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Offensive der SPD : Und ab jetzt wieder Frontalunterricht

Gruß aus dem Umfragetief: Martin Schulz zusammen mit Manuela Schwesig, Carsten Sieling und Stephan Weil in Bremen Bild: Imago

Martin Schulz eröffnet in Bremen den Straßenwahlkampf. Die Umfragewerte sind noch immer schlecht, eine neue Botschaft hat er nicht. Nur den Ton verschärft er.

          Nicht alles ist so wie vor vier Jahren. Als Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf 2013 zu seiner ersten Großkundgebung in seine Heimatstadt Hamburg lud, wagte die SPD ein kleines Experiment. Der Kanzlerkandidat stand in einer Art Rundzelt inmitten einer Menge und wanderte wie ein Zirkusdirektor schnackend durch die Manege, mal nach Norden gewandt, mal nach Süden. Er nahm sein Publikum in den Blick und begann gleichsam einen Dialog über die Lage des Landes. Das war innovativ und gelang auch recht gut, wenngleich der Dialog, von gelegentlichen Scherzen mit den Leuten abgesehen, doch eher monologisch ausfiel, schließlich hielt Steinbrück das Mikrofon in der Hand.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Als man sich in der SPD-Parteizentrale vor Monaten Gedanken darüber machte, wie der Straßenwahlkampf diesmal aussehen solle, hieß das Motto sogleich: Back to the roots. Martin Schulz, so die Analyse, sei anders als Steinbrück, eher der Typ klassischer Redner, der Pult und Bühne brauche. Also kehrte die SPD zurück zum Frontalunterricht. In Bremen begann nun – fünf Wochen vor der Bundestagswahl – mit der ersten von vierzig Großkundgebungen die sogenannte heiße Wahlkampfphase. Heiß, das zeigte sich auch an der Weser, ist freilich relativ, wie der Sommer in Deutschland.

          Zumindest in Bremen kein Mobilisierungsproblem

          Was die Ausgangslage anbelangt, ist aus sozialdemokratischer Sicht leider vieles so wie 2013: die desaströsen Umfragewerte, das verzweifelte Hoffen auf die unentschlossenen Wähler, ein Kandidat, der gewiss kämpfen will, dem die Tiefschläge der vergangenen Monate aber in den Knochen stecken. Und auch der Faktor Sigmar Gabriel. Der ist zwar diesmal nicht mehr Parteivorsitzender, führt aber dennoch einen Parallelwahlkampf, Abweichungen von der Kampagne des Kanzlerkandidaten, unter denen schon Steinbrück litt, eingeschlossen. Der Sommer ist für Schulz also alles andere als vergnüglich.

          Zumindest in Bremen offenbart die SPD kein Mobilisierungsproblem. Der prächtige Marktplatz ist gut gefüllt am Montagabend. Und der Regen lässt nach, als Schulz erscheint. Auch über mangelnden Applaus kann die SPD sich nicht beklagen, obschon sich ein paar nachtragende Agenda-2010-Kritiker unter die Leute gemischt haben. Die Hansestadt wurde nicht zufällig ausgewählt. Schulz lobt Bremen als „Hochburg“ seiner Partei, die hier seit 1946 stärkste Kraft sei – wobei Hochburg heute heißt, knapp 33 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen. Da der Kundgebungsauftakt stets eine große mediale Aufmerksamkeit erfährt, soll aber zumindest die Kulisse stimmen. Nicht selten haben Kanzler und Kanzlerkandidaten sich für diesen Termin eine neue Rede schreiben lassen, eine, die dann in leichter Variation fünf Wochen lang landauf, landab abgespult wird. Dabei gilt der Lehrsatz aus der politischen Kommunikation: Wenn die mitreisenden Journalisten die Formulierungen entnervt mitzusprechen beginnen, wenn der Kandidat selbst die eigenen Wendungen nicht mehr hören kann, dann, vielleicht dann könne man davon ausgehen, dass die Botschaft im Volk angekommen sei.

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