsauftrag

V-Mann-Land: Spitzel im Staatsauftrag läuft am 20. April um 22:45 im Ersten. Mehr

20.04.2015, 17:26 Uhr | Feuilleton
Sturmgewehr G36 Neues Rohr, alles gut?

Das G36 habe keine Zukunft, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen diese Woche. Wirklich? Die Bundeswehr erwägt nun, das Sturmgewehr G36 zu modernisieren. Für die laufenden Einsätze soll eine schnelle Lösung her. Mehr Von Peter Carstens und Lorenz Hemicker

26.04.2015, 08:25 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.08.2013, 11:00 Uhr